„Wenn beide Eltern Enten sind, ein ganz normaler Fall, dann kriegen sie ein Entenkind und keine Nachtigall.“ #LandGlück #Laufenten

Ei? Und dann Ente?
Oder doch erst Ente und dann Ei?
Eindeutig – zuerst war das Ei. Jedenfalls bei uns im Schuppen, da hatte es gelegen. Vor etwas mehr als zwei Jahren.
Und dann war da gleich noch ein Ei und am Ende erst kam die Ente und setzte sich darauf. So hab ich es gesehen, so würde ich es beschwören, so kann es jedoch nicht gewesen sein. Denn schließlich: Woher sollte das Ei stammen, wenn nicht von der Ente? Wiederum: Woher kam die Ente, wenn nicht aus einem Ei?
Und weil die Frage nicht zu klären ist, gibt es wenigstens auf die nächste eine Antwort:
Die 10 Küken nämlich, die allesamt in der Nacht von 14. auf 15. Mai aus ihren Eiern schlüpften, sich von Schale und Haut befreiten und in die Kälte schlüpfen mussten, die stammen definitiv und in zweiter Linie aus dem einen Ei, aus dem einst Ente Pelle schlüpfte.

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EieiEiEiEi … Und wieder war es ein Wunder. Wie oft klopfen wir Eier in Speisen, köpfen sie zum Frühstück, essen sie in Lebensmitteln, in denen wir sie nicht einmal vermuten, betrachten sie als Nahrungsmittel und kaum mehr – und dann genügen da ein bisschen Wärme, ein bisschen Geduld und am Ende schlüpfen daraus kleine Wesen, plüschig, tschilpend, ungeschickt und schutzbedürftig.

Auf etwa 15 Eiern hatte Ente Pelle über 30 Tage lang gesessen und das mit einer nahezu unerschütterlichen Ausdauer und Geduld und getrennt vom Garten und vom Gatten, denn die Stalltüre blieb zu ihrem Schutz geschlossen. Einmal am Tag kündigte sie laut an, dass sie raus will. Und das durfte sie dann auch. Im Stechschritt und begleitet von Erpel Paule flitze sie die Stationen ihrer üblichen Runde ab. Rasch zum Graben, über Uwes Wiese, den Weg hinauf zum großen Graben, einmal baden, paddeln, tauchen, die Böschung hoch, über Nachbars Wiese wieder zurück – plopp – aufs Gelege.

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Weil ich mit brütenden Enten wenig bis keine Erfahrung habe, hatte ich versäumt, die Eier zu nummerieren. Und auch sonst war ich eher an Pelle und ihren offensichtlichen Bedürfnissen orientiert als an dem, was man so in Foren und Büchern zum Thema lesen kann. Pelle hatte es warm, zwischen „Bergen“ von Heu und Stroh, sie konnte wählen zwischen Entenhaus und „Offenstall“ und sie hatte stets genügend Wasser in Reichweite, um sich das Gefieder zu putzen bzw. um ganz untertauchen zu können. Das leuchtet ein, denn für ein gut isolierendes Federkleid ist es notwendig, dass die Federn gesäubert und gefettet sind.

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Inzwischen sind die kleinen Küken knapp 14 Tage alt und unglaublich gewachsen. An der Körperform ist deutlich zu sehen, dass es sich um Laufenten handelt. Noch immer suchen sie, wie von Anfang an und instinktiv, Schutz und Wärme unter Mutters Federkleid. Und die schafft es tatsächlich, die ganze Bande unter ihren Schwingen zu parken und zu betüddeln. Dabei nimmt sie eine Art Sitzhocke ein, die alles andere wirkt als entspannt.

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Die Küken bewegen sich durchs Gehege wie eine gelb-schwarze, plüschige Federboa, wobei man zwar freimütig vom Schwarm aber eher weniger von dessen gepriesener Intelligenz sprechen darf. Zwei wesentliche Dinge treiben die Küken an: Neugierde. Und Todesangst. Und meist trifft das eine auf das andere und dann entsteht ein wahrer Tumult. Sie scheinen auch nicht in der Lage, simple Zusammenhänge zu erkennen, wobei sie da ihren Alten im Grunde in nichts nachstehen. Es kann also durchaus passieren, dass ein Küken SOS funkt (das klingt ziemlich laut und geht durch Mark und Bein). Dass es ertrinkt, brüllt es. Und dass es nicht raus kann aus dem riesigen Meer. Und dass weit und breit niemand zu Hilfe eilt. Dabei paddelt es wie verrückt auf der Stelle. Es tschilpt und die kleinen Äuglein drohen vor Stress aus den Augenhöhlen zu treten, währenddessen keine drei Zentimeter daneben der kleine Bruder auf dem Steg hockt und ab und an – und ganz, ganz, ganz, ganz leise tschilpt: „Hey, Schreihals. Hier, hier gehts doch raus, du Dösbaddel.“

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Zweimal pro Tag gibt es Menue 1 ohne Suppe und ohne Frühlingsrolle. Menue 1 besteht für gewöhnlich aus Buchstabennudeln (weil winzig), Dosenmais, Entenkorn, einer halben Dose Katzenfutter, und einem Viertel Eisbergsalat, winzig geschnibbelt oder Grünzeugs wie Löwenzahn, Giersch und Co., ebenfalls klein geschnitten. An manchen Tagen gibts zerdrückte (überreife) Bananen dazu oder das, was sonst so an Resten aus der Gemüse- und Obstküche anfällt.

Die Fütterung selbst läuft unter Raubtieren weitaus disziplinierter, als unter Entenküken. Jedes Mal stelle ich mir vor, 10 Löwen würden in einen Napf springen, im Fleisch baden, übereinander purzeln, mit großen Brocken im Maul durch den Stall rasen, dabei die Geschwister an der Backe hängend, die versuchen die Beute weg zu schnappen. Und am Ende einer Fütterung säßen im Gehege 10 über und über mit Blut und Fleisch panierte Raubkatzen, satt und zufrieden. So in der Art läuft das jedenfalls bei den Küken und weil manche von ihnen überdies auch noch wasserscheu sind, sehen sie so „verwohnt“ aus, wie mancher Flokati unterm Esstisch.

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Nach dem Füttern ist vor dem Füttern und dazwischen wird geschnäbelt, Sand gefressen, gebadet und getschilpt. Man liegt in der Sonne, blinzelt das Leben an, rennt im Schwarm und weiß nicht wohin und schon gar nicht warum. Und man wächst… Und wächst … Und dreht dem Vater einen langen Schnabel – denn für Paule ist die Kinderstube tabu. Das Risiko, dass er – vielleicht einfach weil zu grobmotorisch und ohne böse Absicht – eines der Kleinen tötet, war und ist mir einfach zu groß. Dabei ist er – zumindest aus der Ferne – ein vorbildlicher Vater, der seine Ente und seine 10 kleinen Plüschbomben kaum aus den Augen lässt.

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Zusammengefasst:
Als Pelle vor zwei Jahren schlüpfte, bin ich vor Freude und Übermut im wahrsten Sinne des Wortes auf die Schnauze gefallen. Den Freiflug hab ich mir diesmal erspart. Aber es war und ist ein ganz wunderschönes Erlebnis, den Weg vom Ei bis zu Ente miterleben zu dürfen. Dass es sogar 10 kleine Wesen sind, denen ich dabei zusehen darf, das ist wunderschön. Auch wenn die Enten summa summarum nicht die zu den hellsten Lichtern am Sternenhimmel gehören, ihr instinktives Verhalten ist bewundernswert, es ist erstaunlich und es ist immer wieder auch verblüffend.

Bilder von heute, 30. Mai 2015.
Es ist deutlich zu sehen, wie sehr die Kleinen innerhalb von 14 Tagen gewachsen sind.

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„Wenn beide Eltern Enten sind,
ein ganz normaler Fall,
dann kriegen sie ein Entenkind
und keine Nachtigall.

(Frantz Wittkamp aus „Alle Tage ein Gedicht“)

13 Kommentare zu “„Wenn beide Eltern Enten sind, ein ganz normaler Fall, dann kriegen sie ein Entenkind und keine Nachtigall.“ #LandGlück #Laufenten

  1. Wie wunderbar du schreibst! Und die herrlichen Fotos…. Ich schreibe auch dann und wann und ich gebe dir nun das Kompliment für mein bedeutend schlichteres aber immer gut gemeintes Geschreibsel weiter. Sie sagte mir einmal: Du schreibst den Menschen mitten hinein ins Herz hinein! Und genau so empfinde ich es bei dir! Immer wieder mein großer Dank!

  2. Vielen, vielen Dank für deinen wunderschönen Bericht ( das mit dem Ei aufschlagen macht wirklich nachdenklich ) und die einfach umwerfend schönen Fotos ! Noch viel Freude mit deiner bezaubernden Entenfamilie. Viele Grüsse von Anja

  3. Sind die süß! Obwohl das vierte Bild von unten auf eine militaristische Erziehung schließen läßt – im Gleichschritt marsch!
    Zwar singt die Nachtigall sehr gut,
    dieweil die Ente quackelt –
    doch süßer ist die Entenbrut,
    wenn sie am Ufer wackelt!

  4. Bei meinen Enten gibt es -da Halbgeschwister- Verhütung per Pfanne oder Kuchen. Danke, daß ich mir Deinen Nachwuchs aus der Ferne „ausleihen“ kann – wenn ich sehe, was für Bruchpiloten erwachsene Laufenten sind, kann ich mir lebhaft den purzelnden Kindergarten vorstellen 😀 .

    • Verhütung per Pfanne – da musste ich jetzt nachdenken 😀 Schmecken denn die Eier? Ich hab bislang nicht ein einziges probiert. Keine Ahnung weshalb, vielleicht weil Pelle aus einem davon schlüpfte? 🙂

      • Die Eier schmecken nach … Eier 🙂 Perfekt für Kuchen übrigens!! Und da Pelle nun mal gar nicht jedes davon ausbrüten mag und kann und trotzdem legt, warum nicht essen? Wenn schon, denn schon! oder isst du auch keine Hühnereier? So weißt du wenigstens, dass es den legenden Viehchern gut geht 🙂 Wie mir jetzt auch nach dem zweiten Lesen und Schauen. Tut so gut nach einem langen und nicht so schönen Tag. Da bauen mich die kleinen Dreckwürschtel und deine Sicht auf die Dinge, sehr auf! Danke ❤

      • *lach*
        Die Laufenten wurden ja quasi erfunden fürs Eierlegen. Die ganze Energie des Futters geht in die Eier“produktion“. Schneckenjagd ist nur eine neumodische Verwendung – auch, weil die Eier dank schlechter Hygiene in der Vergangenheit (für die aber die Ente nichts kann) mit einer Typhusepidemie in Verbindung gebracht wurden – und weil heutzutage nur nach Schönheit gezüchtet oder nach Zufall vermehrt wird, ist die Legeleistung zurückgegangen. Wenn Du Lust hast, google mal nach „Campbell-Ente“, die soll in ihren Glanzzeiten fast ein Huhn ersetzt haben von der Legeleistung her.

  5. Pingback: Sonntagsleserin Mai 2015 | buchpost

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