Aus meinem Schreibtisch ist eine Landebahn geworden, die in einer Art Touchdown kurz touchiert wird, um dann durchzustarten und im Freiflug durchs Haus fortzufahren.
Der Duschvorhang ist perforiert, als hätten wie ihn mit Luftlöchern versehen, um beim Duschen nicht zu ersticken.
Was in den gelben Sack rein wandert, wandert konsequent wieder raus und wird in einer Art Produktcheck auf Bekömmlichkeit, Bespielbarkeit und Reißfestigkeit unterzogen.
Aus der Gästematratze, die im Rumpelzimmer hochkant an der Wand lehnt, ist eine Freeclimbing-Wand geworden, die mittlerweile in zwei, drei beherzten und perfekt sitzenden Griffen erklommen und aus 2 Meter 10 Höhe verteidigt wird.
Fliegende Tassen, stürzende Flaschen, kippende Vasen, rotierende Bürostühle und perforierte Kabel zeugen von seiner Vitalität, seinem jugendlichen Temperament und seiner unerschöpflichen Energie – ja, Maxe ist bei uns eingezogen und seither geht es täglich rund.

Der kleine Kerl, der seinen Namen eigentlich nur auf dem Papier trägt, und von uns – jeweils der Situation angemessen – als Rocker, kleines Mopsgesicht, Eierköpfchen, Racker und in seinen (wenigen) friedlichen Momenten auch schonmal Schpatzerl, Schnucki, Äffchen oder Schbäckchen genannt wird, hält das Wolfsnest in Atem.

Maxe ist knapp 8 Wochen bei uns, hat sein Gewicht verdoppelt, ist mindestens um das Eineinhalbfache gewachsen und jeden Tag für eine Überraschung gut.
Wofür ich eine Kiste Katzenspielzeug gekauft, wissen wir auch nicht mehr. Weil: Alles andere ist interessanter, als das Zeugs, das was kostet.
Ein Streifen Papier, ein Stückchen Korken, ein Fetzen Stoff, eine lose Feder – stundenlang kann er sich damit verweilen, indem er das Zeugs vor sich selbst versteckt und es dann ewig und eins und gänzlich ahnungslos wieder sucht.
Ganz zu schweigen von meiner alten Tastatur, der alten Tastatur von S. und meiner neuen Tastatur – alle drei Opfer umstürzender Gläser und Tassen, oder den USB-Anschlüssen, die aus Katzensicht so unwiderstehlich sind, wie für mich Karamell-Eis zum Spielfilm.

Ach ja, wer hätte das gedacht, dass nach dem bräsig-braven Kater Jim, dem schüchtern-schmusigen Kater Sam, dem behäbig-verpennten Lieblings-Kallekatz und der verpeilt-verpuzzelten Willy mal so ein echter, gänzlich unbedarfter Wirbelwind im Wolfsnest landet.

Aprops verpeilt: Natürlich versuchen wir seit Wochen vergeblich, Willy mit dem Kleinen zu verlieben. Sie hat einfach! keinen! Bock! auf dieses Viech, das ständig irgendwo oben hockt, und mit seiner kindischen Frisur einen auf harmlos macht. Egal was wir auch tun (oder lassen): Willy faucht. Willy jagt ihn. Und Maxe flüchtet.

Mal schaun, vielleicht wird das ja noch? Oder es wird eben nie und dann kommen wir damit auch klar. Platz genug ist, einander aus dem Weg zu gehen. Und wenn die beiden schon keine Freunde werden, dann schließen sie vielleicht wenigstens Waffenstillstand und lassen einander in Ruh.

Wir jedenfalls können es kaum erwarten, bis der kesse kleine Rocker nach draußen darf. Wo er all seine Energien an den unzähligen Mauslöchern loswerden kann. Und wo er sich müde spielen darf zwischen Hühnern und Fasanen, Koniferen und Apfelbaum.

Und bis dahin halten wir uns das japanische Sprichwort:

Statt die Katze zu verjagen, stell den Teller weg.

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3 thoughts

  1. Das waren dann die Momente, in denen wir daran gedacht haben, beim nächsten Mal ein älteres Tier aus dem Tierheim aufzunehmen … Danke für die herrliche Teilhabe!

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