Über das Bernsteinzimmer, Himalaja-Primeln, rabiates Federvieh und einen wunderbaren Frühling … #frühling #spring #landleben #glück

Den Garten anderer, fremder Menschen zu übernehmen – damit tritt man eine Erbschaft an, die viele Überraschungen birgt.
So geschehen im Wolfsnest, das seinem Namen bei Übernahme wirklich alle Ehre machte. Verwuchert. Verwunschen. Verwachsen.
Haus und Land waren fünf lange Jahre von Menschenhand unbehelligt geblieben.
Im Schuppen hatten sich die Marder eingenistet. Im Haus die Mäuse. Koniferen, Brombeeren und Efeu waren in den Himmel gewachsen.
Vom kleinen Teich war nurmehr eine Art Schlupfloch geblieben. Und das Gras wuchs kniehoch, fast bis ans Haus heran.
Giersch, Vogelmiere, Hahnenfuß und Löwenzahn hatten das Terrain erobert und waren nicht gewillt, es so einfach wieder freizugeben.

Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Und unzählige Stunden, in denen wir gesägt, gehackt, geharkt, geschnitten, gehobelt, gebuddelt, gegraben, gestaunt, geflucht und uns gefreut haben.
Die begründete Hoffnung, auf Teile des Bernsteinzimmers gestoßen zu sein, löste sich in Unmut auf, als wir nach Stunden der Buddelei lediglich einen 100-Liter-Schiffstank mit altem Rohöl zu Tage brachten. Wie viele Jahre vor uns Heinrich Schliemann in Troja, stießen auch wir auf unzählige Scherben, Fliesen, Kacheln, Metall, Draht, Glas und merkwürdiges Gestein. Es muss eine ganz besondere Zeit gewesen sein, in der man hier seinen Unrat nicht zur Deponie brachte, sondern auf dem eigenen Land entsorgte. Massen an Bauschutt gruben wir aus, Kaninchendraht in 30 Zentimetern Tiefe und allerlei anderes, von dem ich nicht weiß und auch nicht wissen will, was es ist und wozu es gut gewesen sein soll.

Lange noch ist mein Garten weit davon entfernt, das zu sein, was ich mir wünsche. Aber in diesem Frühling ist das Ziel zum ersten Mal erkennbar. Und das ist ein wunderschönes Gefühl. Der Weg dahin war es auch – schön. Voller Erfahrungen, Fehler, Fehlkäufe, Fehlentscheidungen und alles in allem ein Lehrstück der Natur.

Ich hab begriffen, dass ich aus einigen hundert Quadratmetern in Norddeutschland kein zweites Stückchen süddeutscher Heimat buddeln kann. Der Boden ist nass und schwer. Es ist meist windig hier oben und die Vegetationsperiode setzt deutlich später ein, als ich das gewohnt bin. (Nie fällt das mehr auf als im Frühling.) Obstbäume wie Apfel und Kirsche tun sich schwer, umso üppiger gedeihen Hortensie, Rhododendron und Azalee. Ist es längere Zeit trocken, dann geht und steht man auf Torf und es fällt nicht schwer, sich die Torfstecher vorzustellen, wie sie noch vor gar nicht allzu langer Zeit hier im Marschland ihrer Arbeit nachgingen. Regnet es hingegen stark, weicht der Torf auf und wird zu einem zähen, schweren, schwarzen Matsch, der einem sprichwörtlich die Gummistiefel von den Füßen saugt.

Nun also ist nach etlichen Jahren eine Art Struktur zu erkennen, wenn ich nach draußen gehe. Fichtenzäune sind solchen aus schwerer Eiche gewichen. Wir mussten stark auslichten, um nicht ganztägig im Schatten zu stehen und zu gehen. Und – eine große Freude – aus dem kleinen Teich mit der durchlöcherten Folie wurde in der vergangenen Woche knapp 15 Quadratmeter spiegelnde Wasseroberfläche. Sowie sich die Erde rundum etwas gesetzt hat, kommt die überstehende schwarze Folie unters Messer und Steine, Zyperngras, Eichhornia, Seerosen, Blutweidereich, Schwertlilien, Sumpfdotterblumen, Himalaja-Primeln und Schilfrohr warten auf ihr Plätzchen für die nächste Ewigkeit.

Damit uns die Enten keinen Strich durch die Rechnung machen, liegen hinterm Haus 25 Meter Staketenzaun aus Kastanienholz. Sie sollen Pelle und Paule davon abhalten, Frösche und anderes Getier aus dem Teich zu schnäbeln, Entenflott einzuschleppen und der Flora keine Chance zu lassen. Der Teichüberlauf fließt direkt in den etwas tiefer liegenden Entenpool, in dem sich die Beiden stattdessen vergnügen dürfen. Wenn sie nicht – wie üblich – in einem Radius von 1000 Metern rund ums Haus unterwegs sind und in den Gräben nach Fressbarem suchen.

Apropos Enten –
seit etwa drei Wochen legt Ente Pelle jeden Tag ein Ei. Doch niemals sind es zwei.
Und sie brütet, was den unschätzbaren Vorteil hat, dass sie morgens den Schnabel hält. Es ist wunderbar still in und um den Entenstall herum. Zu hören ist lediglich das leise säuselnde Geschnäbel von Erpel Paule. Wenn sich zwei Enten paaren, möchte man übrigens nicht dabei sein. Es kostet mich alle Überwindung, dem stürmischen Freier nicht den schlanken Hals umzudrehen. Während des Aktes nämlich drückt er seine Angebetete gnadenlos (lang) unter Wasser. Würde sie auch nur einmal vor Entzücken laut seufzen, sie würde jämmerlich ersaufen. Dass sie nicht ersäuft, spricht für mich eindeutig gegen jegliche Freude, die die Entendame während dieses Aktes der Gewalt empfinden dürfte. Bleibt die Frage: Warum macht sie die Nummer mit?

Einiges ist also in diesem Jahr schon geschehen. 12 Kubikmeter Rindenmulch haben ihren Platz unter acht Pony-Hufen gefunden. Knapp 3 Tonnen Erde wurden bewegt. Die Pflanz- und Saatschalen bergen viel Leckeres und Schönes für den Sommer. Und im großen Gemüsebeet ist für dieses Jahr Ruhe angesagt. Mit Ponymist gedüngt, wartet die schwarze Erde auf Gründüngung. Allenfalls Rhabarber, Stangenbohnen und später dann Endivien und Zucchini sollen wachsen.

In jedem Jahr freue ich mich auf diese Jahreszeit, in der man der Natur förmlich beim Wachsen, Sprießen, Schießen und Gedeihen zusehen kann.
Und in diesem Jahr ist die Freude ganz besonders groß. Nach einem mehr als bescheidenen Winter – dem ersten meines Lebens übrigens, den ich gänzlich ohne Schnee verbracht habe – möchte ich jede Blume beim Namen begrüßen. Und wenn die Arbeit oft auch anstrengend ist. Und wenn ich auch oft Anderes, Wichtigeres tun müsste – es ist das, was ich mir immer gewünscht habe:
Das Tagwerk Arbeit sehen zu können. Etwas Greifbares zu tun. Mehr bewegt zu haben, als Bits und Bytes. Mails und Papier.

 

WildeJohannisbeerenQFPS

Die Wilde Johannisbeere aus dem Garten von Ömchen Suhl

 

 

NarzissenMiniVorBlauQFPS

Kleine Narzissen, am Wegrand auf der Geest

 

 

PrimelLangstieligPinkGegenHimmelQFPS

 

MagnolienhimmelEggertHFPS

 

SchachblumeHimmelQFPS

 

AnemoneVorBlauSoloHFPS

 

LärchenzweigAltUndNEUHFPS

 

FährhausBurgArtQFPS

 

HummelflugMärzUnscharfHFPS

 

PauleSuchtSichSelbstHFPS

 

MagnolieLilaSWHFPS

 

PferdeImWaldQFPS

 

BuschröschenHellblauQFPS

 

JimmyZeigtTungeAufQFPS

 

JohannisbeereWildSoloMakroHFPS

 

TraubenhyazintheMakroMitGelbHFPS

 

SchluesselblumenWaldbodenQFPS

 

HummelanPrimelLilaHFPS

 

 

 

 

13 Kommentare zu “Über das Bernsteinzimmer, Himalaja-Primeln, rabiates Federvieh und einen wunderbaren Frühling … #frühling #spring #landleben #glück

  1. Die Faszination, sein Tagwerk sehen zu können und – genau so schön – Tage und Wochen später fasziniert zuzuschauen, was sich entwickelt, hat mich auch gepackt. Nach „Helfen-Müssen“ in der Kindheit, ist nun Dankbarkeit da, nebenbei vieles gelernt zu haben.

  2. Was ist das doch für ein Glück, wenn jemand solche schönen Bilder sammelt und diese auch noch herzeigt. Vielen Dank dafür und herzliche Grüße aus München, Josef

  3. Liebe Heike,
    wie schön, das Frühjahr kommt ins Wolfsnest und wir bekommen wieder diese schönen Berichte mit den tollen Fotos.
    Schön zu lesen, was alles passiert ist bei Euch – ich glaube, so eine hart erarbeitete Idylle, so eine Umgebung, die mit einem lebt und wächst schätzt man dann umso mehr. Man merkt Text und Fotos die Freude dolle an, einfach schön.
    Liebe Grüße, Kai

  4. Es ist unglaublich schön, Deine Bilder, Deinen Kommentar zu sehen und zu lesen.
    Man spürt beim Lesen, wieviel Glück und Zufriedenheit Du ausstrahlst.
    Ich freue mich für Dich, daß Du Deinen Weg gefunden hast.

    Deine Mama

  5. Mensch, ihr lebt ja in einem absoluten Traumhaus – danke für’s Zeigen! Sobald man einmal seine Scholle verstanden hat und nicht länger versucht, dagegen anzugärtnern, beginnt die gärtnerische Glückseligkeit, liebe Heike. 🙂

  6. Liebe Heike, jetzt merke ich erst, wie ich die Impressionen aus deinem Garten und deinem Leben vermisst habe. Die klugen Gedanken, die Geschichten um Pelle und Paule und natürlich deine wunderschönen Fotos. Das ist wirklich Landglück pur 🙂

    Auch was du über (Hand-)Arbeit mit greifbaren Ergebnissen sagtst, kann ich voll und ganz unterschreiben. Zu dumm nur, dass man normalerweise in diesem Leben die meiste Zeit Bits und Bytes hin und herschieben muss, um es sich leisten zu können, in der Freizeit dann mal etwas Reelles zu bewegen 😉

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