Nestflüchtling Hans Huckebein – Der Glücksrabe – oder: Tage wie jener…

„Sind Sie heute nicht glücklich, Frau Pohl?“, fragt mich Frau Reinieri, die auf dem Wochen- und Samstagsmarkt in der Stadt die besten Brötchen im Norden verkauft. Schön, diese Frage. Offensichtlich mache ich an anderen Tagen einen glücklichen Eindruck. Heute bin ich einfach nur todmüde (Drei schlaflose Nächte der Stiche wegen zaubern feine dunkle Ränder unter die Augen.)

Ich bringe die Pin-Nummern durcheinander, als ich auf der Bank bin und im Supermarkt fahren sie mir mit ihren Einkaufswagen fortwährend in die Hacken. Sie halten sich an den Karren fest, als hingen Leib und Leben davon ab. Als fänden sie keinen Halt im Leben, außer jenem eben, an ihren Wagen. Beim Bistro kaufe ich einen Kaffee und ein Muffin für den Mann am Eingang, der die Obdachlosenzeitung verkauft. Beim Hinausgehen lächle ich ihm zu und als ich längst auf der Heimfahrt bin, fällt mir ein, dass ich vergessen habe ihm zu sagen: Ich habe für Sie einen Kaffee und….

Vor mir fährt eine Schnarchnase mit Hänger, die immer dann beschleunigt, wenn die Strecke frei ist und ich überholen könnte. Und immer dann wieder bummelt, wenn ich dahinter bleiben muss. Schließlich schaffe ich es doch, rausche an ihm vorüber, um keine drei Kilometer weiter scharf zu bremsen, weil da etwas über die Straße hinkt, das aussieht wie eine Mischung aus Huckebein und Archaeopteryx. Ich setze den Warnblinker, steige aus und bugsiere Huckebeinchen vorsichtig vom Asphalt. Der Hängerfahrer rauscht vorbei und zeigt mir mit den Fingern, wo der Frosch die Locken hat. Und im Seitenstreifen hockt eine junge Krähe, die Schnabel und Augen weit aufreißt und nicht so recht zu wissen scheint, ob sie mir dankbar sein oder mich angreifen soll.

Links und rechts breite Gräben, die Gewitter haben den Wasserspiegel ansteigen lassen, weit und breit kein Überweg. Und Autofahrer, die an mir vorbei rauschen und mich spontan an die treffsichere LGV Challenger Ultra der Marke Walther, Kaliber 4,50 mit einer Lauflänge von 40 cm und einem Gewicht von gerade einmal 3,8 kg denken lassen.

Ich rufe den Mann an. Der weiß immer Rat. Auch dann, wenn ich keinen brauche. Jetzt aber brauche ich welchen. Und er hätte gerne die Brötchen. Und es sei so windig, er verstehe mich kaum. Ich lasse den kleinen Burschen dort im Gras sitzen, fahre nach Hause, mache mich verständlich, nötige den Mann, einzusteigen mit Wäschekorb und Handschuhen. Huckebeinchen erwartet uns bereits, lässt sich flügelschlagend in den Korb setzen (fliegen kann er damit noch nicht, aber Schlagen, das geht). 500 Meter weiter im Gras, weitab von der Straße, setzen wir ihn ab. Keine Rabeneltern weit und breit.

Krähenkind

Krähenkind002

Zuhause schaufle ich kiloweise Pferdeäpfel in die Karre, spaziere mit der Kamera durch den Garten, denke an das Rabenkind, wecke den Mann aus dem Mittagsschlaf. Wir gehen nachsehen. Kaum ausgestiegen, kreisen über meinem Kopf zwei große Krähen. Schön, denke ich. Und schade, denke ich auch. Hätte mir sicher gut gestanden, mit Huckebeinchen auf der Schulter und einem irren Lachen fortan die Tür zu öffnen.

p.s.: Tage wie jener entwickeln sich mitunter.
p.s.s.: Die Walther hätte ich dennoch gerne.

„Stets findet Überraschung statt
Da, wo man’s nicht erwartet hat.“ (W. Busch)

BrennendeLIebe

Die brennende Liebe

Fingerhut

Fingerhut, ganz nah

Bauerngelb

bauerngartengelb

Lupinenah

Endlich – die geliebten Lupinen

Jimmypennt

Heut ist im Wolfsnest nur einer ganz entspannt.

Roseinnen

Rosenzartes Innenleben.

Storchenschnabel

Dem Storch sein Schnäbelchen

Lupinegross

Rose

Wildrosen

Wildrosenblüten

Rosealtrosa

Minigelb

7 Kommentare zu “Nestflüchtling Hans Huckebein – Der Glücksrabe – oder: Tage wie jener…

  1. Heike, du schreibst einfach köstlich!!! Mehrere Fragen drängen sich mir auf: Wo hat ein Frosch die Locken??? Hast du Kaffee und Muffin auf der Heimfahrt selbst verzehrt? Was tätest du mit der Walther? Den Kuckuck erschiessen? Schöne Blumenbilder 🙂 danke, und eine ganz schöne Woche wünsche ich dir!

  2. Dann hoffen wir mal, dass es Huckebeinchen wieder besser geht und die Eltern sich lieb kümmern…
    So eine Walther wünschte ich mirh eute morgen auch, als so eine Schnarchnase mit 50 km/h vor mir auf die Spur zog, wo ich mit 110 km/h (weil erlaubt) ankam….

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