Vom Urvertrauen, dem Osterhasen und einer Kindheit ohne Helm … #ostern #familie #erinnerungen

Aufgeschlagene Knie und Ellenbogen, Schürf- und Platzwunden, Dornen und Holzsplitter in Händen und Füßen, Gehirnerschütterungen und Verstauchungen – im Nachhinein nimmt es Wunder, dass meine Schwester Silke und ich unsere Kindertage überlebt haben und heute voller glücklicher Erinnerungen darauf zurückblicken dürfen. Keine Protektoren, keine Helme, kein Ritalin – wir durften uns einfach draußen austoben. Wir durften schmutzig werden. Wir durften unsere Fähigkeiten ausprobieren und Kinder sein. Und wir durften an den Osterhasen glauben. Bis, ja bis zu jenem seltsamen Tag, als im Wald …

Es war ein bisschen unheimlich, ein bisschen geheimnisvoll, in jedem Fall aber unglaublich spannend und wir wussten: Würden wir ganz still sein, würden wir es schaffen nicht zu rufen, laut zu lachen oder uns – wie öfter – streiten, dann – ja dann – hätten wir wieder Glück und der so scheue und uns nie von Angesicht zu Angesicht in Erscheinung getretene Osterhase täte brav seine Arbeit. Die bestand darin, links und rechts von einem kleinen Trampelpfad im Wald, zwischen Kleingartenanlage, Mühlenbach und dem nächsten, etwas entfernt liegenderen Dorf Wellingen, Ostergeschenke für Silke und mich zu verstecken. Dieser Osterspaziergang gehörte zu den schönsten Wanderungen im Jahr (von denen es einige gab, die weitaus weniger süß verliefen).

Wenn ich heute darüber nachdenke, dann staune ich doch sehr, wie und dass es meinen Eltern gelungen ist, diese schöne Vorstellung vom Osterhasen (und vom Weihnachtsmann) so lange aufrecht zu halten. Ich erinnere nämlich, dass einige Kinder arg und sehr und laut daran zweifelten. Nicht so wir, weil das was unsere Eltern uns erzählten in Stein gehauenes Wahres war. Mochten die anderen erzählen, was sie mochten. Unser Vertrauen in das Wort von Vater und Mutter war unerschütterlich. Da hatte sich Meister Lampe genau den richtigen Leumund ausgesucht.

An diesem Tag gingen wir alle, einer nach dem anderen im Gänsemarsch, diesen schmalen Waldpfad längs. Es war still und die Spannung nahezu spürbar. Immer wieder blieben wir abrupt stehen, Mutter oder Vater legten bedeutsam den Finger an die Lippen, und wir lauschten. War da was? Hatte sich da was bewegt? Waren wir etwa schon an einem Nest vorbei gelaufen? Und dann sah es eine von uns beiden: Dort – ein farbiges Ei. Da – ein kleiner Schokohase. Wir waren dem Osterhasen auf der Spur, keine Frage. Nur, wo war der? Und – die alles entscheidende Frage: Woher konnte der wissen, wo wir entlang laufen würden?
Vermutlich haben wir unsere Eltern mit Fragen gelöchert und vermutlich haben sie so etwas wie Glück in unseren Augen leuchten sehen?
Plötzlich war mein Vater, bislang war er vorweg gegangen, verschwunden. Zweifel wurden laut. Wo war er hin? Würde er den Hasen nicht verjagen? Und – schließlich der Verdacht – es gibt ihn nicht, den Hasen. All das muss mit dem Vater zu tun haben und damit, dass er verschwunden ist.

Noch einmal, darauf besteht meine Erinnerung, waren um die nächste Biegung und in Anbetracht der wunderschönen Osternester, die da zwischen Grün und Blättern auf dem Waldboden versteckt auf uns warteten, alle Zweifel wie weggewischt. Ein letztes Mal sollte der Osterhase eines der großen Geheimnisse der Kindheit bleiben dürfen. Daran erinnere ich mich bis heute.

Ich weiß nicht, wie es meinen Eltern gelungen ist, uns so oft loszulassen. Ich weiß nicht, wie sie ihre Ängste und Sorgen überwunden haben. Wie sie es geschafft haben, uns eine Freiheit zu schenken, in der wir wachsen durften. In der wir ganz sicher Gefahr liefen, uns zu verletzten, vielleicht sogar in Lebensgefahr zu bringen. Ich weiß nicht, wie es ihnen gelungen ist, dieses Vertrauen zu schaffen, das ihr Wort vor so vieles andere gestellt hat. Ich weiß nur eines: Für diese Freiheit und für das große Geschenk, dass sie uns so lange Zeit haben einfach nur Kind sein lassen, bin ich bis heute dankbar.

Ich wünsche euch allen ein frohes Osterfest. Und uns allen, dass sich der Frühling von seiner schönen, wärmenden und leuchtenden Seite zeigen mag.

 

Frohe Ostern euch allen.
Und ganz besonders meinen lieben Eltern ❤


 

OsternEierimBaum

 

heike und silke

 

OsternAnemonenHimmel

 

OsternStilleben

 

OsternTulpen

 

LammIIVonUntenHF

 

OsternBlausternchen

 

Herbr001

 

OsternBlau

 

PelleGuckt002

 

OsternSchabrett

 

JohannisbeereWild2

 

TulpenDuoRotLicht

 

OsternVase

 

 

 

 

 

5 Kommentare zu “Vom Urvertrauen, dem Osterhasen und einer Kindheit ohne Helm … #ostern #familie #erinnerungen

  1. Bezaubernde Erinnerungen, die ich teile, liebe Heike. Wir haben uns beim Spaziergang so gefreut, wenn wir auf die bunten Eier stiessen, die mein Bruder wohl morgens dort versteckte…ob das heute noch jemanden hinterm Ofen vorlockt? Na, egal, für uns wars unvergesslich! Frohe Ostertage 🙂

  2. Sehr schön !
    So erinnerte ich mich heute: Wir wurden morgens gegen 4 Uhr geweckt. Dann ging es schweigend in Richtung eines Waldbaches. Dort wuschen wir unser Gesicht. Ab da durften wir wieder reden. Das Osterwasser sollte hübsch ( hübscher ) machen. Dieser Zauber gelang nur, wenn man es schaffte, seinen Mund zu halten. Wir nahmen Osterwasser mit und dann fingen die Glocken an zu läuten – eine Stunde lang.
    Herzlich , Angela

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s