Rauschgelb – Gelbrausch #prosa #rezepte #herbst

Tristesse und Trübsal, Grau und Gram – gestern wurde der für seine im Norden wenig erquickliche Wetterlage bekannte November für ein paar Stunden aus seinem Konzept gebracht. Da verzog sich nämlich der seit Tagen hartnäckig über dem Land wabernde Nebel sonstwohin und räumte das Feld für eine Himmelslage, die schon fast als unanständig blau bezeichnet werden darf.

Die wunderbare Sonne, das späte Mädchen, tauchte das Land in Farben, wie sie kräftiger kaum sein können. Dabei blieb die Landschaft in einem diffusen, weichen Licht, das die Konturen rundet und die Kontraste weich macht. Ja, da leuchtet es außen wie innen – ich gebe zu: Ich lebe auf, bei Lichte betrachtet.

Für einen Ausflug war die Zeit zu knapp, aber zu einem Spaziergang übers Land rund ums Haus reichte es. Den Kopf im Nacken, hab ich das glühende Laub bestaunt, die Pracht der Farbe: Gelb. Goldgelb. Rauschgelb. Gelbrausch.

EichenlaubLeuchtetAmHimmel

Die Eichen tragen bei uns am längsten ihr Laub. Birken, dann Erlen und Eschen, Ahorn und Kastanien haben sich ihrer Blätter schon entledigt.

 

Und gleich habe ich auch die Gunst der Stunde genutzt für die Gelbe Bete, eine echte Entdeckung in diesem Jahr. Sie ist – wenn man so will – eine Schwester zur bekannten Rote Bete, Rote Beete, Rote Rübe oder auch Rande, wie die Schweizer sagen. Verwandt ist das aromatische Gemüse mit der Zuckerrübe und mit Mangold. Und jetzt, da ich das lese, fällts mir auch ein: Etwas am Mangold schmeckt nach Bete. Etwas an der Bete nach Mangold. Und mit dem Farbrausch haben es beide – Mangold in goldenem Gelb, Orange und knalligem Pink. Und die Bete in Rot. Weiß. Und – ja – eben auch in Gelb.

 

GelbeBeteRohStilleben

Gelbe Bete – „meine“ Entdeckung des Jahres. Schmeckt übrigens auch roh ganz lecker. Lässt sich als Gemüse und Salat zubereiten oder einlegen, süss, sauer auch. Und salzig sowieso.

 

MangoldBuntHFPS

Botanisch mit der Bete verwandt – aber im Rezept hat er heute nichts verloren – Mangold in seinen tollen Farben.

 

Vielleicht ist es Einbildung, vielleicht auch nicht? Jedenfalls schmeckt für mich die gelbe Sorte nach Sommer und Herbst und die purpurroten Sorten gehören ganz klar in den Winter. Zu Labskaus, zu Königsberger Klopsen, oder einfach so als Salat und Vitaminbombe.

Mit ihrer gelben Schwester hab ich experimentiert und ein Rezept für einen köstlichen Salat kreiert.

Dafür braucht man (für 2 Personen):

2 apfelgroße Gelbe-Bete-Knollen
1 Fenchel-Knolle (Fenchelgrün zum Garnieren)
1 Orange
2 Essl. Sesam-Samen
1 Essl. Sesamöl
1 Essl. weißer Balsamico-Essig
1 Essl. Thai-Sweet-Chili-Sauce (Die kann man selbst machen. Oder im Asialaden kaufen. Wichtige Geschmackskomponenten sind Knoblauch, Ingwer und Chili.)
Frühlingszwiebeln od. Poree nach Geschmack

GelbeBeteAUFTeller002

Die kleinen Ringe leuchten weiß. Das Fleisch der Knolle strahlt in Gelb. Und wenn man die Scheiben gegen das Licht hält, denkt man unweigerlich an einen zuckersüßen Lolli …

 

Schritt 1
Die Gelbe Bete schälen und in hauchfeine Scheiben schneiden. Dabei kommt ihre wunderschöne Musterung/Zeichnung zur Geltung. In einer Pfanne das Sesamöl leicht erhitzen und die Bete-Scheiben darin sanft garen. Bitte nicht braten, die werden sonst grau. (Alternativ kann man das Gemüse auch blanchieren. Die Farbstoffe bleiben aber in der Pfanne besser erhalten.) Das Gemüse soll „bissig“ bleiben. Dann mit dem Balsamico-Essig ablöschen, die Säure verdampfen lassen und die Bete in eine Schüssel geben.

Schritt 2
Den Fenchel in dünne Ringe schneiden. Das Grün kleinhacken. Beides zur Bete gesellen. Die Orange filetieren, die Filets zu Bete und Fenchel geben. Den restlichen Saft auspressen und dazugeben. Lauch oder Frühlingszwiebeln (Menge nach Lust und Laune) entweder roh oder kurz in der Pfanne erwärmt zum Salat geben. Mit der Thai-Sweet-Chili-Sauce abschmecken. Und ganz zuletzt die Sesam-Samen in der Pfanne (ohne Öl/Fett) leicht rösten und unter den Salat geben.
Er kann lauwarm serviert werden oder gerne auch durchziehen, es schmeckt beides.

Bei uns gab es ihn als Beilage zu Sesamreis und meiner Eigencreation „Sushi“. Auf dem Land lebt man ja eher so in der kulinarischen Diaspora. Da ist schon Ideenreichtum gefragt. Vorausgesetzt der Lachs ist topp und absolut frisch, dann gibts ihn bei mir als Carpaccio, also roh serviert. In hauchfeine Scheiben geschnitten. Dazu Sesamreis, helle Soja-Sauce, Wasabi-Paste und frischen, scharfen Ingwer. Und als absoluten Gegenspieler – weil süss/sauer und unglaublich aromatisch – den Gelbe-Bete/Fenchelsalat, der dringend nach einem Namen sucht.

Im Glas auf dem Bild ist die Bete-Basis zu sehen. Sie hält sich im Kühlschrank recht lange. (Schritt 1, dann heiß in Gläser füllen und mit Gummi und Klammern verschließen.)

GelbeBeteSalatImGLas

Bis Ende Schritt 1 und dann noch heiß ab ins Glas – so hält sich die Bete im Kühlschrank etliche Tage.

 

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Rezept. Hoffe, dass euch die schöne, goldgelbe Knolle ebenfalls schmeckt und lade euch ein auf einen Spaziergang durch mein „Novembernest“.

EicheKroneLeuchtetGelb

Die Eichen im Wolfsnest – sie sind schon von Weitem zu sehen.

 

 

EichenLaubGGelb

 

PilzVonUntenBelcuhtet

 

LärcheKirsche

Lärche und Kirsche leuchten um die Wette …

 

 

KirschenBlattLeuchtetGelb

Leuchtfeuer in der Zierkirsche …

 

 

LärcheHimmelLeuchtet

Lärchengold – fotografiert auf einem strahlenden Nadelteppich …

 

LärchenzapfenLeuchtet

 

 

7 Kommentare zu “Rauschgelb – Gelbrausch #prosa #rezepte #herbst

  1. Liebe Heike, danke für deine tollen Fotos. Dieser Kontrast aus blauem Himmel und goldenen Herbstfarben ist der Hammer.

    Und danke für das leckere Rezept. Ich habe selber im Garten dieses Jahr nur die pink-weiß geringelten Tonda di Chioggas angebaut und deren Farbrausch bekommt Garen nicht gut. Aber ich weiß ja, welcher Bauer auf dem Markt gelbe Bete im Angebot hat 😉

  2. Liebe Heike,
    wunderschöne Bilder wie immer, aber besonders beeindruckt bin ich von der gelben Bete, die kannte ich noch nicht. Das Rezept (Fenchel ist auch so was wunderbares) werde ich mir ausdrucken und mal probieren, wenn ich mir was besonders gutes tun will…
    Liebe Grüsse
    Kai

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