Ich hab ja immer ein bisschen müde gelächelt bei dem Sprüchlein mit der Gelassenheit, wonach man hinzunehmen habe, was man eh nicht ändern kann und nur dort aufzubegehren habe, wo was gehen kann …

Tja, und nun bin ich über Nacht ein echter Fan dieser Idee, mich nicht aufzureiben am Konjunktivischen und stattdessen das Beste aus der Situation zu machen.
„Nüschanüscht. Muscha man“, wie Nachbar Schulz zu sagen pflegt.
Leider (leider) gehört zum neuen Mut zur Gelassenheit auch, dass es mir bislang an Energien und Überzeugung fehlt, den Garten auf Vordermann zu bringen.
Stattdessen spiele ich ausgiebig mit dem Babykatz und fahre mit dem Mann durch’s schöne Schleswig-Holstein. Wir sind beide seit Jahren selbstständig. Und der letzte Urlaub ist Jahre her. Und die Zeit, gemeinsam etwas unternehmen zu können, bislang begrenzt gewesen, denn dann, wenn andere Urlaub machen, ist der Mann besonders gefragt und in meinem Job fragt auch niemand nach Wochenend und Feiertag.

Nie war ich so froh, auf dem Land zu leben, wie in diesen Tagen. Ich geb’s gern zu – ein bisschen auf Abstand zu anderen gegangen zu sein über die Zeit – es zahlt sich in pandemischen Zeiten aus.
Ja, ein bisschen erscheint es mir gar so, als habe ich mein ganzes Leben darauf hingearbeitet, während einer Pandemie vergleichsweise wenig vermissen zu müssen.
Und nie war mir – bei gleichzeitiger Antriebslosigkeit – der Garten so wichtig, wie jetzt.
Überhaupt: Nach draußen gehen zu können, atmen zu dürfen, die Wäsche an die Leine zwischen den Koniferen hängen zu können, dem Kraut und dem Unkraut beim Wachsen zuzusehen, mich auf den Rhabarber zu freuen (der wächst auch ohne Liebe), den Hennen die Eier zu stibitzen, der einen Katz beim Wachsen und der anderen beim Mausen & Meckern zuzusehen – all das tut so gut. Tut einmal mehr so gut nach Jahren, in denen ich mich mitten in meinem persönlichen Idyll intensiv mit der Hölle anderer Menschen befasse.

Allein was fehlt und was durch nichts zu beschönigen ist:
Der Mensch.
Meine Eltern, meine Schwester. Die Schwiegermama. Familie. Freunde.
Gemeinschaft, die Freude macht.

Und – natürlich! – die Freiheit, auch die Dinge tun zu dürfen, die jetzt verboten sind und die sonst auch nicht fehlen.

Ich lad euch ein auf einen Spaziergang durch den Frühling auf dem Land. Durch den Garten. Nach Ostholstein. Über die Wilstermarsch. Und wieder zurück.

Bleibt gesund. Und habt es gut!

(Mit Klick auf Bild 1 gelangt man zur Originalgröße.)

4 thoughts

  1. Sehr schön! Aber wo bleibt denn ein Bericht samt Foto zu der neuen Babykatze???? Das muss aber bitte nachgeholt werden ;o))

  2. Gleich das erste Ackerbild ist meine Natur pur, könnte bei uns sein. Ich genieße (trau mich kaum, es zu tippen) das Ganze auch ziemlich. Das wird natürlich davon begünstigt, daß wir als DINKS mit selbständigem Mann der weiter ins Büro fährt und mir ITgirl in krisensicherer kritischer Infrastruktur im Homeoffice mit 2/3-Stelle und freiem Mittwoch (was ich mir zur Sicherung der eigenen Gesundheit seit einier Zeit einfach gönne) das Geld nicht knapp wird. Das sieht für viele andere Leute ganz anders aus. Ich bin mir dieses Luxus voll bewußt. Aber alleine die gute Stunde Fahr-=nunFrei-Zeit täglich ist Gold wert! Mittags raus in den Garten statt in die Kantine (auch wenn die sehr gut ist!) – himmlisch. Keine Kommunikation mit Leuten fällt mir so wenig schwer, das glaubt mir keiner der mich life kennt 😀
    Alles Gute Euch und daß Willi sich mit dem kleinen Wirbelwind endlich freundschaftlich arrangiert. Unsere Paula hat es mit dem Hund ja auch geschafft (Mika und Willi ist der recht schnurz bis Freund, aber sie wollte ihn eigentlich lieber verjagen als er Asyl brauchte)!

  3. Liebe Heike, wie schön immer wieder deine Fotos sind, zumal ich weiß, welch toller Mensch dahinter steht, die sie gemacht hat! Oft werde ich durch diese für mich durchaus ergreifenden Bilder an meine Kindheit erinnert, wo die Welt, wie bei vielen von uns, noch relativ in Ordnung zu sein schien. Doch kam – ebenso wahrscheinlich bei vielen von uns ziemlich schnell die schrecklich-eiskalte Dusche, dass nichts so war, wir wir es empfanden. Keinen Menschen will ich hier mit meinem Denken und Fühlen darin einklammern, ich selbst zumindest empfand und empfinde es so. Durch diese Fotos von dir, die ich ja auch durch deine wunderbaren Jahreskalender kennengelernt habe – nicht zuletzt – erinnere ich zutiefst, wie sehr mir damals mein direkter und meistens heimlicher Kontakt zur Natur geholfen hat, mit all der Unbill und den Lügen um mich herum, die ich damals durchaus schon als Kleinkind gespürt habe und auch umsonst nachfragte, klar zu kommen. Um dann mit diesem Gefühlsunbehagen weiter leben zu können, ungeklärt auf nimmer, damals gefühlt. Doch mit der Natur war ich eins, konnte es sein, sie ließ es zu. Und du hiermit erneut – so empfinde ich fast jedes einzelne Bild von dir, zusätzlich zum normalen tiefsten Wohlgefallen meinerseits. Ich persönlich empfinde es als wohltuend, dass es dich gibt. Nicht nur, aber auch deshalb!

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