Schädeltrauma, Eaton Place und die Ahorn-Rindeneule… Farbe des Tages: Eindeutig Orange.

Ein bisschen erinnert mich das Wolfsnest zurzeit an „Das Haus am Eaton Place“. Die Herrschaften rücken nach längerer Abwesenheit an und die gesamte Belegschaft ist in Wallung. Die Köchin schreibt Einkaufslisten und plant Speisefolgen. Die Hausmädchen polieren das Tafelsilber, Gläser und Vitrinenschränke. Die Gärtner bringen Buxbäume und -büsche in Fasson. Butler und Chauffeur kümmern sich um Automobil und Mobiliar.

Ich bin dieser Tage alles. Butler. Köchin. Hausmädchen. Und Gärtner.
Nicht, dass das jemand – außer mir – von mir erwartete. Ich freue mich ganz einfach riesig darüber, dass am kommenden Wochenende meine Eltern zu Besuch kommen und für eine Woche hier Urlaub machen werden. Und ich habe das Bedürfnis, das Wolfsnest von seiner besten Seite zu zeigen.
Vor dem Haus hat der örtliche Garten- und Landschaftsbauer vor knapp drei Wochen vier Kubikmeter Sand abgeladen. Auf Wunsch. Ebenfalls auf Wunsch soll der Sand verteilt und mit einer Rüttelmaschine geplättet werden. Fünf vergebliche Anrufe und Bitten, doch nun endlich in die Pötte zu kommen, später – und ich verteile Berge von Sand selbst und mit der Schaufel am Arm. Zwischendurch büxt das verflixte kleine Pony aus. Einmal. Ein zweites Mal. Ein drittes Mal (die Ohren lang gezogen). Und beim vierten Mal Originalsauerbraten angedroht. Rheinisch. Mit Rosinen. Und Pferd. (Das saß!)

Thora

Ausbrechkönigin Thora…

Im Garten kündigt sich leise der Herbst an. Die größte Blütezeit ist vorüber. Im Rindenmulch beim Stall zeigen sich die ersten Pilze. Und zwischen Stirn und Kinn verfangen sich allenthalben die feinen Spinnfäden der Kreuzspinnen. Der gestrige Sonnenuntergang zauberte unglaublich weiches, fast golden milchiges Sonnenlicht aufs Grün. Die Beeren der Eberesche sind orange und reif. Ich mag den Herbst. Fast mehr noch, als den Sommer selbst. Die kräftigen Farben und Gerüche. Das Licht. Den sich ankündigenden Wandel. Und die Schönheit, die auch und gerade im Zerfall, im Vergehen liegt. Was ich nicht mag ist die Gewissheit, dass uns im Anschluss wieder lange, nasse und kalte Monate bevorstehen. Andererseits habe ich dann vielleicht (endlich) auch wieder Zeit und Muße, an meinem aktuellen Text weiter zu schreiben. Musik zu hören. Und die mindestens zehn Bücher zu lesen, die auf einem Stapel neben meinem Bett liegen.

Kreuzspinne

Der Entenstall ist fertig. Seit heute auch das Außengehege. Mit Pelle bin ich sauer. Von Konrad Lorenz und der frühkindlichen Prägung hat er ganz offensichtlich noch nie etwas gehört. Betrete ich Außengehege und Stall, brechen zwei Laufenten in Panik aus. Sie türmen übereinander, verrennen sich in Ecken, stolpern über Kanten. Dass der kleine Depp Wochen seines Lebens auf meinem Schuh verbracht hat, muss aus der Erinnerung gänzlich getilgt sein. (Übrigens weiß ich noch immer nicht, ob ich da nun zwei Kerle oder zwei Weibsbilder habe. Die beherrschen das komplette Repertoire an Tönen und Lauten und von Erpel typischen Schwanzkringeln ist da nichts zu sehen.) Auf den letzten Metern beim Stallbau schlage ich mir den Kopf so dermaßen an, dass ich für Momente überzeugt bin, als mittelalterliche Magd im vergitterten Karren zum Schafott gekarrt zu werden. (Notiz an S.: Falls du das lesen solltest, bei dem Segelboot, das du dir bauen willst, machen wir den Einlass unter Deck exakt in Entenstalleinstiegshöhe!)

Entenstall

Am späten Nachmittag dann entdecke ich im gefällten Holz unserer alten Kastanie Acronicta aceris, eine Raupe der Ahorn-Rindeneule. Die Raupe! Das wunderschöne, hellorange leuchtende Tierchen von neulich, das mir entwischt ist. Es folgt eine etwa halbstündige Fotosession, bei welcher das Model sich willens zeigt und professionell für mich posiert. Sie ist, so lese ich, zwar weit verbreitet, aber selten. Umso größer ist also die Freude, dass sie mir gleich ein zweites Mal über den Weg kriecht.

Raupeganznah

Während ich schreibe, regnet es draußen gleichmäßig und kräftig und der Tag findet (s)ein zufriedenes Ende. Ich wünsche eine gute Nacht und lade wieder einmal herzlich zum Spaziergang durch das Wolfsnest ein.

Doppelgelb

Malve

Holunderhimmel

Holunderhimmel

AhorneuleRolle

GelbeWiese

Gurke

Magenta

Raupefrontal

Sonnenschirm

Kürbisblüte

Raupehalboffen Orangegemaltganz

MalveGegenlicht

OrangeGemalt

Raupe Makro

Malveseite

Raupelang

20 Kommentare zu “Schädeltrauma, Eaton Place und die Ahorn-Rindeneule… Farbe des Tages: Eindeutig Orange.

  1. Wieder einmal traumhafte Bilder (während ich nicht schlafen kann und vorläufig aufgegeben habe, um 1:00 Uhr…).
    Der Gedanke vom endenden Sommer beschlich mich auch dieser Tage, so, wie meine Mutter (Landkind) immer sagte: Wenn das Korn geerntet ist, ist der Sommer vorbei. Hier im Bergischen wird zwar kaum Getreide angebaut, aber die wenigen Felder haben sich in Stoppelfelder verwandelt.
    Ich hoffe, deinem Kopf geht es wieder gut? Danke für die Einblicke und ein schönes Wochenende!!

  2. mal wieder so ein schöner Text und so tolle Bilder, dass man Deinen Garten richtig spüren kann. Den Herbst mag ich auch sehr gerne und bin schon gespannt, was er für Geschichten und Bilder aus Deinem Wolfsnest bringt – aber nun lass uns erstmal den Sommer zu Ende erleben. Ich finde, der Übergang, gerade so in der zweiten August-Hälfte erzeugt manchmal schon so eine wohlig-morbide, frühherbstliche Stimmung.
    Apropos Ente, wir haben bei unserem letzten Aufenthalt an der Schlei ein tolles Verkehrsschild gesehen und meine Liebste hat davon ein sehr schönes Foto gemacht. Ich konnte gerade nicht anders und habe es mal zu Ehren Deiner beiden noch undefinierten rechts oben auf meinen Blog gestellt. Wenn man drauf klickt kommt man zu Deinen Brathähnchen…
    Liebe Grüsse, Kai

    • Na das ist ja super nett. Eben sofort ausprobiert, Lieber Kai. Beste Grüße auch an die die Liebste und vielen Dank für deinen netten Kommentar. Für heute hat sich der Sommer bei uns verkrümelt, was allerdings nicht schlimm ist: Es arbeitet sich recht angenehmen bei Wind und ohne Hitze 🙂

    • Es war so merkwürdig, dass sie da ganz allein saß. Und ich finde auch nach eingehender Suche keine zweite Raupe. Was wohl aus ihr geworden ist, seit gestern? Und ob ich ihr irgendwann begegne, wenn sie ein Schmetterling ist? Oder ob sie zuvor im Schnabel eines Vogels landet, bei der auffälligen Farbe? 🙂

  3. Also vom Herbst will ich noch eine Weile nichts wissen, obwohl du natürlich recht hast. Licht und Stimmungen sind in dieser Jahreszeit sehr schön, wohingegen es im Sommer schwieriger ist, wirklich stimmungsvolle Fotos zu machen. Deinem Pelle legst du mal besser ein Lorenz-Buch auf den Nachttisch, damit er weiss, wo’s lang geht 😉 …aber ich hatte anfangs ja mal erwähnt, dass Laufenten neurotisch sind. Erinnerst du dich? Deine Fotos sind sehr schön, dein Text unterhaltsam wie immer, deine Beule hoffentlich am Abklingen. Nun frage ich mich: Was geschah mit dem Sand??? Hab’s gut mit deinen Eltern!

    • Neurotisch – das trifft es ziemlich genau. Wobei man es ja auch verstehen können muss – sie haben ja nur ihre schlaksigen Beine mit den Riesenfüßen, um am Leben zu bleiben. Aber dass sie vor mir solch eine Panik entwickelt haben, das schmerzt tief (lacht) 😀 Mit dem Sand wird die Terrasse neu gemacht. Irgendwie… irgendwann… Von irgendwem…

      • Also ich habe auch lange, schlaksige Beine mit Riesenfüssen und bin nicht neurotisch…wusste gar nicht, dass es da einen Zusammenhang gibt? *verwirrung*

      • Nachtrag: Mit der frühkindlichen Prägung nach Lorenz läuft das übrigens anders. Dafür hättest du im Moment des Schlüpfens auf dem Ei (oder zumindest daneben) sitzen müssen. Dann hätte Pelle dich als erstes gesehen, gerufen „auja, hübsche, blonde Mama“…und du hättest heute nicht diese traurige Situation zu beklagen. Aber für’s nächste Mal weisst du es dann besser! Mach’s gut 🙂

  4. Und wieder einmal mehr ein amüsanter Text, bei dem ich schmunzeln muss, nur kurz unterbrochen von einem Anflug an Mitleid bei der Geschichte mit dem Bumms und dem Schafott! Übrigens – ist das Pelle – dort auf dem Laufsteg? Macht sich prima, auch ohne Hüftschwung, dafür mit gekonntem Schritt.
    Liebe Heike, ich wünsche dir eine tolle Woche mit deinen Eltern – sie können stolz auf solch eine vielseitig talentierte Tochter sein!
    LG Sabine

    • Vielen lieben Dank, Sabine. Hinten Pelle, vorne Paula. Noch zwei bis drei Jahre, und sie beherrschen das mit dem Laufsteg, ohne runter zu fallen 😀
      Wünsche euch einen wunderschönen Abend 🙂

  5. Auf allen mir bekannten erschwinglichen Segelbooten ist die Höhe des Schiebeluks WEIT unter der Höhe des Eingangsportals Deiner Entenorangerie.
    Als Segler muss man eben rüstig und beweglich bleiben 😉
    S.

    • Hatte mir schon gedacht, dass dieser Einwand kommt. Aber, du rüstiger Segler, da steigt man von oben nach unten. Oder von unten nach oben. Und NICHT von außen nach innen. Oder von innen nach außen. Du bist jedenfalls herzlich eingeladen, deine Fitness an der Entenorangerie zu trainieren. Ich kleb dir auch Pflaster auf’s Haupt 😀

  6. Was für wunderschöne Bilder…Das Haus am Eaton Place, der vergleich hat etwas *gg* Ich bin zum ersten mal hier und denke… ich bleibe 🙂

    Lieben Gruß, Michaela

  7. Wunderschöne Aufnahmen!!!

    Das Pony ist ja frech. Bis November 2010 hatten wir auch noch ein Shetty. Die ist in ihrer Sturm- und Drangzeit auch unter den Zäunen durch, bis ich ganz unten auch noch eine Litze gezogen habe. Sie lief aber nie weg… …das Gras auf der anderen Seite war wohl leckerer als das auf der Wiese… …mit fast 40 ist sie dann ganz ruhig eingeschlafen…

    • 40 Jahre alt sie geworden? Toll. Das spricht für ein gutes Leben und gutes Gras bei euch. Meine beiden sind jetzt 5 Jahre alt, da ist ja noch eine Menge Luft nach oben.
      Zu den Raupen: Heute im Wald, da hängt mir eine vor der Nase. Und ich hab zugeschlagen, mit der Kamera. (Bilder folgen). Was für ein Zufall, ein zweites Mal in diesem Jahr und davor im ganzen Leben noch nicht ein einziges Mal 🙂 Liebe Grüße, Heike

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