Parammpammmpammmpamm. #weihnachten #merrychristmas

Zwei Maurerkellen, eine Wanne und Stiefel – mehr brauchte es nicht, um den Weihnachtstag in jedem Jahr mit einem Familienritual einzustimmen. Wir kannten ganz genau die Stellen, an denen es wuchs. Und fanden sie auch dann, wenn eine unberührte Schneedecke das Objekt der Begierde verbarg.

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Moos. Davon gibt es unzählige Arten. Wir aber suchten nach dem einen satten Grün, das von oben aussieht, wie ein irdener Sternenhimmel. Und – würde man schrumpfen und sich darin zurechtfinden müssen – einem dichten Wald aus eng aneinander geschmiegten, dünnen und sehr hohen Bäumchen gleicht. Das ganze Jahr über hatten wir bei unseren Spaziergängen Ausschau gehalten nach der grünen Auslegware der Natur. Und an Heiligabend wurde aus dem Moos die grüne Weide, auf der Hirten und Schafe der Weihnachtskrippe ihren Platz vor feierlicher Kulisse fanden. Die Krippe ist steinalt und ein Familienerbstück, dessen Geschichte so wechselhaft ist, wie seit jenen Kindertagen das Weihnachtswetter. Das Stalldach wirkt wie der Ausläufer eines Felsens, in dessen einer Nische über viele Jahre Erzengel Gabriel seinen festen Stammplatz hatte. Bis er, sorgfältig in Zeitungspapier verpackt, für immer und auf unerklärliche Weise aus unserem Leben verschwand. Fast bis zum Boden reicht das Dach zum Schutz der Familie und der Tiere, die darin Unterschlupf suchen. Über die Zeit kam ein Licht hinzu, gut getarnt im hinteren Winkel des kleinen Gemäuers. Maria, Josef und ihr Kind. Kuh, Esel und Pferd. Und – nicht ganz der Chronologie folgend – vor dem Stall im dichten, hohen „Gras“ standen schon die Heiligen drei Könige, in der Mitte ein großes Kamel.

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Ich denke mein Vater weiß, welche Freude ich an diesen Spaziergängen mit ihm hatte. Sie gehörten zu Weihnachten, wie Kugeln und Lametta am Baum. Die Stille im Wald, die atemlose Spannung, in der wir uns erhofften, ein paar Rehen zu begegnen. Das Feierliche an der Prozedur, die sorgsam ausgestochenen Moosplatten von ihrer Erde zu befreien. Die Figuren anzuordnen. Und die ganz sicher zu erwartenden Bedenken meiner Mama, die sich mit den unzähligen und ungebetenen winzigen Hausgästen befassten, die wir aus ihrem Winterschlaf aufgeschreckt und kilometerweit verschleppt hatten: Käfer und Co. gehörten ebenfalls zum festen Stammpersonal der weihnachtlichen Gesellschaft.

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In einem Jahr kreuzte ein großes Rudel Rehe unseren Weg. Zehn und mehr Tiere waren es, die – ohne uns zu bemerken – von einem Waldstück ins andere wechselten. Im nächsten knirschte die dicke Schneedecke unter den Hufen von Pferden, deren Reiter in heiterer Stimmung grüßten. Auch bei Regen zogen wir los, wenngleich weniger gut gelaunt.

 

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Bock und Reh Kopie

Weihnachten – das ist Familie und Tradition. Ein festlich gedeckter Tisch, ein geschmücktes Heim, das sind das gute Hemd und die festliche Bluse, das ist ein ganz besonderer Abend im Einerlei der Zeit. Einer, an dem man an die Menschen denkt, die über die Zeit verloren gingen. An alle die, die nicht mehr dabei sein können. Weihnachten – das ist die Lust, denen die man liebt eine Freude zu bereiten. Weihnachten ist die Zeit, in der die Zeit inne hält. Weihnachten ist wunderbare Erinnerung an Kindertage. An die Eisenbahn vom Nachbarjungen. An die Unmöglichkeit, das Auto in der Carrerabahn in der Spur zu halten. Weihnachten, das sind Opas und Omas, Laternen aus Pappe mit Farben aus gläsernem Papier. Weihnachten, das sind flache Engel aus Gold, die von Zauberhand an Dimension gewannen. Weihnachten, das ist Geflügelsalat. Und Hering in der großen Stadt auf dem Balkon. Weihnachten ist Blockflöte, mehr schlecht als recht. Weihnachten, das ist Parammpammmpammmpamm. Und für jeden Menschen etwas anderes, etwas Eigenes.

 

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BlattwerkFrost

Zum zweiten Mal in all den Jahren bin ich nicht bei meinen Eltern im Schwäbischen. Das fällt mir so schwer, wie mir das seltene Nichtstun dieser Tage im Wolfsnest gut tut. Aber eins, das hab ich mir heut ganz fest vorgenommen: Im nächsten Jahr geht es mit dem Vater wieder ins Moos. Und ich möchte meine Mutter hören, wenn sie durchs Haus läuft, alles festlich schmückt und dabei summt: Parammpammmpammmmm.

 

 

Euch allen ein schönes und frohes Weihnachtsfest.
Was auch immer es für euch bedeutet, es soll genau das sein.

Und meinen Eltern und meiner Schwester Silke von dieser Stelle:
Ich bin trotzdem bei euch heut Abend ❤

Frohe Weihnachten.
Parammpammmpammmpamm.

 

SalbeiFrost

LärcheZapfenGold

PauleImSchnee

Himmelsleuchten

RotKugeln

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Baumsilhouette

 

 

 

6 Kommentare zu “Parammpammmpammmpamm. #weihnachten #merrychristmas

  1. Ja, so ist es, irgendwie, oder anders aber gefühlt ähnlich. Wir sind nachher bei meiner Ma zu schlesischer Weißwurst und die Schwiegermutter kommt auch hin, nachdem sie die erste Feier beim frisch ins Heim verzogenen dementen Gatten überstanden hat. Morgen dann familienfrei und übermorgen bei der Schwiegermutter mit Familie (und meiner Ma) … aber danach sind noch ein paar erholsame Tage, vielleicht mit Schnee? Alles Liebe, bine

  2. Liebes Kind,
    mit der Geschichte hast Du unseren Nerv getroffen. Es fällt uns schwer, auf Deine Anwesenheit zu verzichten. Aber in Gedanken sind wir heute Abend bei Euch im Wolfsnest.
    Mit Freude geht Vater ab Morgen in den Wald und sucht wieder nach Moosstellen für nächstes Jahr. Die Krippe steht, aber der grüne Teppich für die Hirten mit Anhang ist grau geworden und wartet auf den Frühling.
    In Gedanken bei Dir und Sönke, frohe Weihnachten und danke für die tolle Geschichte.
    In Liebe Deine Eltern

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