Von Glückstadt, Salzfischen und einem Quickie zu Mittag

Wer – wie ich – aus südlicheren Gefilden stammt, dem dürfte Matjes vakuum verschweißt und in der Regel völlig versalzen begegnet sein, was sicherlich zu einer gewissen Skepsis dieser zarten Köstlichkeit gegenüber führen muss. Aber: Was da abgepackt, dauerhaltbar und im schlimmsten Fall „nach Matjesart“ im Einkauf angeboten wird, hat kaum etwas gemein mit dem frischen mildsalzigen und überaus aromatischen Hering, wie er zu den Glückstädter Matjeswochen angeboten wird.

Die maritime Spezialität steht jährlich Pate, wenn Mitte Juni auf dem historischen Marktplatz das erste Holzfass mit jungem Matjes der Saison geöffnet und rund um den Hering und andere Köstlichkeiten, Konzerte, Schiffsbesichtigungen und Livemusik ein großes Stadtfest begangen wird.

An den Ständen der „Matjes-Meile“ wird der silbern glänzende Fisch in unzähligen Variationen angeboten. Eine Woche lang lag der Hering zuvor mitsamt Gräten, Haut und Salz in Holzfässern. Ein Enzym seiner Bauchspeicheldrüse sorgt für den zarten Schmelz und und gibt der Köstlichkeit ihren typischen Geschmack.

Matjes lässt sich süß/sauer mit Curry und Sahne zubereiten. Er schmeckt wunderbar von der Hand in den Mund mit Zwiebelringen auf einem knusprigen Brötchen, oder – wie hier oben im Norden gerne gegessen – mit grünen Bohnen, Pellkartoffeln, Speckstippe und Zwiebeln. Oder – schlicht aber ergreifend – auf einer Scheibe Schwarzbrot.

Glückstadt, einst uneinnehmbare Festungsstadt an der Elbe und blühendes Handelszentrum, ist auch sonst eine Reise wert. Ihren Namen verdankt die schmucke Elbestadt dem König von Dänemark und Herzog von Schleswig-Holstein, Christian dem IV, der Glückstadt im 17. Jahrhundert an der Niederelbe erbauen ließ. „Dat schall glücken und dat mutt glücken und denn schall se ok Glückstadt heten!“, so jedenfalls habe es der Monarch der Überlieferung nach kundgetan.

Mein persönlicher Favorit unter all den Zubereitungsmöglichkeiten kombiniert den Matjes mit der Süße von Äpfeln, der Säure von in Essig eingelegten Gurken und kleinen Kapern und einer frischen zitronigen Mischung aus saurer Sahne und Mayonnaise.

Matjes001

Fix zubereitet – unheimlich lecker – Matjes mit Stippe und Bratkartoffeln

Für zwei Personen:
4 frische Matjesfilet
1 großer süß-saurer Apfel
2 Essiggurken
Frühlingszwiebeln
2 Esslöffel Kapern
1 Becher saure Sahne
2 Esslöffel Mayonnaise (gerne auch selbst zubereitet)
Spritzer Zitrone (nach Geschmack)
Schwarzer Pfeffer

Mayonnaise und saure Sahne verrühren, bis eine Creme entsteht. Zitrone und schwarzen Pfeffer hinzugeben. Die Äpfel in hauchdünne Spalten, Zwiebeln in Ringe und Gurken in dünne Scheibchen schneiden, zusammen mit den Kapern unter die Creme geben. Zuletzt die Matjesfilets – je nach Geschmack – in kleinere oder größere Stücke schneiden und zur Masse geben. Lässt man Fisch, Creme, Gemüse und Obst ein bisschen ziehen, dann haben die Aromen Gelegenheit, einander zu begegnen.

Heute gab es (ausnahmsweise) Bratkartoffeln dazu. Ansonsten bevorzuge ich Pellkartoffeln, allein schon wegen der Kalorienbilanz, die der fettreiche Matjes mit sich bringt.

Matjes002

Mehr über Glückstadt ist hier zu finden – www.glueckstadt.de

Elbe

An der Elbe

Insbesondere der mit viel Geschmack modernisierte Binnenhafen, der frische Akzente setzt und dabei dem historischen Stadtbild nichts an Faszination nimmt, sowie der große Wochenmarkt, die bezaubernden Fassaden und nicht zuletzt ein umfangreiches Kulturangebot mit vielen Galerien und Konzerten machen einen Besuch zu einem schönen Erlebnis. (Keine Bange, mich bezahlt fürs Texten kein Tourismusverband. Ich bin einfach froh darüber, auch hier im Norden solchen architektonischen Perlen zu begegnen, wie ich das aus meiner Fachwerk verwöhnten Heimat kenne.)

Viel Spaß beim Nachkochen und vielleicht ja auch bei einem Ausflug nach Glückstadt, an die Elbe.

Focksegel

Focksegel

Karte

Zur Lage

6 Kommentare zu “Von Glückstadt, Salzfischen und einem Quickie zu Mittag

  1. Mhm, gibt’s das auch in vegan? #chch
    Habe gestern gelesen, dass man tolle Erträge bekommt, wenn man je einen Fisch unter die Tomatenpflanzen mit einbuddelt. Du sitzt doch an der Quelle. Magst du nichtmal ausprobieren und berichten?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s