„Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man die Bäume raufreiten …“ #prosa #katzen #landglück

„Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man die Bäume raufreiten.“ (Verfasser unbekannt)

Ich mag Katzen nicht. Ich mag nicht ihr gespreiztes Geziere, ihr schleicherisches Gehabe, ihr prätentiöses Sich-Verweigern. Ich mag nicht ihre sattsame Gier, ihre zur Schau gestellte Trägheit. Ihr lustvoll spielerisches Morden. Ihre blutigen Rivalitäten. Ihre gemahnende Leichtigkeit. Und am wenigsten ihre launischen Lieben.

Sammygähnt

Darum habe ich mir nie eine Katze angeschafft.
Die Katze hat sich mich angeschafft.
Wenn die Katze ein Pferd wäre, dann könnte man (wenigstens) die Bäume raufreiten.

Sie waren zu zweit. Und sie richteten es so ein, dass wir nicht „nein“ sagen konnten. Erst kamen sie nur, weil die Nachbarn auf Urlaub waren.
Dann kamen sie, weil die Nachbarn weggezogen waren. Schließlich blieben sie, weil ein Nachbar wie der andere Nachbar ist, so lange pünktlich die Schalen draußen stehen. Anfangs blieben sie kurz, um wieder zu gehen. Nach und nach blieben sie länger, dafür aber kürzer weg. Und sie kamen regelmäßig. Sie machten Faxen. Brachten Geschenke. Erst. Später dann Zecken. Kaninchen. Auch Enten. Küken. Und Wunden mit.

BeideaufBaum

SammymitMaus

Wenn die Katze ein Pferd wäre, dann könnte man (wenigstens) die Bäume raufreiten.

Nach sieben Jahren kam am Morgen nur der Graue.
Und der Schwarze blieb unterm Baum.
Ein Tierarzt schloss dieses aus. Und jenes. Und auch dies. Und das auch.
Am Ende blieb Leukose – auch bekannt als Katzenleukämie.
„Die Erkrankung ist ansteckend und endet in der Regel mit dem Tod.“
Wie das Leben. Auch das Leben, es endet mit dem Tod.
Manchmal ist das Leben schneller, als die Krankheit.

Und manchmal, da lassen sich beide Zeit.

SammyNahPort

Der Schwarze ist jetzt ein Stubentiger, seit vielen Wochen schon. Er erleichtert sich dort, wo wir das wünschen.
Er schwankt. Und er torkelt. Das Leben fährt Karussell. Er frisst. Und schnurrt. Er spielt. Und fällt.
Gute Phasen folgen auf schlechte Phasen. Und umgekehrt.
An manchen Tagen ist seine Sehnsucht groß. Dann reckt er die Nase in den Wind. Und schaut in die Ferne.
An anderen braucht er die Nähe, die Sicherheit. Feste Zeiten und Verlässlichkeit.

SammyaufBank

Ich mag Katzen nicht. Ich mag nicht ihren Revieranspruch. Ich mag nicht ihre Penetranz. Ihren Egoismus. Ich mag nicht ihren Geruch.
Wenn die Katze ein Pferd wäre, dann könnte man (wenigstens) die Bäume raufreiten.

Aber ich liebe dieses Tier. In seiner Dankbarkeit. Seiner Bescheidenheit. Seiner Genügsamkeit. In seiner Duldsamkeit. Seiner Ergebenheit.
Nicht mir sondern dieser Krankheit gegenüber, die mit dem Tod endet. Und dem Leben gegenüber, das keinen Deut besser ist.

Samsonschläft

16 Kommentare zu “„Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man die Bäume raufreiten …“ #prosa #katzen #landglück

  1. Jetzt hab ich einen Kloß im Hals. So schön hast Du das geschrieben, so anrührend. So bestechend ehrlich.
    Ich mochte Katzen sehr, schon als kleines Kind. Sie gehörten von früh an zu meinem Leben. Bis dann vor zweieinhalb Jahren mein geliebter alter Kater eingeschläfert werden musste. Seitdem sind sie mir alle suspekt. Kann keiner Katze mehr was Niedliches abgewinnen. Habe seitdem keine mehr angefasst. Und wenn mir eine um die Beine straucheln will, geh ich weg.
    Und Deine Zeilen haben mich jetzt so angerührt, dass ich meinen Rötling plötzlich wieder so entsetzlich vermisse, als wäre er erst gestern in meinem Arm gestorben.
    Seufz.
    Ich geh dann mal in den Garten.

  2. fast hätte ich es Dir geglaubt … Du schelmin, Du.

    ich „mag keine hunde“, sie sind so abhängig ohne eigenen willen auf menschen fixiert … und ich weiß genau, sobald wir die zeit haben weil der erste in rente geht oder wenigstens auf halbtags reduziert (der göga ist 6 jahre älter und selbständig, träumt also davon um dann noch ne weile teilzeit zu arbeiten, auch mal von zu hause aus) dann kriegen wir einen hund!
    und ich werde ihn lieben (ob die katzen das auch tun sehen wir dann 😉 und mit ihm laufen gehen bei wind und wetter, nur eben solange ich noch arbeite nicht mitten am tag und alleine soll er nicht sein.

    @Claudia: mach schon, los, hol Dir einen neuen, keinen rötling, (jetzt) auf gar keinen fall, aber was schwarzes graues geschecktes kuscheliges liebendes schmusendes zankendes mäusebringendes, wenn man das einmal hatte — wie kann man darauf verzichten?
    schwer war das umgewöhnen nach der „alten belegschaft“ jerry,krümel&tarzan die ab 1992/93 mit uns lebte bis uns zum schluß tarzan 2010 verließ. nun haben wir jüngere aber trotzdem am 16.2.13 die emma verloren (sie ist auf meinem schoß gestorben, für unseren tierarzt war’s noch zu früh samstags morgens und fremden notarzt wollten wir ihr auch nicht antun und irgendwie war uns allen klar daß es eh keinen sinn mehr machte) und zum alleinigen mika kamen dann 2 wochen später mit paulaMama+wilmaTochter die „nummern“ 9+10 (die 5.+6. aus der selben pflegestelle), so zu dritt ist unsere idealbesetzung zuzüglich diverser wechselnder nachbarn die wissen wo der eingang und das leckerchen sind 💡

  3. Danke. *schluckt*
    Uns begleitet gerade Samtpfote Nummer 4. Die ersten Beiden haben wir von der Schwester „geerbt“. Nach 5 bzw 12 Jahren sind sie gegangen, die Katze mit 22 Jahren. Nr. 3 ist zum Nachbarn gezogen, ihre Ansprüche passten nicht zu unserem Angebot. Nr. 4 kam aus dem Tierheim zu uns und behauptet sich gegen den Hund. Ich liebe sie gerade wegen ihrer Eigenständigkeit, auch wenn es heißt, Katzen hätten Personal… (es ist schließlich etwas dran).

  4. Liebe Heike,
    das hat mich sehr angerührt. Ich mag auch keine Katzen, aber das heißt quasi gar nix,. Am Ende ist es immer anders.
    Meine Geschichte geht so: Meine wunderbare Frau mochte keine Hunde – aber ich war bloß mit Hündin zu haben. Denn die war schon da und musste bleiben. 14 ist sie am Ende geworden – und im Arm meiner Frau gestorben. Und ich wollte dann (vor Traurigkeit) keine Hündin mehr, aber meine Frau… und jetzt haben wir eine India und lieben sie so, wie die Polly vorher. Und ist auch schon 13.
    Liebe Grüße, Kai

  5. Der Gedanke, dass eine Katze ein Pferd sein könnte und ich dann die Bäume raufreiten könnte ist faszinierend. 🙂

    Ansonsten habe ich nach dem Lesen gerade Tränen in den Augen.

    Es erinnert mich sehr an meinen ersten Kater.

    Ich mag keine Katzen und Katzen mögen mich nicht. Sie gehen mir aus dem Weg. Nur der eine nicht. Der fand mich gut und blieb. Und ich fand ihn gut, und ließ in bleiben… …15 Jahre ist er trotz schlechter Prognosen geworden und dann in meinem Arm gestorben.

    Unersetzbar…

    Alles Gute für Dich und Deine Samtpfoten…

  6. Vielen herzlichen Dank für die lieben Kommentare. Heute war ein wunderschöner Frühlingstag. Und der Kater saß hinter der Fliegengittertüre und beobachtete uns beim Teichbau. Und seinen Kollegen beim Faulenzen in der Sonne. Er maunzte lautlos. Und es lag so klar auf der Hand: Er wollte nur eines und zwar auch raus.
    Ich hab sehr mit mir gerungen. Und dann durfte er gehen. Einfach so.
    Natürlich blieb ich ihm in gebührendem Abstand auf den Fersen. Er wackelte zu all seinen „alten“ Plätzen und schließlich unter die Büsche an die Sonne. Gegen 5 Uhr kam er angezottelt, wollte Wasser, Futter und nun ist er wieder drin. Das war sein erster Ausflug seit Oktober. Ich wiß nicht, wem er besser tat. Ihm. Oder mir 🙂
    Auch all euren Katzen alles Liebe, Heike

    • Liebe Heike,
      schon wieder ein Klos im Hals. Deine Schilderung erinnert mich so verdammt an die letzten Tage unserer Polly (komisch, hatte auch Leukämie) , die unbedingt auch nochmal raus wollte, alle Kräfte zusammennahm und ihren Lieblingslavendelstrauch nnochmal sehen wollte. Und bald danach diese verdammte Trauer und eine ungeheure Dankbarkeit
      Liebe Grüße, Kai

      • Ich bin die Kloß-Queen, wie es scheint 🙂
        Ach ja, so ist es halt, dies schöne Leben.
        Ich sende dir herzliche Grüße und wünsche euch ein zauberhaftes Wochenende, Heike

  7. Liebe Heike,
    wenn du Katzen lieben würdest, würdest du ihnen nicht Pflegestufe 3 zumuten.
    Wie schlecht muss es der Kreatur gehen, bevor du einschreitest.
    Wie wäre das bei Pferden ?
    PS: Wir haben es bei unserem 1. Hund nicht der Natur überlassen, als ein großer Tumor im 8. Lebensjahr auftrat . Leicht ist das nicht, auch jetzt noch nicht.
    Herzliche Grüße
    Angela

    • Liebe Angela, ich weiß, dein Kommentar ist netter gemeint, als er sich anhört. Keine Bange, ich halte hier kein leidendes Tier aus Eigennutz am Leben. Es ist andersherum: Ich ermögliche einem kranken Tier einen schönen und liebevoll umsorgten Lebensabend, der genau so lange dauert, bis mein Gefühl mir sagt: Das Leiden ist größer, als die Freude, leben zu dürfen. Und das kann ich nur allein und für mich entscheiden. Denn der Entschluss ist unumkehrbar.

  8. Pingback: Über die Katze, die kein Pferd war. #prosa #tod | LandGlück

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