Wie der Kaiser mit Sekt einen Kanal bauen ließ… #prosa #wortweise

34.879 Schiffe wurden 2012 gezählt auf ihrem Weg von Osten nach Westen und umgekehrt. Und sie allen fuhren an uns vorbei. Großkopferte und Kleinkopferte, Dicke und Dünne, Lange und Kurze, Schöne und Schiache passieren die knapp 100 Kilometer zwischen Brunsbüttel und Kiel-Holtenau. Gäbe es ihn nicht, müssten all die Segler, all die Motoryachten, Containerschiffe, all die Boote und Schiffe wie früher den großen Bogen um die Nordspitze von Dänemark durch den Skagerrak und Kattegat nehmen. Der Kiel Canal – so seine offizielle Bezeichnung – gehört zu den meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt.

Was einerseits verbindet, trennt auch wiederum: Die Steinburger von den Dithmarschern, die Marsch von der Geest. Und anderswo anderes. Und gleichzeitig eint er auch, was einst zusammengehörte: Schöpfwerke entwässern auf knapp 1.580 Quadratkilometern das nasse, flache Land und und lassen im Schnitt 20 Kubikmeter Wasser in der Sekunde in den Kanal fließen. 8 Straßen und 4 Eisenbahnstrecken führen auf 10 Brücken über das Wasser, 13 Fähren plus eine, die Menschen vorbehalten ist, transportieren von der einen zur anderen Seite. 2 Schleusen an den Enden regeln durch Gezeiten und Windstau wechselnde Wasserstände. Erbaut wurde der Kanal zwischen 1907 und 1914. An seiner tiefsten Stelle misst man 11 und an seiner breitesten 162 Meter. Maximal 15 Stundenkilometer sind erlaubt und wer höher ist als 42 Meter, muss bei den Dänen durch.
Weil der Bau teuer war, führte der Kaiser die Schaumweinsteuer zur Finanzierung ein. Gebaut wird bis heute. Mal hier mal dort.

Auf beiden Seiten säumen Betriebswege den Kanal. Sie werden gerne und viel von Urlaubern genutzt und eignen sich hervorragend fürs Radeln.
Und genau das hab ich kürzlich getan.

Das liegt mir eigentlich nicht – ein solch gerades Stück Weg, links Wasser rechts Wald. Mittenmang ich und keine Chance, abzubiegen. Wenig Chancen, um genau zu sein. Menschen haben diesen Kanal geplant und gebaut. Ein natürlicher Fluss ist anders, abwechslungsreicher, voller Leben. Am Kanal bleibt nichts dem Zufall überlassen. Oder doch?

Auch wenn das nicht die Art Natur ist, die ich mir wünsche: Ich bin wirklich erstaunt, wie viele unterschiedliche Büsche, Bäume, Gräser und Blumen das Ufer säumen. Schlehen, Birnen, Apfel, Sanddorn, Kirsche, Holunder, Buschrosen und vieles andere. Unzählige Schmetterlinge sind unterwegs, Hummeln und Libellen. Nach Regengüssen bevölkern Weinbergschnecken den Weg. Rehe, Hasen, Füchse und Dachs sind hier zu Hause. Möwen, Schwäne, Enten, Blesshühner und viele andere Wasservögel. Und meine Radtour an einem warmem, sonnigen Julitag wird mir insofern unvergesslich bleiben, als dass ich einem ganz besonderen Zeitgenossen begegnet bin …

 

 

Bitte aufsteigen und festhalten, wir radeln an den großen Kanal zwischen Ostsee und Elbe.

FahrradrahmenQFPS

Ein paar tausend Kilometer haben wir schon gemeinsam hinter uns gebracht, mein Rad und ich…

 

SchmetterlingWeissARTQFPS

Etwa 500 Meter sind es vom Wolfsnest bis zur Schranke am Kanal. Nach links folgen etwa 10 Kilometer bis zur Elbe und Brunsbüttel – nach rechts sind es etwa 90 Kilometer Wirtschaftsweg nach Kiel. Hinter der Schranke ein grüner Gürtel, den sich die Natur von Jahr zu Jahr mehr erobert.

 

 

LilaKanalHFPS

Wo es nicht so üppig wächst, schaut man automatisch genauer hin. Und das lohnt sich allemal …

 

Immer der Nase nach und nach etwa 90 Kilometern kommt dann Kiel ...

Immer der Nase nach und nach etwa 90 Kilometern kommt dann Kiel …

 

ContainerHolzQFPS

Immer wieder macht mich staunen, dass sie nicht untergehen – die Schiffe mit ihrer großen Ladung.

 

BärenklauHimmelHFPS

Wunderschöne Formen und Farben – ich kann mich gar nicht satt sehen …

 

KanalSegelbootDurchSchilfQFPS

 

KrüsselRosaMakroAmKanalQFPS

 

KrüsselPinkMakroQFPS

 

KrüsselRosaAmKanalQFPS

 

SchildAmKanalQFPS

 

ContainerschiffKanalNahQFPS

 

MauswieselHocktIIQFPS

Während einer kleinen Pause raschelt es im Gras. Ich höre ein merkwürdiges Quieken, schrill und ärgerlich. Schnappe mir die Kamera und muss mich beherrschen um nicht zu schreien vor Glück: Zwei sich balgende Mauswiesel rollen mir vor die Linse. Sie waren so im Clinch, dass es für zwei Aufnahmen gereicht hat, ehe sie in rasantem Zickzack im hohen Gras verschwanden.

 

MauswieselSpringtQFPS

 

Samstand??HFPS

 

SchmetterlingMakroBraunQFPS

 

SchmetterlingMitHummelKrüsselQFPS

 

KanalMitDalbenQFPS

 

FähreVonKanalAusHFPS

Die Burger Fähre…

 

BärenklauMitWasserQFPS

 

GrabenMitLilaBirkeHFPS

Auf dem Rückweg über die Landstraße…

 

BluweiderichWolfsnestHFPS

 

LilaVorHausQFPS

 

SchmetterlingAufKrüsselHFPS

15 Kommentare zu “Wie der Kaiser mit Sekt einen Kanal bauen ließ… #prosa #wortweise

  1. Pingback: moving garden | Scratchmos Garden

  2. Hervorragend! Du siehst die Schönheit vor der Haustür – auch wenn es eher eine künstlich begründete und gestaltete Art von Natur ist. Herzliche Grüße aus München, Josef

    • Vielen Dank lieber Josef. Auch dafür, dass du immer wieder bei mir vorbei schaust. Ich hab bei Facebook eine LandGlück-Seite und vernachlässige leider oft genug das Blog und vor allen Dingen die anderen Blogs. Wie nett, dass man mir das nicht übel nimmt 🙂

  3. Liebe Heike,
    jetzt muss ich ja nicht schon wieder schreiben, dass mir Deine Bilder wie immer sehr gefallen, aber diese Kanalbilder haben es mir schon besonders angetan. Und natürlich habe ich wieder was gelernt, nämlich, dass es ein Tier namens Mauswiesel gibt (echt?). Bin immer wieder erstaunt, was Du so alles am und neben dem Weg so siehst, das ist eine, na sagen wir mal, eher minderverbreitete Fähigkeit.
    Nun aber noch eine Frage: Es gibt da dieses Bild vom Schild, auf dem ein Schutzhelmträger eine Hand warnend und schwarz nach vorne schiebt. Wovor wird da gewarnt? Vorm Schutzhelm tragen, vor zu viel Lärm für die Ohren? Sehr putzig jedenfalls.
    Liebe Grüsse, Kai

    • Lieber Kai, das mit dem Schild war auch schon bei Facebook ein echter Lacher. Dort hatte ich das Bild mit folgendem Kommentar veröffentlicht:
      „Ich bin mir nicht so ganz schlüssig, was dieses Schild (offensichtlich ein drastisches Verbot) von mir und allen anderen möchte. Begegnet bin ich ihm gestern am Nordostsee-Kanal:

      A. Ich darf keine schwarzen Hände haben?
      B. Wenn ich einen Helm trage und schwarze Hände habe, darf ich hier nicht passieren?
      C. Ich darf einen Helm und schwarze Hände haben, muss dazu schreien (oder singen?) und darf dann erst recht nicht weiter?
      D. Meine Hand darf durch – aber der Rest muss hier warten?
      E. Wenn ich meine Hand gegen die schwarze Hand auf dem Schild lege, bricht die Dimension auf und ich darf die nächste betreten?
      F. Ich darf überhaupt nur weiter, wenn ich dieses Schild kapiere. Und weil das derart unwahrscheinlich ist, ist mir der Zutritt per se verboten?
      G. Der Mann mit dem Helm hinter dem Schild möchte gerne da raus, schafft es aber nicht unter dem dicken roten Querbalken durchzuschlüpfen?

      H. ________________________________ (Raum für eigene Interpretationen)“ 😀

      Das Mauswiesel ist ürbigens total niedlich und es passt wirklich in Mäusegänge, so klein ist es 🙂

      • Liebe Heike,
        das sind ja wunderbar-absurde Antwortmöglichkeiten. Meine Favoriten sind E und F in dieser Reihenfolge. E, weil es mir so eine Art Verbotsschild-Esoterik anbietet – und F, weil es dann so endgültig absurd ist, wie ein echtes deutsches Amtsschimmel-Schu´ld nur sein kann. Hm, nein, ich entscheide mich für E, irgendwie hat es auch was philosophisches…

        Das Mauswiesel sieht übrigens wirklich sehr putzig aus, irgendwie pfiffig. Ich nehme an, es ärgert die Feld- und Waldmäuse mit seinen Besuchen eher, als dass es sie erfreut.

        Liebe Grüsse, Kai

  4. Liebste Heike, was für ein wunderbarer Ausflug -wie immer gewürzt mit interessanten Fakten-, und eigentlich habe ich nur eines zu bemängeln: ich war nicht dabei! Man sieht, auch in künstlicher Umgebung gibt es viel Natur und Schönheit, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist. Danke 🙂

  5. Das war ein sehr schöner Ausflug, den ich dank des Rebloggens vom Friesenblog bei mir plötzlich entdeckte. Interessante Details zum Kanal und obendrein die unheimlich gelungenen und sehr ansprechenden Fotos! Klasse!

    LG MIchèle

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