Fifteen Shades of Grey – bonjour Tristesse …

Aus beinahe jeder erdenklichen Situation das Beste machen zu können – das kann eine Begabung sein. Oder auch eine Last.
Von der ich mich für heute einmal befreien will, indem ich frei und offen zugebe:
Diese Zeit vor dem Winter – November und Dezember – ich nenne sie „Nozember“, sie ödet mich an. Und zwar richtig. Ich möchte den Nozember streichen aus dem Jahresplan. Ersatzlos. Oder verschlafen? Mit einem Pinsel bunt anmalen? Mit Tuch zudecken? Schönreden? Verschenken?

Grau. Alles grau, wohin das müde Auge blickt. Tage, an denen Nebel über dem flachen Land liegt, so dicht und beharrlich, dass die Sonne nicht den Hauch einer Chance hat. An anderen Tagen Regen in allen Varianten – bevorzugt gesprüht und vom Wind gleichmäßig verteilt. Alles durchweicht, klamm – der Boden aufgeweicht, matschig und unter den Hufen der Tiere in eine schwarze, morastige Kraterlandschaft verwandelt. Überhaupt Wind – er pfeift durch jede Ritze, kriecht durch jeden Spalt, krallt sich in Haaren, Kleidung und Gepäck fest und rüttelt so lange, bis sich ihm jedweder Widerstand ergeben beugt.

Oder er verkleidet sich und kommt als Sturm übers Land, heißt Xaver und wütet kraftvoll. Reißt Land von den Inseln und Küsten, pflügt Schneisen in Wälder, packt Bäume und Büsche an ihren Wurzeln und im Geäst, zerrt und zieht so lange, bis sie ihm nachgeben und brechen, bersten, knicken oder der Länge nach samt Wurzeln und Erdwerk umstürzen.

Wer bitte hat diese Jahreszeit erfunden? Und wenn ja – wofür? Einzig möglicher Schluss – alles soll faulen dürfen, verrotten und Platz machen für neues Leben. (Und ich soll dabei zusehen.)

So jedenfalls zeigt sich der „zwelfte“ Monat im Kalenderjahr im Norden Deutschlands. Vor dem Schnee. Vor dem Frost. Auf den ersten Blick.

Aber auf den zweiten – da offenbart selbst er, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Dass das Leben sich zwar verstecken, aber nicht verbergen kann. Und dass ich eben doch nicht anders kann, als das Beste aus dem zu machen, was es für mich bereithält. Auch aus dem Nozember.

Fifteen Shades of Grey
(November/Dezember 2013 im Wolfsnest)

HagebutteNovemberGefressen

LiebesperlenDezember

TropfenSoloNebel

BerberitzenBlatt

NovembernebelMagnolie

HortensieBlauRestDezember

MoosArt

Berberitzenhecke

HerbstasterVerblüht

ErikaDezember

HortensieNovember

Nebelwand

PfaffenhütchenDezember

ErikaDezemberAusschnitt

BerberitzeDezember

19 Kommentare zu “Fifteen Shades of Grey – bonjour Tristesse …

  1. Tolle Fotos, auch die grauen.
    😉
    Vielleicht ist das ja das besondere am Nozember (oder Devember), erst durch den Kontrast erkennt man wieder die Schönheit des Frühjahrs.
    Ich habe erst gestern eine Karte mit meinen Highlights 2013 zusammengestellt (nicht die besten Fotos, sondern die besten Fotos der besten Ereignisse oder Erinnerungen aus 2013) und konnte es kaum glauben, welche Farbenpracht ich erleben durfte.
    Von daher lehnen wir uns entspannt zurück und warten auf den 21.12., denn ab da werden die Tage wieder länger!

    • Das geht mir beim Sortieren der Bilder auch so. Kann man deine “Selektion 2013″ besuchen?
      Jeden Tag, wenn ich meine Runde im Garten mache, mag ich kaum glauben, welche Pracht der Sommer dort draußen bringt. Das ganze Grundstück sieht dann aus, wie ein gänzlich anderes. (Fängt damit an, dass man im Winter überall den Durchblick hat, wo im Sommer dichtes Laub Schutz bietet.) Jetzt freu ich mich auf diese merkwürdige Zeit “zwischen den Jahren”, in der man das Gefühl hat, vor allem sicher zu sein. Vor dem Finanzamt, blöder Post, sämtlichen Ämtern und allen anderen Unbilden des Lebens 🙂

      • Meine 2013 Foto-Auswahl hab ich hier nicht eingestellt, da da doch einige Reisefotos und Vereins- und Schulfotos mit der Familie und Bekannten dabei sind. Die sind nicht so erpicht darauf, veröffentlicht zu werden. Aber das ist eine gute Idee, vielleicht hier auch eine kleine Jahresauswahl zu zeigen.

  2. Das sind wunderbare Bilder die auch zeigen, wie schön Grau sein kann. Richtig schön! Der November hatte aber auch seine schönen Seiten. Zum Beispiel fand ich den Nebel vor einer Woche ganz wunderbar. Manch schöne Details liegen direkt vor unseren Augen. Schon bald werden die Tage länger, wenngleich sehr langsam, aber es geht dann hoffentlich schnell voran. Das beste aus dem zu machen, was einem bereit gestellt wird, ist auch eine gute Maxime.
    Liebe aufbauende Grüße 🙂
    Stefan

    • Moin moin lieber Stefan, ich kann mich an unglaublich schöne Herbsttage erinnern, an irre Farben, knallblauen Himmel und das Gefühl, jetzt erst im Sommer angekommen zu sein. Schätze, das ist auch eine ganz spezielle Sache diesen „Nozember“ auf dem „platten Land“ zu verbringen. Ich werd halt immer eine „Südpflanze“ bleiben und den Wald und Berge vermissen. Ganz besonders eben an Tagen wie diesen. Ich hab mal Bilder aus dem 1. Weltkrieg gesehen, Schlachtfelder „danach“, mnachmal erinnert mich das hier an diese Aufnahmen. Kahlschlag, Matsch … Aber ich bin ja (fast) unerschütterlich im Bestreben, auch das kleinste Schöne noch sehen zu können. Liebe Grüße, Heike

  3. Wunderschöne Bilder, ich erleb auch grade ein Gefühlsauf und -ab: wollte jetzt endlich und einfach und simpel Schnee. Sah doch sehr gut aus? Jetzt ist auch bei uns im Süden wieder alles weg, es wird wärmer … Will ich aber nicht 😉 Hoffentlich ist bald Januar!!! Liebe Grüße von Doris

  4. Ich sehe kein Grau sondern einfühlsames Winterbunt, und mein Horrormonat kommt noch: Der längste Monat des Jahres ist nämlich der Februar! Was die Sonne angeht, so dürfte ich dir vielleicht eine kleine Reise vorschlagen…du weisst schon wohin 😉

    • Februar? Wer war das noch gleich? War das dieser Monat, in dem ich mich als Kind einzig und allein auf den März gefreut habe. Und immer dieses Liedchen im Ohr: „Im Märzen der Bauer…“ Und dann kamen die Schlüsselblumen und die Welt war gerettet … 🙂

  5. Ja, ich sehe auch kein grau. Und das Wetter ist erst im Dezember so schlecht geworden bei uns. Im November war es mild und mancher Sonnenschein kam durch.
    Ich habe die ganze Zeit überlegt was das für ein Gefühl ist wenn ich deine Bilder anschaue, das ist ganz speziell, so ein bisschen hüpfend … und ich glaube ich habs jetzt: es ist ein HerzAugenOrgasmus..
    also ein besseres Wort finde ich nicht 😉 DANKE

  6. Wie recht du hast: Schönes gibt es immer. Auch wenn man gelegentlich ein sehr gutes Auge und ein noch besseres Makro braucht, um sie zu finden und sichtbar zu machen 😉

    Ich selbst komme immer ganz gut über den Nozember hinweg. Dafür mag ich den Janfebruar um so weniger. Da nervt mich der Winter dann immer gewaltig.

    • Ich find ja, das hat sich alles verschoben. Mindestens um vier Wochen. Und durch den Umzug in den Norden gleich auch noch einmal mehr. So richtig los geht es hier frühestens Ende April. Als Kind konnte ich meist schon im März im Wald Anemonen, Veilchen und Schlüsselblumen sehen. (Bilde ich mir jedenfalls ein) Jetzt hab ich bis dahin Zeit, die 756876598586 Bilder zu sortieren und suche noch nach einer geeigneten Software, mit der ich vernünftig archivieren kann. 🙂

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