Tage, wie dieser …

Ein „runder“ Tag

„Runde“ Tage fühlen sich an, wie Crème brûlée, Erdbeeren mit Schlag oder erntefrische Tomaten mit einem Schuss Olivenöl und einem Zweig Basilikum schmecken – einfach perfekt. Glücklicherweise sind sie recht selten, sonst verlöre dieses Gefühl absoluter Zufriedenheit an Exklusivität.

Der 28. Mai 2013 jedenfalls gehört zu jenen seltenen runden Tagen in meinem Leben. Er beginnt mit einer Tasse Tee, Recherchen, Schreibarbeit und dem Lektorat für unsere kleine Zeitung. Die Mittagspause und strahlender Sonnenschein fallen auf den gleichen Zeitpunkt und weil auf der vorderen Weide der Hahnenfuß hüfthoch steht, geht es für drei Stunden in den Garten. Der Boden ist nach den anhaltenden Regenfällen so nass, dass für den Schnitt lediglich die Motorsense in Frage kommt. Ich hasse dieses Höllending, wenn es die Nachbarn einsetzen. Wenn ich selbst den Motor anwerfe, mir den Gurt umlege, die Schutzbrille aufsetze und die Stöpsel in die Ohren stecke, fühle ich mich wie Lara Croft im Einsatz. Nach knapp 5 Minuten Mäharbeit bei dieser Nässe sehe ich aus, als hätte mir ein Nilpferd seinen Dung um die Ohren katapultiert.

(Zur Veranschaulichung nachfolgende Fundsache im www)

Ein durchgängiger grüner Brei aus Gras, Blüten und Blumenstängeln legt sich über Kleidung, Gesicht und Arme und wo die mit Hochgeschwindigkeit pürierten Pferdeäpfel landen, lässt sich im Einzelnen gütiger Weise nicht nachvollziehen.

Eine Wiese über und über voller Hahnenfußblüten ist ein schöner Anblick. Allerdings sind die Pflanzen für Pferdemäuler Gift und verbleiben auch dann auf den Weiden, wenn alles andere verputzt ist. Sie vermehren sich von Jahr zu Jahr und werden bald zur Plage. Als ich die Wiese nach vollbrachtem Mähwerk betrachte, beschleicht mich das unheimliche Gefühl, dass auch mir gewisse Linien und eine Ordnung in der Natur inzwischen zu gefallen scheinen. Um also potentiellen Kahlschlag zu verhindern, bleiben ausgesuchte Flächen verschont. Dort sollen sich Blumen und Blüten, Löwenzahn & Co. ungestört ausbreiten und dem Insektenvölkchen Nahrung bieten dürfen. Die beiden Kater verziehen sich bei dem Lärm. Die Ponies hingegen scheinen magisch angezogen zu werden von mir und meiner Grasbrei-Schleuder. 

Am ersten schönen Tag seit knapp zwei Wochen schnappe ich mir anschließend die Kamera und gehe auf Exkursion. Viele Stauden und Blumen stehen in den Startlöchern. Die Blüten sind noch geschlossen, lassen aber ihre Pracht bereits ahnen. Nebenan ruft ein kleines Nachzügler-Lämmchen unentwegt nach seiner Mutter, die zwei Schritte hinter ihm steht. Der kleine Racker hätte sich in seiner Not lediglich einmal um die eigene Nase drehen müssen.
Alle Neulinge in meinem Garten fassen Fuß. Der rote Duftholunder entwickelt sich. Die zwei Rhododendren, die ich im vorigen Jahr gepflanzt habe, sind gut angewachsen und scheinen ihren Standort zwischen Fichten und Eiben zu mögen. Ich streife durch den Garten, das kleine Wäldchen bis nach ganz hinten zum Graben. Im Schlepptau die Kater.

Nach einer ausgiebigen Dusche und einer weiteren Tasse Tee geht es schließlich zurück an die Arbeit. In der Zeitung erzählen die Menschen vom Geschehen in ihren Vereinen, von den sportlichen Erfolgen, über Land und Leute. Es sind die kleinen Dinge, über die man spricht. Die man groß sehen und lesen will. Das hat etwas Behagliches. Beruhigendes. Und stimmt versöhnlich angesichts dessen, was über die Grenzen von Region und Land hinweg geschieht.

Das Leben ist schön. Ganz besonders schön ist es an einem runden Tag, wie diesem.

Lust, auf einen kleinen Spaziergang?

RhodoOrange1

Rhododendron in Orange

Lamm

Verspäteter Nachwuchs

Kornblume

Die erste Kornblume zeigt sich

Jimmy002

Zaungäste beim Mähen

Teich

Eichhornia, die Wasserhyazinthe

PetunieRosaFliege

Petunien-Spleen – in allen Farben

PetunieRosaGruen

Petunien-Spleen – in allen Farben

Petunie

Petunien-Spleen – in allen Farben

Pfingstrose

Sie öffnet sich – die Pfingstrose

Jimmy

Relaxed

RhodoRot

Step …

RhodoRotBluete

… by Step

ThoraAusschnitt

Ein Augenblick…

Panorama

Das Ende eines schönen Tages

4 Kommentare zu “Tage, wie dieser …

  1. Liebe Heike, vielen Dank für den schönen Text, dass du mich hast teilhaben lassen an deinem runden Tag und zum Lachen gebracht hast…denn auch ich hasse den Strimmer und habe oft den gleichen Vergleich gezogen. Wer hat das Ding nur erfunden? 😉 Alles Liebe

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