Wechsel zwischen den Welten…

Bei Facebook habe ich vor wenigen Wochen – neben meinem eigentlichen und persönlichen Account – eine Seite für das Land und das Glück erstellt. Dort finden sich viele der hier gezeigten Bilder wieder und hie und da auch Links zum Blog. Wenn ich mich einlogge, lese ich die Nachrichten des Tages über all die abonnierten online-Medien. Ich lese Nachrichten, Neuigkeiten und Nettes von Freunden, Bekannten und Kontakten und die Posts der Menschen, die ich so interessant finde, dass ich ihre Gedanken ebenfalls abonniert habe.

Anschließend wechsle ich hinüber zum LandGlück und damit in eine vollkommen andere Welt. Keine Nachrichten über gequälte und misshandelte Menschen, Kreaturen. Kein nächster (unsinniger) kriegerischer Akt, der uns plausibel argumentiert werden soll. Keine Nachrichten über den neuesten Trend auf dem Buchmarkt, keine Zusammenfassungen über all das Übel und Elend da draußen, über anstehende Wahlen und das Buhlen um Wählerstimmen, keine Spur von Pessimismus, Müdigkeit, Verdrossenheit, Ironie oder Sarkasmus, keine debilen, respektlosen, rassistischen, flachen Kommentare. Keine Spendenaufrufe, Krankheiten, Sterben und Tod.

Stattdessen eine Welt der Farben, Gestalten, Düfte, des Geschmacks, der Vielfalt, Schönheit, der Pracht und Eleganz, der Zufriedenheit, des Glücks und der reinen Freude an den schönen Dingen, die das Leben bietet. Ich staune, wie viele Menschen Freude daran haben, mit der Kamera und offenen Auges durch die Welt zu spazieren. Oft staune ich über kleinste Details, die ganz groß raus kommen dürfen, um ihre Besonderheiten zu zeigen. Ich staune über ganz einfache, ja oft banale Dinge, an deren Schönheit ich sonst einfach vorüber gehe. Auch über den Minimalismus, der so bestechend ist. Menschen aller Nationen, Hautfarben, jeden Alters, Geschlechts finden in dieser anderen Welt einen gemeinsamen Nenner. Selbst Sprachdifferenzen spielen keine Rolle, wenn es um die Schönheit tausender Bilder geht.

Gedanklich versuche ich dann, diese beiden so unterschiedlichen Welten übereinander zu legen.

Heute habe ich „meinen“ Zeitungskindern in der wöchentlichen Kolumne einiges über Wahrheit und Lüge, Schein und Sein erzählt. Ein Satz lautete sinngemäß: Oft schummelt man auch schon dann, wenn man nicht die ganze Wahrheit sagt. Als ich das schrieb, fiel mir mein „LandGlück“ ein. Und in Folge der Spagat zwischen diesen Welten, in denen ich mich bewege.

Die Wahrheit ist, dass ich hier nur einen Teil der Wahrheit zeige. Den nämlich, der mich in vielen Momenten glücklich sein lässt. Und von dem ich glaube, ihn teilen zu müssen. Die Wahrheit ist auch, dass das hier eine Insel ist, auf der sich Atem schöpfen lässt, für all das, was ich täglich lese und verarbeiten muss und möchte.

Als ich heute früh den kleinen Zitronenfalter fotografiert habe, dachte ich an Wolfgang Herrndorf. An Krankheit, Tod. An das Unbegreifliche, das mich hier stehen lässt in der Sonne, dieses kleine Tier vor der Linse. Und einen Mann im gleichen Alter seines Lebens beraubt.

Die Wahrheit ist, dass ich nicht – wie oft gefühlt – zwischen den Welten wechsle. Es ist die eine Welt, in der ich mich bewege. Mit ihren Schatten. Und ihrem Licht. In der es das eine nicht ohne das andere gäbe.

MalveSonnenschirm

8 Kommentare zu “Wechsel zwischen den Welten…

  1. Der Fokus ist das Entscheidende. Damit blende ich den Rest nicht aus, ich stelle das Eine in den Vordergrund, während anderes unscharf wird – auf Zeit.

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