Mit dem „Pilzberater“ sicher überleben – Autor Björn Wergen führt durch die Welt der Pilze

Die schlechte Nachricht zuerst: Wir haben es überlebt, obwohl wir ihn (noch) nicht hatten.
Die gute Nachricht zuletzt: Es gibt ihn – den wunderbar handlichen, ungemein informativen, reich bebilderten und gut strukturierten Pilzberater.

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Autor Björn Wergen, der wie im Vorwort zu erfahren ist, zum Thema „Pilze“ fachkundig die Diskussionsplattform pilzforum.eu moderiert und dieses auch als Basis seines Wissens und seiner Kenntnisse angibt, führt über 125 Seiten durch die geheimnisvolle und zauberhafte Welt dieser schönen und in so unglaublich vielen Formen, Farben und Größen wachsenden Lebewesen. Das Erstaunlichste gleich zu Anfang des kleinen Buches: „Auch heute noch sind längst nicht alle Arten bekannt und für die bekannten Arten ist die Stellung im Verwandtschaftssystem der Pilze noch immer nicht endgültig geklärt.“

Spätestens nach dieser Pilzsaison wundert mich dieser Umstand nicht. Wir haben so viele, so unterschiedliche Pilze in allen Größen, vereinzelt und versteckt, an Bäumen und im Totholz, in Wiesen, an Wegrändern, im Laub und auf Nadeln, an Rinde und Stamm entdeckt, dass es eine wahre Pracht war. Ganz wie Autor Wergen es in seinem Pilzratgeber empfiehlt, haben wir uns als Laien/Neulinge strikt an die Gattung der Röhrlinge gehalten und die Lamellenpilze sowie alle anderen lediglich übers Objektiv und aus „sicherer“ Entfernung bewundert. Und selbst bei den Röhrlingen, wie ich inzwischen weiß, hätte unser Halbwissen auch ins Auge gehen können.

KrauseGluckeErnte

Ausnahme: Die Krause Glucke

„Der (praktische) Pilzberater für unterwegs“, erschienen im Ulmer Verlag, widmet sich übersichtlich gestaltet und gut strukturiert den wesentlichen Fragen und Antworten rund um den Pilz. Über Grundsätzliches, Bestimmung, Fragen der Haltbarkeit, Genießbarkeit bzw. Giftigkeit und den nicht ganz unwesentlichen Punkt „Was tun bei einer Pilzvergiftung?“ geht der Ratgeber auf die die einzelnen Pilzarten in kurzen und prägnanten Details ein und informiert über Aussehen, Standort und charakteristische Merkmale. Björn Wergen betont dabei immer wieder, dass interessierte Leser und Pilzfreunde sich weder allein auf das vorliegende Buch noch auf Rückfragen im Netz bzw. die Bestimmung der Pilze allein aufgrund von Fotoaufnahmen verlassen mögen. Er verweist auf pilzkundige Fachleute, die nicht zuletzt auch im oben erwähnten Forum zu finden sind. Das spricht für die unbedingte Seriosität des Autors und damit auch des „Pilzberaters“. Besonders schön sind die vielen farbigen und detaillierten Abbildungen und die Notizen und Skizzen „von Hand“. Viele unserer Zufallsfunde meine ich dort wiederzuerkennen. Andere sehe ich zum ersten Mal.

Ganz besonders gefällt mir eine Passage auf Seite 21, in welcher Wergen absolut meinen Nerv trifft. Darin heißt es:
„Wer sich in der Natur aufhält, sollte gewisse Regeln beachten. Dazu gehört vor allem der Respekt vor dem Leben, sei es nun tierisches oder pflanzliches. Hinterlassen Sie keinen Abfall und zerstören Sie nicht mutwillig das, was die Natur hervorgebracht hat. Noch bis vor gar nicht so langer Zeit glaubte man, man dürfe giftige Pflanzen oder Pilze bedenkenlos vernichten, da sie ja schließlich in unserem Ökosystem keine Aufgabe hätten […] Pilzarten völlig ungeachtet ihres Speisewerts wichtige Funktionen im Naturhaushalt übernehmen, ohne die auch Menschen nicht lange überleben könnten. Respektieren Sie daher auch die giftigen Arten und machen Sie sich klar, dass jeder Organismus in der Ordnung der Natur seinen ganz bestimmten Platz hat.“
(Mit Ausnahme von uns Menschen, Anm. von mir)

Fazit:
Allein schon für diesen kleinen Exkurs in Sachen Respekt vor dem, was da an Schönheit gedeiht, möchte ich diesen Pilzratgeber jedem Menschen empfehlen, der seinen Fuß in die Natur setzt. Wir haben so viele mutwillig zerstörte, zertretene und verschnittene Pilze bei unseren Spaziergängen gefunden, dass mich diese sinnlose Zerstörungswut schon fast aggressiv werden ließ. Umso mehr, weil davon auszugehen war, dass sie auf „Pilzfreunde“ zurückzuführen ist!

Aber auch und gerade den Lesern, die sich dieser ungewöhnlichen, interessanten und so vielseitigen Lebensform aus Freude nähern möchten, empfehle ich das kleine Buch herzlich gerne.  Im nächsten Jahr wird er – neben Objektiven, Messern und Korb – einen festen Platz in der Ausrüstung bei unseren „Pilzwanderungen“ erhalten. Ich freue mich schon heute darauf, mithilfe der Lektüre die eine oder andere Sorte mehr für meine Küche erschließen zu können. Mit der Beschränkung auf Steinpilz, Marone und Krause Glucke haben wir jedenfalls nichts falsch gemacht.

Über den Autor:
Björn Wergen studiert Mathematik und Geschichte auf Lehramt. Er ist Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und als Ansprechpartner bei Giftnotrufzentralen gemeldet. Er leitet Exkursionen und führt Beratungen durch. Für ein Pilzforum im Internet moderiert er den Bereich „Pilzbestimmung“.

Über das Buch:
„Der Pilzberater für unterwegs – Fragen & Antworten“
Autor: Björn Wergen
Verlag: www.ulmer.de
Preis: 9,90 Euro (broschiert) / 7,99 Euro (Kindle Edition)

Mit den folgenden Aufnahmen vieler wunderschöner Pilze und Pilzgruppen geht die Saison 2013 dann für mich auch zu Ende. Unsere Beute haben wir getrocknet. Sie wird ganz sicher in den nächsten kalten Monaten ihren Weg auf die Teller finden. Die Pilze haben mein Gartenjahr ungemein bereichert. Und auch meine Bildersammlung. Besonders schön auch, dass im Wolfsnest zwischen den Birken, unter den Eichen und Fichten und auf der Wiese eine ganze Reihe hübscher Pilze gedeihen, allen voran der wunderbare Fliegenpilz.

Lieber Björn Wergen, sollten Sie das lesen, vielleicht können Sie uns ja bei der Bestimmung der ein oder anderen nicht beschrifteten Schönheit einen entscheidenden Tipp geben 🙂

Waldwiese

FliegenpilzSolistWald

Unverwechselbar: Der wunderschöne Fliegenpilz

HerbstWolfsnestHochf

Hexenei

Zwei Hexeneier – eine Entwicklungsstufe der Stinkmorchel

Stinkmorchel

Die Stinkmorchel, im Volksmund auch „Leichenfinger“ genannt

EichenlaubGoldenSonnenuntergang

TintlingamWegrand

Ein Tintling – ihn hab ich schon als Kind gerne gemocht

SteinpilzSoloSchön

Hier wirds schon schwieriger – Steinpilz? Marone? Oder….?

FliegenpilzRiesenschirm

Fliegenpilzzerfressen

PilzeauddderWiese

PilzeImMorgenregen

Pilzgruppe

PilzSchirmSoloWiese

Korallenpilz

Verliebt – in diesen Korallenpilz…

PlizhütemitKlee

SchleimpilzII

TaumitMoos

SteinpilzMini

Silberlamellenpilz

Mehr Pilze bei LandGlück sind hier zu finden:

Glückspilze und Zärtlinge

12 Kommentare zu “Mit dem „Pilzberater“ sicher überleben – Autor Björn Wergen führt durch die Welt der Pilze

  1. Wunderschöne Fotos 🙂

    Ich halte mich auch an die Röhrlinge und passe dort lediglich auf, dass ich keine Bitterpilze erwische. Alles andere ist mir zu stressig. Und selbst wenn ich mutig genug wäre: Der Liebste würde bestimmt nicht mitessen oder – noch schlimmer – nach dem Essen stundenlang wegen möglicher Vergiftungssymptome in sich reinhören 😉

    In diesem Jahr war bei uns die Pilzvielfalt allerdings gar nicht sooo groß wie ich mir es aus fotografischer Sicht gewünscht hätte. So dekadent sich das anhört: In unserem „Pilzwaldstück“ gab es fast „nur“ Steinplize. Die dafür aber en masse 🙂

  2. Ah, da sind sie ja… …wunderschöne Aufnahmen. Die Steinpilz-Marone könnte auch eine Kuhlippe oder eine Samptkappe sein. Aber ich kenne mich damit nicht so wirklich aus… …seit mein Vater nicht mehr da ist, sammle ich keine Pilze mehr. Er war da mein Pilzberater. Ich habe es schon geschafft, eine ganze Tüte Satanspilze zu sammeln und habe mich gefreut über diese tollen Steinpilze. Mein Vater schüttelte nur den Kopf und hat sie entsorgt… …und ich musste mir ordentlich die Finger waschen. Die einzige, die ich so mitnehmen würde, ist die Krause Glucke. Die ist wirklich unverwechselbar. Und lecker… 🙂 …aber selten…

  3. Wow, welche Vielfalt! Wir haben auch mehrere Pilzbücher, aber sie ähneln der Encyclopedia britannica und bleiben zuhause. Die krause Glucke sieht einem (echten) Badeschwamm sehr ähnlich. Danke für den Ausflug in die Pilzwelt und das Plädoyer für mehr Respekt. Ich bin auch immer verärgert über all die Pilzleichen, die eigentlich noch eine Weile ein munteres Dasein hätten führen können. PS: Hast du eigentlich Model Releases für dein neues Titelbild? 😉 Schönes Wochenende, liebe Heike

  4. wunderWunderWUNDERschön, ich liebe pilze auf der speisekarte aber das ist eins der wenigen dinge wo ich richtig schissig bin und daher nie selbst sammle, im sauerland haben wir auch viele gesehen (ich meine sogar pfifferling?) und bei uns auf der wiese sind auch unterschiedlichste beheimatet, aber … s.o. 😥

  5. Also, den Fliegenpilz dürfen nur Rentner essen, wiewohl auch Rentner bei rot über die Straße dürfen….. ( war das jetzt makaber ? )
    Tschuldigung, aber manchmal gehen sie mit mir durch….
    Herzlich grüßt ein ( früh ) Rentner
    Angela

  6. muss noch was sagen; das neue Hintergrundbild ist schön. Die Schafe waren auch schön, nur besser ohne Zaun…
    In meiner Nachbarschaft “ lagern“ auch Kühe und man sieht genau, wer sich mit wem versteht.
    Am liebsten würde ich nicht so viel sehen, weil – es bringt mich um, was mit Tieren geschieht…
    Ich bin kein Vegetarier und fanatisch ganz und gar nicht, aber es schnürt mich ab, weil ich nicht viel gegen die “ übliche“ Tierhaltung tun kann.
    ♥ Angela

  7. Hallo,

    ich bin durch Zufall tatsächlich auf diese Seite aufmerksam geworden und habe mir alle Bilder angeschaut:

    das 7. Foto (von oben) zeigt Coprinus comatus, Schopftintling.
    Foto 8 zeigt eine Marone.
    11-12 den Glimmertintling, Coprinellus micaceus
    13 den Grünblättrigen Schwefelkopf, Hypholoma fasciculare
    Der Korallenpilz ist ein Klebriger Hörnling, Calocera viscosa
    16 ist ein Rosablättriger Helmling, Mycena galericulata
    17 ein Grünspanträuschling, Stropharia aeruginosa
    20 ist eine alte Hasenpfote, Coprinopsis lagopus

    lg bwergen

    • Zufälle gibt es nicht (lacht).
      Na, das freut mich aber. Und noch mehr freut mich, dass Sie so nett waren, Licht ins Dunkel der Pilzwelten zu bringen.
      Besten Dank dafür und alles Gute für Sie 🙂

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