Ode an die Ente – tschüss, kleine Pelle.

Am Tag, als du aus deinem Ei geschlüpft bist, bin ich – vor Freude total aus dem Häuschen – übel auf die Nase gefallen.
Du warst keine Wunschente, nein – vielmehr ein Zufallsgeschöpf, heimlich im Stall abgelegt, einsam gebrütet und von deiner Mutter gegen alle Welt verteidigt. Auch gegen mich.
Deinen Bruder hat sich noch am selben Tag ein kleiner Räuber geholt, deine Mutter musste zurück auf ihren Hof und du bist in einem blauen Regenfass gelandet, und durftest, unter eine Wärmelampe gepackt, mit ins Schlafzimmer.
Ehrlich gesagt warst du von Anfang ein echter Nervtöter. Dein Getschiepe, deine ständigen Panikattacken, deine unkontrollierten Bewegungen und Hungeranfälle – ne Pelle, einfach war das mit dir nicht. Du hast mir beigebracht, dass Enten zwischen Tisch, Toilette und Bett nicht groß unterscheiden und oft genug wusste ich nicht, frisst du jetzt aus deinem Klo oder schläfst du in deinem Frühstück oder setzt du deinen Schiet in dein Bett. Aber es musste ja auch dir gefallen und nicht mir, und diesen einzigartigen Geruchsmix aus kleiner Ente mit Hackfleisch, Haferflocken, Heu, Wasser und Schietdreck werde ich nie mehr vergessen.

Dann waren unsere ersten Ausflüge zu Fuß an der Reihe. Dass ich nicht Konrad Lorenz bin, war uns beiden klar. Aber dass du so gar nichts von den Graugänsen hattest, das hat mich schon herb enttäuscht. Die einzige Prägung – falls man davon überhaupt sprechen kann – war jene, beim Anblick von uns Menschen (oder allem anderen, das sich bewegt) in Panik auszubrechen. Meine Güte hat das gedauert, bis du meine alten Gartenlatschen adoptiert hattest, um zu jeder und bevorzugt zu jeder unpassenden Gelegenheit darauf Platz zu nehmen.

Schwimmen – man sollte eigentlich meinen, dass Enten gerne schwimmen. Nicht so du. Auch hier ein Geziere und Gezeter und irgendwann dann, mit Entenflott im Schopf, endlich die ersten zaghaften Versuche und siehe da, mein Entchen schwomm auf dem See, Köpfchen im Wasser und Schwänzchen in der Höh.

Und da kam auch schon Paule zu uns. Ja, heut kann ichs dir ja sagen, ich fand ihn auch nicht schön. Jedenfalls nicht auf Anhieb. Ich hab dich da schon verstanden. Der lief nicht rund, war völlig zerzaust und überdies ganz schön schmutzig, sogar für deine Verhältnisse. Aber: Du warst nicht mehr allein. Und endlich war Schluss mit dem Leben im Fass. (Und meinen Nächten, Seite an Seite mit einer Ente.)
Der Mann hat ein Gehege gebaut, sicher wie Alcatraz, groß wie ein Gartenhaus und ohne Rücksicht auf die Kosten. Pelle, was war ich froh, als Paule und du dort eingezogen seid. Eine wunderschöne Zeit sollte beginnen. Für euch. Und für mich auch. Ich hab euch in allen Lebenslagen fotografiert. Euch beim Schwimmen und Tauchen, beim Fressen und Schnäbeln, beim Turteln und Blödeln erwischt. Deine ersten Eier lagen im Heu, ich hab sie gemopst und heimlich gegen Golfbälle vertauscht. Gibs zu – du hast es nie bemerkt. Und irgendwann hab ich dir die Eier dann einfach gelassen und du hast aus ihnen zehn kleine Schnäbel gezaubert, die wir gemeinsam großgezogen haben. Mensch Pelle, alle Zehne – nicht eins ist uns verschütt gegangen. Das war schon eine Leistung, soviel steht fest.
Ich weiß, es hat dir nicht sehr gut gefallen, aber 12 waren einfach 10 zu viel. Und hey – mal unter uns – dir auch, ich habs gemerkt. Die Ruhe nach diesem Sturm haben alle genossen. Und am meisten hat sich Paule gefreut.

Ach Pelle, du warst mein erstes Ententier. Ich fand dich süß, du bist mir auf den Keks gegangen. Mensch hast du uns genervt, morgens um Vier mit deinem Naaaknaaaaaknaaaaaaanaaaak. Ich hab dich bewundert, über dich gestaunt, ich hab dich gejagt, gefangen und beschützt, versorgt und ja – auch verwöhnt. Als Paule heut allein nach Hause kam, da hab ich es sofort gewusst. Und ich musste nicht lang nach dir suchen. Wie ein urzeitliches Wesen in Bernstein gegossen – so hab ich dich im Eis gefunden. Wir haben Schwimmen geübt und Tauchen auch, doch nie bei Eis und Kälte. Ach Pelle, es tut mir so leid.

Du hast das letzte Wort: Dein blödes Naaaanaaaaknaaaaaak – wir werden es nie vergessen.
Mach es gut, du olles Ententier. Und vergiss nicht:

 

Wenn beide Eltern Enten sind, ein ganz normaler Fall,
dann kriegen sie ein Entenkind und keine Nachtigall.

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Das große Fressen

 

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Pellenochnäher

 

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Pelle 8 Tag

 

Pelle 6 Tag

 

Pelle 5 Tag

 

Pelle Tag 3

 

Pelle Tag 1 auf Elch

 

Pelle tag 1

 

PelleSpitzentanz

 

 

 

Tschüss, liebe Pelle.
Danke, dass du bei uns warst.

Entengruss

 

 

15 Kommentare zu “Ode an die Ente – tschüss, kleine Pelle.

  1. Was für ein wunderbarer Nachruf auf ein allerliebstes Lebewesen. Ich bin zwar nicht allerliebst, aber wenn ich mir wünschen dürfte, wer meinen verfasst…tja, dann wärst du die erste Wahl. Meine Gedanken sind bei euch ❤

  2. Wie traurig ! Aber bestimmt ist Pelle bis jetzt die einzige Ente auf der ganzen Welt , die so einen lesenswerten, liebevollen Nachruf mit solch wunderschönen Fotos bekommen hat. Unvergesslich ! Danke dafür ❤ ! Viele Grüsse von Anja

  3. Schade, schade … wäre Pelle ein rheinische Ente gewesen, hätte ihr das nicht passieren können. Schnee und Eis hatten wir hier schon lange nicht mehr.
    Trotzdem: Könnte Pelle das lesen und hätte sie auch nur einen Funken Wortverstand, wäre sie sicher sehr zufrieden mit deinem berührenden Nachruf.

    Ich fühle mit dir und hoffe, dass Paul nicht allein bleiben muss …

    Liebe Grüße
    Jana

    • Vielen Dank für den netten Kommentar. Ja, in Zeiten wie diesen um eine Ente zu trauern, das ist das fühlt sich richtig an. Alles andere macht irre 🙂
      Paul hat übrigens inzwischen eine neue Freundin gefunden, sie heißt Lina und findet es – glaube ich – ganz nett bei uns.

    • Liebe Muschelfinderin, anstelle von Pelle hält inzwischen Ente Lina den Haushalt in Schwung mit ihrem Naaaaaak-naaaaaaak-naaaaaak. Und sechs kleine und vergangene Woche geschlüpfte Entenküken sorgen für sehr viel Heiterkeit 🙂

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