Rhabarberbarbarabarbarbaren…

Rheum rhabarbarum – also die fremdländische Wurzel oder auch einfach Rhabarber genannt, der im Grunde seines sauren Herzens im Himalaja zu Hause ist und über Russland nach Europa kam, gedeiht in meinem Garten, wie kaum ein anderes Gewächs – schier unverwüstlich – ausgesprochen widerstandsfähig und in rauen Mengen. In jedem Jahr ernten wir so viel davon, dass sämtliche Nachbarn und Familie ihr Quantum abbekommen. Wieder einmal mein Dank an Ömchen Thiede, die vor vielen Jahren dem roten Rhabarber den Vorzug gab: Die Stangen sind weniger säuerlich und zaubern in jedweder Zubereitungsart eine wunderschöne, kräftige Färbung.

Vorderernte

Prächtige Stauden vor der Ernte

Knapp neun Kilogramm waren es in diesem Jahr. Acht davon fanden ihren Weg in den Entsafter. Nach einer knappen halben Stunde unter Dampf tropft aus dem Schlauch eine kräftig rote heiße Flüssigkeit. Angesetzt mit wenig Zucker soll sie nun den Sommer über Sprudelwasser und Prosecco mit ihrem fruchtig säuerlichen Geschmack bereichern und beidem einen Spritzer Farbe und „Parfüm“ schenken. Es duftet nämlich köstlich, als die ersten Tropfen ihren Weg in die Bügelflaschen finden.

Stangen

Danke an Ömchen Thiede für die feinen roten Stangen

Geerntet

Erntegut auf der langen Bank

Rhabarber

Die Sonne, in Flaschen eingefangen.

Was nicht zu Saft wird, ist vorbestimmt für eine elegante Vermählung mit frischen Erdbeeren vom Hof nahe Vaale. Die Früchte sind innen wie außen dunkelrot und schmecken sonnenwarm und frisch geerntet einfach köstlich. Zusammen mit dem Rhabarber gehen sie in der Marmelade eine wunderbar aromatisch-säuerliche Verbindung ein und eignen sich überdies hervorragend zu Vanilleeis oder Milchreis oder einfach auf einem frischen Brötchen zum Frühstück.

Erdbeeren

Was passt besser zum Rhabarber, als die feine, süße Erdbeere?

Nach der Ernte wirkt das Gemüsebeet ein wenig verloren. Die riesigen Blätter des Rhabarbers haben eben ein recht einnehmendes Wesen.

Nun dürfen Erbsen, Mangold, Stangenbohnen und allerlei Kräuter sich unbehelligt der Sonne entgegenrecken und – mit Glück – bis zur Ernte gut gedeihen.

Es ist stets ein ganz besonderer Moment, die eigene Ernte „einzufahren“ und zu bearbeiten. Im Bewusstsein um all die Arbeit, derer es bedarf, bis gesät, gepflanzt, geerntet und verarbeitet ist, erfährt „Nahrung“ wieder eine besondere Schätzung, nämlich die, die ihr zusteht. Mein Großeltern aus dem Schwarzwald hatten bis ins hohe Alter in Schwenningen einen kleinen Garten. Sie pflanzten dort Salate, Kohlrabi, Möhren und vieles mehr. Waren sie bei uns zu Besuch, dann dauerte es meist nicht lang, und sie wurden unruhig und wollten zurück nach Hause. Als Kind habe ich diesen Garten und die Sorge um ihn für einen Vorwand gehalten, rasch wieder unter das eigene Dach zurückkehren zu wollen. Zumindest fand ich keine andere passende Erklärung dafür. Heute weiß ich, dass ihnen am Herzen lag, was da wuchs und reifte, und wie schwer es ihnen gefallen sein muss, all die Pracht – wenn auch nur für Tage – sich selbst überlassen zu haben. Und ich weiß nun auch, weshalb der Salat bei der Oma so sehr viel kräftiger, fester und aromatischer schmeckte, als jener aus dem Supermarkt. Sie müssen mir die Liebe zum eigenen Garten vererbt haben.

OmaundOpa

Oma & Opa Schwenningen – zwei passionierte Gärtner.

Ich freue mich auf die Holunderblüten, Himbeeren, schwarzen und roten Johannisbeeren, die Stachelbeeren, Erbsen, Äpfel und Zwetschgen und darauf, all das Obst und Gemüse mit Liebe und Wertschätzung zu verarbeiten.

Ein schöner, sonniger Tag neigt sich dem Ende. Beim Spaziergang mit der Kamera zeigen sich Rhododendron, Pfingstrose, Clematis und der abendliche Blick Richtung Kanal von ihrer schönsten Seite.

Ein Abendspaziergang:

Pfingstrosa

In voller Blüte…

Clematis

An ihnen hängt mein (Hobby-)Gärtnerherz… Die Clematis erblüht.

Lichtspiel

Kräftiges Orange im Abendlicht – ein Rhododendron.

Abendstimmung

Abendstimmung

5 Kommentare zu “Rhabarberbarbarabarbarbaren…

  1. Der Montagmorgen fängt sehr schön an. 1. Deinen Brief zu lesen über Euren im Garten wachsenden Rhabarber, der am Wochenende zu Saft und Marmelade verarbeitet wurde. Was ich hoffentlich im August persönlich probieren darf. 2. Ein Foto von Oma und Opa zu sehen, da geht mir das Herz auf. Du hast recht, die beiden hingen sehr an ihrem kleinen „Gärtchen“.
    Eigentlich könntest Du ein Kochbuch schreiben. Einen Teil davon wächst in Eurem Garten, die Zutaten und das Kochen, bzw. auch das Schreiben beherrscht Du perfekt. Ich bin stolz auf Dich!
    Deine Mama

  2. Wie schön… das Glück der Ernte und der Erinnerungen, das nachträgliche Verständnis, die Blüten und die Vorfreude auf das Genießen des Rhabarbers an zukünftigen Tagen… Was für Schätze.

  3. Stimmungsvolle Impressionen aus deinem Garten…und ja, das Verwerten und Einmachen der eigenen Ernte ist etwas unendlich Befriedigendes, Archaisches, das auch ich nicht missen möchte. Schön, dass es Miss Glück gibt und sie unseren Alltag bereichert – eine gute Woche!

  4. Schön 🙂 Beim Lesen des Artikels bin ich etwas traurig geworden, dass meine Rhabarberernte schon seit zwei Wochen vorbei ist. Für Saft hätten die paar Stengelchen nicht gereicht (die Staude ist letztes Jahr gepflanzt worden, daher noch sehr klein). Stattdessen gab es lecker Eierpfannkuchen mit Rhabarbergrütze gefüllt. Hmm. Vielleicht reicht es nächstes Jahr, um das Entsaften mal auszuprobieren. Deine Verwendungsideen für den Saft hören sich jedenfalls toll an.

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