κέρας Ἀμαλθείας – aus dem Füllhorn, Teil II: Vom Zärtling, dem Ritterling und einem Glückspilz…

BlickAusDEMWald

Ausguck, vom Waldrand auf die Wiesen

Ich gebs freimütig zu – ich habe keine Ahnung. Vom Glück schon, ab und an. Aber nicht vom „Braungrünen Zärtling“, dem Pilz des Jahres 2013. Und auch nicht von der Krausen Glucke, die wir zuhauf haben stehen lassen im Wald, weil wir nicht wussten: Gut? Oder nicht gut, für den Speisezettel? Exakt drei Arten kann ich unterscheiden bzw. überhaupt zuordnen: Den Maronen-Röhrling, den Steinpilz und den Tintling. Letzteren schon seit Kindertagen, als ich ihn zu Hause angeschleppt, in Streifen geschnitten und mit einem Ei darüber unter den argwöhnischen Augen meiner Frau Mama in der Pfanne gebraten  (oder die Hosen tintenverschmiert heimlich in die Wäsche gestopft) habe.

Aber
es gibt für mich kaum etwas Beschaulicheres, etwas zur Entschleunigung des eigenen stets eiligen Tempos Dienlicheres, als Pilze suchen zu gehen. Es hat fast etwas Meditatives, den Korb in der einen, das Messer in der anderen Hand, Schritt für Schritt durch den Wald zu gehen, eine Art „Jagdeifer“ im Nacken, die Augen konzentriert in einem Radius von kaum mehr als drei Metern auf alles gerichtet, was auch nur entfernt nach einem Pilz aussehen mag. Natürlich (natürlich) lässt sich selbst hier diese merkwürdige Art von Ehrgeiz nicht ganz abschütteln, in dem was ich tue gut sein zu wollen. Mein Kopf formt Gedanken derart wie „Wer den Ersten findet, der…“, da vermeldet S. einige Meter entfernt auch schon den ersten Treffer. (Gut, dass ich mit meinem Gedanken nicht zu Ende gekommen bin. Ich hatte Holzhacken, Laubfegen, Wiesemähen und derlei im Sinn. Für den „Verlierer“.)

Für eine Weile sieht es ganz danach aus, als würden wir uns am Abend diesen einen zugegeben großen Steinpilz teilen müssen. „Alte Hasen“ in Sachen Pilz kennen dieses schöne Waldstück gut, viele waren schon vor uns dort. Zu sehen an den Schnittresten der hell leuchtenden Stiele. Und an den vielen „Kipplingen“, umgetreten, umgelegt und achtlos zurückgelassen. Ich will mich nicht ärgern und tu es dann doch. Warum nur treten die Leute diese vielen Pilze kaputt? Das habe ich mich schon als Kind gefragt?
Also müssen wir wohl tiefer und weiter in den Wald marschieren. Gut, dass S. dabei ist, spätestens nämlich, als ich die Gebeine und den Schädel eines Rehs finde, ist klar: Bis hierhin kommen selten Menschen. Wir haben eine Art Feuchtwiese mitten im Wald überquert, eine wunderschöne und große Ringelnatter aufgescheucht und leider war ich zu verdattert, um schnell genug die Kamera parat zu haben. Über unzählige Gräben schließlich gelangen wir in ein Stück des Waldes, in dem wohl noch niemand vor uns gewesen ist in dieser Saison. Dass wir eigentlich Speisepilze suchen, ist mir mit einem Mal gänzlich schnuppe. Hier wachsen in Gruppen, an Bäumen, unter sich zersetzenden Hölzern, im Gras und zwischen Fichtennadeln so viele unterschiedliche Pilzarten, wie ich das zuvor noch nie gesehen habe. Farben und Formen sind wunderschön. Bei genauem Hinsehen ist zu erkennen, dass hunderte Pilze in feinen Fäden gerade erst im Begriff sind, zu wachsen. Sie schieben sich durch das Laub, haarfein und rehbraun. Die Kamera muss ran, da spielt es auch keine Rolle, dass die Baumkronen fast das ganze Licht schlucken.

Schwüle, feuchte Luft und gestiegene Temperaturen sind wohl das ideale Klima für die kleinen Lebewesen, die ich auf dem Waldboden – mehr liegend als kniend – knipse. Allerdings auch für diese kleinen Zeckenbiester, von denen wir uns gleich mehrere von Jeans und Pulli zupfen müssen. Es ist so still hier, dass es fast in den Ohren schmerzt. Es ist auch so still hier, weil ich im Jagdeifer S. verloren habe. Oder er mich? Von weither höre ich ihn pfeifen, eine flotte Weise, die beim Näherkommen nach und nach zu „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ wird. Warum er gerade auf dieses alte Kinderlied kam, bleibt offen.

Nach all den Aufnahmen eher weniger essbarer Pilze (die Glucke ausgenommen) wechseln wir Wald und damit Pilzrevier und werden schließlich doch noch fündig. An bekannten Fleckchen, oftmals tief im Dickicht der Fichten, stehen Maronen und Steinpilze, viele davon noch zu jung, um sie mitzunehmen. Die Tagesbeute wird am selben Abend noch zubereitet zu einem leckeren und intensiv schmeckenden Ragout mit breiten Nudeln und Rinderfilet. Der nächste Ausflug in den „Pilzwald“ hängt allein vom Wetter ab, seither regnet es nämlich unermüdlich. Was dann zur Ernte bereit steht, wird im Ofen getrocknet und in Gläsern unter Vakuum aufbewahrt, wie ein kleiner Schatz.

Nachfolgend die fotografische Beute vom Glückspilz:

BaumMoos

PilzOrangeScharf

Wie eine zarte Koralle am Meeresboden, aber: Ein Pilz – der Goldene Ziegenbart oder auch Goldene Koralle

ErikaMacro

Erika oder auch Heidekraut in Großformat

PilzSchokolade

Tiramisu? Kakao? Schokolade? Ein Pilz. Aber: Wie heißt er?

SchädelvonVorneunten

Faszination am Morbiden – der Schädel eines Rehs aus Bodenlage…

PilzZartorange

Auch er ist wunderschön, aber sein Name? Ein Geheimnis.

PilzLilaGanz

Der Ritterling – so hübsch. Und von leichter Farbe im düsteren Wald.

KrauseGlucke

Liebe Krause Glucke, heute ist nicht alle Tage! Ich komm wieder, keine Frage!

Kleeblatt

Glück.Glück.Glück.Klick.

PilzMitRiffelrand

Der Herbstwald – eine Gleichung mit allerlei Unbekannten…

PilzLSchuppenRandWeiss

Und auch dieses ungewöhnliche Pilzgebilde kann ich nicht zuordnen.

PilzViolettSchön

RehSchädelGanz

PilzRotBraun

KäferBlau

HerbstwaldmitTor

Tagbeute:

MaisRot

PilzemitEichenlaub

KastanieMakron

LöwenmäulchenGelb

EichelEinzeln

PilzbeutePurple

Gladiolenblüten

Eine der letzten Blüten im Garten, die Gladiole.

Fortsetzung folgt…

13 Kommentare zu “κέρας Ἀμαλθείας – aus dem Füllhorn, Teil II: Vom Zärtling, dem Ritterling und einem Glückspilz…

  1. Immer wieder wundersam, was man alles entdeckt…wenn man genau hinschaut! Ich finde es so schön, dass du mit deinen Beiträgen den Leuten die Augen öffnest und den Zauber der Natur zelebrierst. PS: Warum S. dieses Liedchen angestimmt hat? Naja, hab so ’ne Ahnung 😉

  2. Einfach wunderschöne Fotos und dabei kommen so viele Erinnerungen an unzählige Pilzsammelerlebnisse hoch, die uns auch schon oft in „verzauberte“ Wälder geführt haben. Bei uns ist es monentan möglichweise zu trocken für Pilze, aber gestern bei der Fahrt auf den Petersberg habe ich zumindest ein paar prächtige Riesenschirmpilze gesehen.

    Dieses Jahr wird das Pilzesammeln für mich aber anders als vorher. Denn ich werde die hübschen Herbstwesen erstmals fotografieren, was wiederum den Vorteil hat, dass ich mich auch über nicht essbare Exemplare freuen kann – Hauptsache schön 😉

  3. Vielen Dank für eure lieben Kommentare. @Annette, ich hatte da auch so eine Ahnung 😀
    Es ist wirklich wunderschön im Wald in diesen Tagen. Wir waren erst gestern wieder (alleine mag ich nicht gerne in den wirklich tiefen Wald gehen, obwohl ich sonst kein Angsthase bin). Irre, was da an Pilzen wächst und an Krabbeltieren zu finden ist. Und wunder-, wunderschön, wenn die Sonne es schafft, durch die Bäume zu dringen und das ganze Moos strahlt in Grün um die Wette 🙂 Ich, also ich geh jetzt wieder raus. Bald ist Stubenhocken angesagt, da muss ich die Zeit noch nutzen. 🙂

  4. Wunderschöne Bilder… und was für ein Reichtum, den uns die Natur schenkt…
    Deine Themen und Postings sind wahrhaftig verzaubernd…

    Lieben Gruß, Michaela

  5. Pingback: Mit dem “Pilzberater” sicher überleben – Autor Björn Wergen führt durch die Welt der Pilze | LandGlück

  6. Noch mehr Pilze – wunderschöne Aufnahmen von wunderschönen Pilzen…

    Als Kind hatte ich Forscherdrang und wollte alles untersuchen. Auch die Pilze. Wenn ich welche mit dem Fuß umgekickt habe und dann mit dem Stöckchen seziert habe, dann gab es schelte vom Vater. Der hat mir dann ganz viel über Natur und eingreifen des Menschen und die Auswirkungen erzählt. Solche langweiligen Sachen wollte man gar nicht hören und so ließ man das mit dem Zerstören recht schnell. Auch Bonbonpapier wurde am Auto abgezählt und wehe eines fehlte. Dann musste man den ganzen Weg zurückgehen und es suchen.

    Das hat geprägt. Heute schaue ich mir die Pilze lieber so an und freue mich über ihr aussehen und wenn mal ein Papierchen zu Boden fällt wird es sofort aufgehoben.

    Mit den eigenen Kindern halte ich es auch so wie mein Vater mit mir und ich kann sagen, sie haben ein gutes Naturbewustsein, wenn sie denn mal im Freien sind…

    • Ich freu mich über Kinder, die Spaß an der Natur haben. Nebenbei gestalte ich eine Kinderseite für eine regionale Zeitung. Die armen Zwerge müssen sich wöchentlich 1000 und 1 über Viecher, Pflanzen & Co. durchlesen 🙂 „Das Bonbonpapier“ gab es in abgewandelter Form bei mir auch. Und es hat sich bis heute gehalten. Liebe Grüße, Heike

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