Zwischenruf: Freiheit – ist ein großes Wort #neuland

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Herbstzeitbote

Freiheit ist ein großes Wort
… offenbar auch und insbesondere für Enten.

Pelle ist inzwischen 8 Wochen alt und deutlich kleiner, als sein Kollege Paule. Als Neuling in in Sachen Enten bin ich noch immer unschlüssig, wer von den beiden nun der Kerl ist.

Pelles Stimme ist klar und deutlich zu vernehmen wohin gegen Paule mehr wispert und flüstert. Angesichts des deutlichen Größenunterschieds könnte ich nun vermuten, dass mein Neuzuwachs aus fremder Hand die Hosen an hat. In Sachen Mut allerdings könnte ich mich wiederum nicht entscheiden. Zaudern und Zögern gehört zum (Enten-)Geschäft.

BeideimGegenlicht

Die Türen sind geöffnet – was nun?

Da beide Tiere nun (fast) ausgewachsen scheinen, möchte ich ihnen ihre tägliche Freiheit gönnen. Sie sollen morgens Stall und Gehege verlassen dürfen und nach Möglichkeit abends (freiwillig) wieder zurückkehren. So jedenfalls hatte ich das mit ihnen besprochen, bevor ich heute morgen den Zaun geöffnet habe und erwartungsvoll mit der Kamera in der Hand die ersten Schritten dokumentieren wollte.

Beideoffenetüren

Misstrauen ist angesagt?

Mir war schon klar, dass sie sich nicht in die Freiheit stürzen würden. Schließlich fällt es nicht nur Enten schwer, gewohntes Terrain zu verlassen und Neuland zu entdecken. Also hatte ich mich in einiger Entfernung vom Gehege auf einen Gartenstuhl gesetzt und die beiden Langhälse mit allerlei seltsamen Lauten, mehr oder wenig melodischem Pfeifen und leisem Geschnatter zu locken versucht. Außer auf Nachbar Uwe hat das weiter keinen Eindruck hinterlassen.

Beideratlos

Allgemeine Ratlosigkeit.

Beide Vögel haben kurz und sichtlich irritiert die langen Hälse durch die (unbekannte) Lücke im bewährten System geschoben und es dann vorgezogen, sich rasch auf bekanntes Terrain zurückzuziehen. (Die Kater davon abzuhalten, sich am Mais und Entenkorn zu versuchen und das Entenheim zu entern war nicht eben förderlich und ganz bestimmt keine vertrauensbildende Maßnahme.) Ich möchte die Tiere nicht nach draußen scheuchen. Sie sollen ihr neues Leben selbst entdecken. Allerdings stehen auf meinem „Stundenplan“ heute auch noch weitere Punkte und ich habe meinen „Entengesang“ abgebrochen in der Erkenntnis, dass Freiheit erobert werden will. Von den einen mit Elan und Überzeugung, von anderen wiederum durchdacht und mit der gebotenen Skepsis.

ErsterskeptischerSchrittPelle

Pelle wagt einen ersten Schritt.

Pauleschautraus

Paule traut dem Braten nicht. So lange er drin bleibt, kann er schließlich auch nach draußen schaun.

Pauledraußen

Dann nimmt er sich ein Herz…

Pauledraußen2

Und gleich noch eins – wagt die ersten Schritte…

Pauledraußen3

Tritt hastig den Rückzug an. Schließlich ist die Lage vorerst erkundet.

Pauleliegt

… und ruht sich erstmal aus. Freiheit ist anstrengend.

Also planen wir für heute Mittag (oder morgen früh) den nächsten Ausflug und ich werde den aktuellen Spiegelbericht über „Helikoptereltern“ ein weiteres Mal und sicherlich mit anderen Augen lesen. Wenn ich schon Manschetten habe, zwei Enten sich selbst und der kalkulierten Wildnis zu überlassen, wie erst muss es dann einer Mutter gehen, deren Nachwuchs flügge wird?

Fortsetzung folgt. Ebenso wie eine Zusammenfassung in Wort & Bild der vergangenen Tage, in denen ich hier wenig habe von mir hören lassen. Ein Ausflug nach Schleswig, nach Haithabu auf den Pfaden der Wikinger und das Erlebnis der Erdung in Sachen Obst- und Gemüseernte wollen gezeigt und erzählt werden.

PflaumenmitKürbis

Für Tipps zum Thema „Enten“ und (späte) Konditionierung bin ich dankbar. Es gibt nämlich offenbar kein festes Verhaltensmuster, auf das sie sich mir gegenüber lassen. Abgesehen hiervon:
A. Wenn die Frau aufrecht kommt – flüchten und mächtig schnattern.
B. Wenn die Frau sitzt oder kniet – langsam nähern, Hälse lang machen und stets A. in Betracht ziehen.
Und C. – wenn die Frau die Futterschale in der Hand hat, auf B. warten oder darauf, dass sie sich C. vom Acker macht.

Pellenah1

Pelleschräg1

Pellenahseite

In diesem Sinne wünsche ich allseits einen wunderschönen Tag.

Gladioleviolettauszug

Gladioleviolett

25 Kommentare zu “Zwischenruf: Freiheit – ist ein großes Wort #neuland

  1. Vielen Dank dafür 🙂 Wie schön, den beiden missmutigen Gesellen zuzusehen. Aber sag mal, jetzt müssten doch langsam „Erpelfederchen“ zu sehen sein, wenn es denn Kerle wären!? Von daher zwei Damen?
    ich glaube fast, diese Scheuheit ist denen typisch. Aber wenn du abends festes Leckerliritual am Stall machst, müsste das sicher was bringen 😉 Tolle Fotos! Toll erzählt. Danke nochmal.

    • Ach ja, vermisst werde ich gerne. Vielen Dank, Sabine. Und auch hier noch einmal herzlichen Glückwunsch zu eurer tollen Ernte. Im nächsten Jahr hole ich mir rechtzeitig Rat bei dir 🙂

      • Bei uns ist auch manches nicht so geworden, z.B. Salate (weil zu warm), Rosenkohl, Dicke Bohnen, Blumenkohl. Es ist eben jedes Jahr anders. Aber wir verhungern ja nicht……
        Heute waren wir in Kitzingen, um eine Traubenpresse zu kaufen. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Hotel vorbei, deren Anlagen aus Gemüse z.B. Rotkohl und Tomatenpflanzen bestand! Schade, dass wir das nicht fotografieren konnten!
        Einen schönen Abend, Heike!

  2. Ich würde sagen Du hast eine Ente und einen Erpel. Bei Laufenten kannst Du das auch an der Stimme hören. Erpel und Enten geben verschiedene Laute von sich. Ich hatte auch mal Laufenten, bis der Habicht kam…

    LG Susanne

    • Danke sehr Susanne. Und an den Habicht denke erstmal nicht. Das Grundstück bietet einiges an Deckung, Wäldchen – Bäume – Büsche. Ich hoffe, es wird keinen Überraschungsangriff geben. 🙂

  3. Die Bilder sind so schön, deine Geschichte dazu einfach zauberhaft.
    Obwohl in Sachen Enten bin ich auch kein Profi?!
    Villeicht haben auch Enten einen unterschiedlichen Charakter?
    Na ja klingt etwas komisch aber Hunde und Katzen zb. haben das ja auch…

    LG, Michaela

  4. Wie haben mir die beiden doch gefehlt! Dachte schon, der noch freilaufende rote Gesell hätte sich bedient und du sässest heulend in der Bayer-Blumenwiese, dein Taschentuch zerknüllend und nach dem Sinn des Lebens suchend ;). Gemischte Gefühle habe ich auf jeden Fall was den Freigang angeht. Was das Geschlecht angeht, so sind die Erpelfedern massgebend, nicht das Aufspringen (wobei Letzteres vielleicht was über den Aufspringenden sagt, aber nicht über den darunter). Ach, tolle Bilder, liebe Heike! Bin froh, dass im Eaton Place wieder der Alltag eingekehr ist.

    • Hallo liebe Annette, ich benehme ich in der Tat wie eine übereifrige Glucke. Der graue Kater bekam heute früh schon eine unfreiwillige Wasserdusche, weil er neuerdings am liebsten in Steinwurfweite zu den Enten verbringt. Die sind heute schon etwas kesser und vergrößern ihren Erkundungsradius. Von Reinecke keine Spur, dafür zieht ein Bussard weite Kreise über dem Nachbarhof. Dort gackert eine ganze Schar von Hühnern und es schnattern an die zehn Laufenten. Bleibt die Hoffnung, dass P & P einfach Glück haben werden 🙂 Für deinen Exkurs in Sachen Entenromantik bedanke ich mich herzlich. Ich kann leider (noch) keine Erpelfedern ausmachen. Allerdings finden sich in Paules Gefieder wunderschöne leuchtend blaue Federn. Spricht doch für einen Kerl, oder? 🙂

  5. ganz Ganz GANZ — natürlich ENTEN — aber ganz tolle fotos, und ich bin heilfroh daß ich über annettchen und die weitewunderwelt mit all ihren links und klicks hier gelandet bin.
    nacktschnecken hätte ich genug, also werde ich mal Deine erfahrungen mit den enten studieren, denn zaun ums grundstück würde ich nicht mögen und katzen haben wir auch die sich arangieren müßten. ich bin so was von gesponnen 🙂

  6. Ich grübele auch schon lange, ob ich mir Laufenten anschaffe. Die sollen ja Nacktschnecken fressen und von denen gibt es in unserem Garten dank Waldrandlage reichlich. Außerdem gefallen mir die Vögelchen ausgesprochen gut. Allerdings hat unser Grundstück nach vorne keinen Zaun und es kommt da definitiv auch keiner hin – und da habe ich schon Angst, dass die Tierchen mir ausbüchsen. Ich werde gespannt verfolgen, wie es dir mit deinen ergeht 🙂

    • Guten Abend, ich freu mich, dass du mein Blog abonniert hast. Die Tiere verhalten sich vollkommen anders, als ich das vermutet hatte. Die offenen Türen haben sie sehr zögernd akzeptiert und nun tasten sie sich seit drei Tagen Schritt für Schritt vor in ihre neue Umgebung. Dabei kehren sie immer wieder zurück in ihr Gehege und zu ihrer Wasserstelle. Da ich beide als Küken bekommen hatte, bin ich auf ihre zugegeben scheue Art auch die Bezugsperson. Sie haben sich nicht – wie befürchtet – in die neue Freiheit gestürzt. Für sie ist das eben wirklich Neuland. Und – wie alle Tiere die ich habe – lassen sie sich über Futter ganz gut „steuern“. Heute habe ich Mais auf den Weg gestreut und sie sind der Spur gefolgt. Beim Fotografieren gab es Weintrauben, über die sie sich gefreut haben. Sie fressen in der Tat Schnecken, allerdings: So viele Enten kann ich gar nicht unterbringen, wie ich hier Schnecken habe 🙂
      Und: Sie verursachen schon einen gewissen Aufwand. Der Stall ist einbruchsicher gebaut wegen der Füchse und Marder. Das Wasser will gewechselt werden (beschäftigt mich am meisten, weil wir keinen großen Teich haben. Und ich auch nicht möchte, dass sie den kleinen Teich in Besitz nehmen. Aber: Ich habe eine Heidenfreude mit den Tiere. Vor allem auch, weil ich es noch nie mit Vogelwesen so zu tun hatte 🙂

  7. Du scheinst wirklich im Paradies zu wohnen. Wie schön. Sind das echte Stockenten? Die haben mir auch schon immer gefallen. Ich glaube die sind grundsätzlich etwas scheu. Und bei meinen Katzen kannte ich das auch immer so…erst haben Sie Tage bis Wochen erstmal auf der Türschwelle gesessen und geschaut und erst dann sind Sie raus gegangen. Ich muß dazusagen ich wohnen leider noch in der Stadt und raus hieß Hinterhof.

    • Sie sehen zwar aus, als hätten sie Stöcke verschluckt, aber das sind Laufenten. Und du hast recht, bei denen ist der Fluchtreflex besonders stark ausgeprägt. „Noch in der Stadt“? Das klingt nach dem Wunsch, daran etwas zu ändern? 🙂

      • Ja, ich brauch mehr Ruhe und mehr Natur. Allerdings ist es für mich wichtig alles was ich bauche erreichbar zu haben..also ganz weit draußen wäre nix. Und hin- und wieder ein bisschen Stadtlebendigkeit finde ich auch schön. Also Stadtrand würde es auch tun. Heimlich träum ich von eigenen Alpakas, Angorahasen, Ziegen, Enten, 2 Ponys und natürlich einem großen Garten und davon in der Sonne draußen meinen Mittagsschlaf machen zu können, ach überhaupt hauptsächlich draußen sein zu können.

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