Märzrösser … #frühling

im-maerzen-der-bauer


Dieses schöne alte Lied.
Und der Bauer und seine Rösser zur Frühlingszeit.

Die Pferde waren riesig. Aus Kindersicht. Und schwer. Mit weißblonden Mähnen, kräftigen Hinterteilen und viel Ruhe im Gemüt. Die Bauern – zwei Brüder – haben nie geheiratet. Aber den elterlichen Hof haben sie bewirtschaftet, bis sie selbst bald 80 waren. Immer zu zweit und bis zum Ende von Hof und Leben mit den Pferden. Auch wenn die anderen da längst schon Traktoren hatten. Einer ging vorneweg und sammelte die großen Steine vom Feld. Der andere kam hinterm Pflug und den Pferden nach und riss die Erde auf. Stunde um Stunde dauerte das. Zwischendurch machten sie Brotzeit. Und die Pferde bekamen Futterbeutel aus Sackleinen voller gequetschtem Hafer umgehängt.

Vintage

Die Aufnahme wurde vor wenigen Jahren in Mecklenburg-Vorpommern gemacht.

Ihre Sprache mit den Tieren war geheim. Irgendwas wie „Johogehschonagehtsschogehts …“ Nur die Pferde verstanden das. Und die beiden Brüder. Streicheln? I wo – bloß net … Das waren Arbeitstiere – keine Kuschelviecher. Gegen Nachmittag, wenn den Tieren die Kraft abhanden kam, half auch schon mal der eine oder andere kleine Stein, von Bauernhand gegen die Kruppe geworfen. Es roch s0 unheimlich gut. Die feuchte aufgerissene Erde. Die von der Arbeit erhitzten Körper der Tiere. Die warme klare Frühlingsluft.

SamsonzwischenHeugabelnSW

Kater Samson zwischen Heugabeln …

Man sah sie im Jahr dann noch zweimal, die beiden riesigen Pferde.
Zur ersten und zweiten Heuernte. Dann zogen sie den großen Wagen mit dem Wintervorrat nach Haus.

Sie starben kurz nacheinander. Erst der eine Bruder, dann der andre.
Der Hof stand leer und verfiel. Wo die Pferde gelandet waren, ich weiß es nicht.
Irgendwann wurde abgerissen. Und die Filiale einer Bank gebaut.

SchweinestallFenster

Der ehemalige Schweinestall ….

Unter dem Giebel unseres Hauses hängt ein Hufeisen.
Und auch überm Eingang zum Stall.
Die alten Leute haben es dort angebracht.
Immer dann, wenn ich es sehe, denke ich an die steinalten Brüder.
Die groben Knochen. Die riesigen Hände. Die Arbeitshosen. Die groben Stiefel.
Und an die Pferde. Und an eine Zeit, die so lang schon vorüber ist.

Im Märzen der Bauer seine Rösslein einspannt …
Willkommen, lieber Frühling.

FalladaSepia

Fallada im Wolfsnest …

SchneeglöckchenGegenlichtHFPS

März im Wolfsnest …

4 Kommentare zu “Märzrösser … #frühling

  1. Im Märzen der Bauer, habe ich heute auch gesungen! und ich habe den gleichen Türklopfer! Eine stimmungsvolle Geschichte, ich freue mich, wenn ich so etwas am Sonntag-Abend im Netz finde, danke schön. Meine Rösslein sind auch schon angespannt, der März hat es immer in sich, aber ich liebe ihn. Einen schönen Sonntag-Abend, lg Marlies

  2. Eines meiner Lieblingsbücher heisst „Auf dem schwarzen Berg“, geschrieben vom hinreissenden Bruce Chatwin. Es kam mir beim Lesen in den Sinn…wenn du’s nicht kennst, solltest du’s unbedingt lesen. Danke für deine Geschichte und Fotos – hab eine gute Woche 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s