Herbst.Zeitlos.

BlumenimNetz
Früher im Herbst

Kastanien gesammelt, mit Streichhölzern Tiere daraus gebastelt und ihnen beim Vertrocknen zugesehen.
Am letzten Tag im Freibad so lange im Wasser geblieben, bis die dicke Ader auf der Stirn vom Bademeister anschwoll. Und meine Handflächen aussahen, wie wächserne Landkarten sich teilender Flüsse und Bäche.
Herbstzeitlos von ganz nahem betrachtet, immer mit der Angst im Nacken, weil sie giftig sind.
Mit dem Drachen auf die Stoppelfelder gezogen, um nach zwei Starts heulend nach Hause zu laufen, weil die Holzstangen gebrochen waren.
Die buntesten Blätter in den kräftigsten Farben gesammelt und gestaunt, wie schnell sie blass wurden, auf der Fensterbank.
Auf den Mais- und Kartoffelfeldern nach „Hinterbliebenen“ gesucht, um die Beute stolz nach Hause zu tragen.
Äpfel geklaut. Nicht das Streuobst. Die ganz Roten, von ganz weit oben.
Im T-Shirt gefroren und im Pulli geschwitzt beim Toben.
Bucheckern gesammelt, aufgeknibbelt und den buttrig, pelzigen Geschmack auf der Zunge zergehen lassen.
Pilze gesucht, um dann nicht zu wissen, was mit ihnen anzufangen?
Die letzten überreifen Brombeeren von den Sträuchern gezupft, mit blauen Fingern in den Mund geschoben, und mich anschließend über den Schnapsgeschmack gewundert.
Mit patschnassen Füßen und völlig durchweichten Schuhen, dreckverschmiert nach Hause gekommen und vorm Klingeln an der Tür schon den Kanon der Mutter gemurmelt.
Über Kürbisse gestaunt, die größer waren, als mein Kopf.
Durch kniehohes Laub gelaufen und eine Heidenfreude am Rascheln und Rauschen der Blätter gehabt.
Über die Rübenberge gestaunt. Die vom Traktor fielen, aufgesammelt und in jedem Jahr wieder herausgefunden: Sie schmecken nicht.

Früher war Herbst…
eine kleine Welle von Ewigkeit in einem Meer aus Zeit.

Herbst.Zeitlos.

PilzWeiss

ThamianimGegenlicht

AubeiStrüven

Beute

Gockel

Eichenstamm

Feuer

TomatenbuntimKorb

RudbeckiamitSchnecke

PelleGanznahWasser

ScheinmohninderSonne

Himbeere

ChrysanthemenimGegenlicht

Kondensstreifen

Kornblume

Schwebfliege

SchmetterlingMakro

Hagebuttenbusch

RosenOrange

BuchKürbisse

FligenpilzAbschnitt

16 Kommentare zu “Herbst.Zeitlos.

  1. Oh ja, früher war ich mit meinem Vater Pilze suchen, er kannte alle und ich lernte schnell. Kartoffelfeuer gemacht und mit meiner Mutter Kartoffeln beim Bauern gerodet und dann bei der Bitterkälte Rüben auf einen Haufen schmeißen, ich mußte viel Feldarbeit leisten und war doch noch so jung, Ferien gab es für mich nur im Sommer und ich mag den Herbst nur, wenn er warm und bunt ist…ansonsten bleibe ich immer ein Sommerkind 😀

    LG Mathilda ♥

    • Im Rückblick wäre ich gerne auf einem Bauernhof groß geworden. Die Nähe dazu habe ich jedenfalls immer gesucht. Allerdings weiß ich nicht, ob ich dann heute auch noch so viel Freude daran hätte. So ist das ja bekanntlich mit dem, was man hat, und mit dem, was man sich wünscht. Sommerkind ist ein schöner Begriff. Ich glaub, ich bin dann ein Sonnenkind – ein eiskalter Wintermorgen, bei dem die Kristalle in den Bäumen glitzern, der Atem zu sehen ist und in der Nase gefriert, das gefällt mir auch. Wobei wir hier eher so schmutzige, matschige, nasse Winter haben. Da sehn ich mich nach Bayern, nach gefrorenen Seen und tief verschneiten Wäldern 🙂 Wünsche dir einen warmen Herbsttag, liebes Sommerkind 🙂

      • Ich danke dir und auch für die herrlichen Fotos. Da ich im kalten Winter geboren bin und immerzu friere, bin ich dann lieber ein Sommerkind und die eisige Nase, der kalte Schnee, gar nicht so meins, aber für ein paar fotografirte Eiskristalle wage ich dann schonmal den Gang nach draußen 😀

  2. Morgens Zigarettenrauchen gespielt und sehnsüchtig auf die ersten gefrorenen Pfützen gewartet.
    Sich ein wenig gegruselt, weil die Nchmittagsspiele draußen immer schneller bis in die Dunkelheit reichten.
    Mit klammen Händen krampfhaft am kalten Metall festgekrallt (aber stolz) auf dem Traktor mitgefahren.
    Strickjacke und Gummistifel gegen kurze Hosen und Barfuß eingetauscht.
    Alle drei Jahre Weinbergschnecken gesammelt und ein ge-ni-Ales Taschengeld dazuverdient 😉 (Immer mit der ungelösten Frage im Hinterkopf: wer kauft und braucht eigentlich für was Schnecken?)

    • Liebe Anke, deine Erinnerungen fügen sich zu meinen und patsch – bin ich 30 Jahre jünger und zerreibe Fichtennadeln zwischen den Fingern, damit die Eltern vom Rauch nichts riechen. Gerade eben nicht von dem, den ich gar nicht wirklich geraucht habe 🙂 Und die Strickjacken hatte ich ganz vergessen. Teilweise so dick, dass man das Gefühl hatte, unter den Achseln zwei Päckchen zu tragen. Oder die gruseligen Strumpfhosen, die immer genau dort hingen, wo sie nicht sein sollten. Irgendwo auf Halbmast 🙂 Und ich glaub, zu der Zeit gabs bei uns Weinberschnecken in Kräuterbutter, wobei wir im Grunde auch die Butter hätten schmelzen können, ganz ohne die gummiartigen Schnecken. Meine Güte, war das eine Mode 😀

    • Sabine bringts auf den Punkt, finde ich: Ein bisschen was davon ist ja noch immer da. Das mit den Kastanien zum Beispiel. Die Lagerfeuer. Und ganz besonders auch die unwiderstehlichen Pfützen 🙂 Viuelen dank euch beiden, auch dafür, dass wir uns hier regelmäßig austauschen. Das finde ich schön 🙂

  3. Eigentlich fühle ich mich immer noch so wie:
    „in die Pfützen springen, dabei auf nassen Blättern ausrutschen, Kastanien sammeln – nein – nicht zum Basteln, sondern weil sie so schön und edel glänzen, Kartoffelfeuer auf dem Stoppelfeld anzünden und wegrennen, wenn der Bauer kommt, und nur dort laufen, wo viel Laub zusammen geweht ist!
    Kein Wunder, bin im September geboren….

  4. Wunderschöne Fotos und Erinnerungen … da bekomme ich langsam Lust auf Herbst 🙂 Ich habe früher als Kind auch gerne mit Kastanien gebastelt und war dann immer ganz traurig, wenn sich die prallen glänzenden Männchen und Tiere in matte, schrumpelige Gestalten verwandelt hatten. Schön finde ich die frischen Kastanien, die gerade aus ihren Igeln gesprungen sind, aber immer noch. Sie haben was von edlem Holz oder Leder. Und die Kartoffeln, die ich gelegentlich zusammen mit meiner Oma „gestoppelt“ habe, waren wirklich immer besonders lecker.

    … übrigens auch vielen Dank für deinen Besuch auf meiner Seite und fürs Folgen 🙂

    • Ist mir eine Freude 🙂 Holz und Leder, das trifft es gut. Auch mit ein Grund, weshalb ich an keiner vorüber gehen kann, ohne sie aufzusammeln. Und wie schade, dass sie so rasch verschrumpeln :-/ Liebe Grüße, Heike

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