Im Gras gebissen…

Zwischen all den schönen Bildern, netten Geschichten und lobenden Worten über das Leben auf dem Land wird es Zeit, meine Leser mit den weniger schönen Seiten der Fotoglanz-Idylle bekannt zu machen. Es soll ja keiner auf den Gedanken kommen, Glück und Freude seien Dauergäste im Wolfsnest und ergo – wie zu Anfang dieses Blogs erwähnt – kaum mehr zu unterscheiden vom Rest des Lebens.

Unter dem lateinischen Namen Neotrombicula autumnalis gastiert hier neuerdings ein Vieh, mit dem ich nach Möglichkeit kein zweites Mal auf Tuchfühlung gehen möchte.

Bienen- und Wespenstiche. Brennesselquaddeln. Mückenplage. Bremsenattacken. Holzsplitter in Händen und Fingern. Flohbisse. Zecken.
Alles schon gehabt. Gehasst. Und überstanden.

Aber dieses kleine Mistvieh – auch bekannt als Herbstmilbe, Erntemilbe, Heumilbe, Herbstlaus, Graslaus, Erdlaus oder Pfirsichlaus – toppt sie alle.
Mit bloßem Auge kaum bis gar nicht zu erkennen, versteckt sich die Larve des Spinnentieres zwischen April und Oktober in Gärten und auf Wiesen, um auf ahnungslose Opfer zu warten.

Genommen wird alles, was sich vor die Mundwerkzeuge verirrt. Hunde. Katzen. Vögel. Nagetiere. Und ich.
Bis zu 0,3 Millimeter groß, orangerot, doppeläugig mit breitem (das ist relativ!) Rückenschild versehen, schneiden sie sich in die Haut ihrer Opfer (meine!) sondern ein Speichelsekret ab (das auch noch!) und lösen damit untere Hautschichten (grundgütiger). Sie ernähren sich von Zellsäften (meinen!) und Lymphe (wählerisch auch noch) und verletzten (angeblich) nur selten Kapillare (sehr beruhigend). Nach dem Saugen (dass das mehrere Stunden dauert, lasse ich besser nicht an mich heran) fallen sie ab.

Von da an dauert es knapp 24 Stunden, bis sich die Symptome zeigen. Und die überbieten alles, ich schwöre es.

Es bilden sich rund um die „Bissstellen“ große gerötete und heiße Quaddeln. Die Stiche/Bisse jucken derart, dass sämtliche Selbstbeherrschung aufzubieten kaum genügen mag. In größerer Anzahl (ich zähle an die 25 Bisse) fühlt sich nach kurzer Zeit die gesamte Hautoberfläche an, als würde sie unter Strom stehen und bis zur Unerträglichkeit gereizt. Konzentrationspotential fortan = 0.

Franzbranntwein. Fenistil und Autan akut. Cortisonsalbe. Kampfercremes. Kühlende Umschläge. Reihenfolge nicht bindend – aber in kurzen Zeitabständen aufgetragen – helfen all die Mittelchen wenigstens halbwegs, nicht auszuflippen. (S. hatte vorsorglich scharfe Messer, Pfeil und Bogen und die Axt beiseite geschafft).

Knapp zwei  Tage lang dauerte diese „heiße Phase“ der körpereigenen Abwehrreaktionen. Inzwischen lässt sich der Juckreiz ertragen. (Die Beschwerden klingen – so findet sich zu lesen – nach 14 Tagen spontan ab! Spontan. So so.)

Der Verzehr von sog. Vergrämungsmitteln (Repellentien) soll den Biestern angeblich den Appetit vertreiben. Nachweisen lassen sie sich, indem man ein weißes Blatt Papier auf die Wiese legt, wo sie sich dann zum Powwow versammeln sollen. Geraten wird an anderer Stelle auch dazu, Hand- und Fußgelenke bei Aufenthalten im Freien mit doppelseitigem Klebeband zu versehen.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt?
Ich bin noch unschlüssig, ob ich im Verlauf der kommenden Sommersaison nun auf Süßgras beißen, Citronella schlucken, mich in Teebaumöl baden, Eukalyptus inhalieren, zu Selbstklebe-Bondage greifen oder einfach nur im Haus bleiben soll.

So viel aber ist sicher: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Kleine Feinde gibt es nicht. Und das Leben ist spätestens dann so richtig schön, wenn es nicht mehr juckt!

Und: Die Bilder dieser Photosafari mit nachhaltiger Wirkung, kniend im Gras, das Makro auf der Kamera, entschädigen zumindest halbwegs.

Lilie ganz nah

Musterzauber

Liliegelbganz

Formenspiel

Lilienochnäher

Näher ging nicht

Liliegelnah

Struktur und Farbe

Giersch

Wie hübsch der Giersch ist, bei Lichte betrachtet

Lilietoll

11 Kommentare zu “Im Gras gebissen…

  1. Das ist ja schrecklich! Von diesen Viechern habe ich noch nie gehört! Mir reichen schon unsere Mücken..ich sehe jedes Jahr traumhaft aus mit den vielen Macken und Stichen, vom Juckreiz ganz zu schweigen.
    Sind wir nicht schlimm? Erst nervt uns der lange und dunkle Winter, dann die lange Regenperiode, jetzt die wahnsinnige Hitze mit 38°C und die lästigen, sicher auch manchmal gefährlichen Insekten….
    Liebe Heike, ich hoffe, jetzt geht es Dir wieder besser! Wäre nicht schön, auf Deine schönen Geschichten zu verzichten!
    Liebe Grüsse, Sabine

  2. Einen wirksamen Schutz gibt es: frühmorgens nackich in den Garten 😉
    Ansonsten Alkohol pur, äußerlich und innerlich anzuwenden. Hilft.
    Gegen den Juckreiz hielten im Übrigen Voodoo-Zauber und Antihistaminika

      • Kein Witz #lach … diese Viecher lieben Säume … je weniger Klamotten um so weniger „Ränder“ ergo … naksch. Aber ich weiß, was du leidest 😦 hatte mal ca. 78,5 Bisse. Konzentriert auf Achselhöhlen und #hust andere Trockengebiete. Ich sag dir … literweise Kamillenextakt in Allohol, zähneknirschende Selbstbeherrschung und das wochenlang, bis zur Spontanheilung 😉

  3. Da ist guter Rat teuer…habe gerade mit dem Tierarzt Rücksprache gehalten: Nicht (ohne lange Hosen und Socken) durch das Gras laufen, meint er. Aber bei der sommerlichen Hitze ist der Gedanke, sich komplett einzumummeln auch nicht verlockend…vielleicht ist dein Blut zu süss? Aber das ist leider nicht zu ändern 😉

    • Tja, ein echtes Dilemma, liebe Annette. In den letzten Jahren habe ich so viel Gras mit der Sense geschnitten, Heu eingeholt und … und .. und … noch nie was von diesen kleinen „Bazillen“ gehört. Und nun erwischt es mich beim Photographieren :-/

      • Das hatte ich zuvor noch nie. Vielleicht vereinzelt einen merkwürdigen Stich, den man keiner Mücke zuordnen kann. Aber ich war für die Lilien im Gras und kniete da aus allen Perspektiven, ich kann es mir nur so erklären?

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