… das hat angeblich der amerikanische Philosoph und Schriftsteller Ralph Waldo Emerson erkannt und ganz in seinem Sinne habe ich mir in diesem Jahr auch reichlich Zeit gelassen, den vermeintlichen Vorzügen des von mir salopp als „Unkraut“ bezeichneten Gartengrüns auf die Schliche kommen zu wollen.
Freilich hab ich schon geahnt, dass man im guten Willen, im Argen auch das Angenehme sehen zu wollen, am Ende selbst den in Scharen anrückenden Nacktschnecken etwas Positives abgewinnen kann, wenn man sich denn zwingt, aber:
Mir war natürlich schon klar, dass ich noch so lange warten kann, Vogelmiere, Giersch, Springkraut, Disteln, Quecke, Brennnesseln and last and least Hahnenfuß sind nach meiner Wertschätzung ganz einfach nur eins und das ist unglaublich lästig, überflüssig und ein schier unerschöpflicher Quell sinnlos im Garten verbrachter Zeit, die ich weitaus lieber mit Pflanzen, Schneiden, Hegen und Pflegen verbringen würde.

Seit etwa 12 Jahren wächst mein Stückchen Garten Jahr um Jahr und ich mit ihm, was Wissen und Können angeht. Frei nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ hab ich reihenweise Schattenpflanzen an den Sonnenschein vergeudet und umgekehrt. Oder was es gerne trocken mag im Feuchten und was es gern nass mag im Trockenen gepflanzt.
Es gehört halt zu mir: Bedienungshandbücher und – ja – auch Gartenratgeber – sind was für Langweiler und Streber, find ich. Da quäl ich mich und alle(s) in meiner Umgebung doch lieber von Herzen durch den Lernprozess hindurch, am Ende vielleicht doch besser das eine oder andere Mal nachgeschlagen zu haben.
Jedenfalls heute und nach so langer Zeit darf ich doch Garten nennen, was anfangs ein Fleckchen Land für Selbstversuche gewesen ist, und demzufolge ist auch mit pünktlicher Arbeit verbunden, was einmal ein Blütenmeer werden soll.
Und das hat heuer so gar nicht geklappt.
Ich weiß nicht, woran es gelegen haben mag? An Corona? Der langen Kälte? Meiner Müdigkeit? Oder am Ende gar an allem zusammen? Jedenfalls war Ende Mai im Garten mehr vom verflixten Unkrautvolk zu sehen als von allem anderen.

Mein Boden ist schwer. Wir leben in der Marsch. Und manchmal treffe ich beim Graben auch auf Torf oder den Hausrat meiner Vorgängerin. Ab Ende Oktober/Mitte November ist jeder Schritt auf dem Land einer zuviel. Der Boden wird komprimiert und das Wasser staut sich und fließt nicht mehr ab. Zwischen November und Mai haben also dummer Weise genau die Pflanzen freie Bahn, deren Vorzüge sich mir nie erschließen werden.
Oder anders gesagt: Das Unkraut wächst. Und wächst. Und wächst.

Und – ehrlich – noch nie fiel es mir so schwer, den Garten auf Vordermann zu bringen, wie in diesem Jahr, und zum ersten Mal hab ich richtig verstanden, dass es nicht darum geht, möglichst viel zu pflanzen. Sondern darum, jedem einzelnen grünen Geschöpf die erforderliche Sorgfalt zu widmen.
Schubkarrenweise landete das ganze Unkraut-Zeugs auf dem Kompost und der Vorschlag meines Mannes, doch alles mit Beton auszugießen und der Einfachheit halber grün anzumalen, den leg ich vorerst noch einmal auf Eis.
(Aber psssst: Ohne seine Hilfe in diesem Jahr wäre seine Betonidee durchaus eine Überlegung wert. Aber das verrat ich ihm nie.)

Pünktlich also zu dem, was meinen Garten ausmacht, nämlich zur Blüte der Rosen, war ich mit allen Beeten durch und so zufrieden und glücklich, wie lange nicht.
Frei nach Susanne Wiborg: „Das ist ja das Erhebende an der Gartenarbeit: Ich vergaß Zeit, Raum und Steuererklärung. Im Hier und Jetzt gab es nur noch mich und diesen verdammten Liguster”.

Ob ich in den nächsten 12 Jahren weiter expandiere, das weiß ich noch nicht. Aber eins hab ich mir geschworen: So lang so faul werd ich im Garten nie wieder sein. Das rächt sich wirklich. Hat das Zeugs erstmal Fuß gefasst, arbeitet man sich definitiv daran ab.

Von ca. 60 Sorten Rosen (Hab ich schonmal erwähnt, dass ich Rosen ja eigentlich nicht so mag?) blühen inzwischen die meisten. Die einen sind fast schon verblüht (Maigold und Wildstrauchrosen), die anderen stehen in voller Blüte (Rambler- und Kletterosen) und die Strauch- und Beetrosen, die brauchen noch.
Wunderschön im Augenblick: Die vollen Blätter der Funkien, sämtliche Sorten Storchschnabel, meine Kletterkönigin Paul Transen, deren teilweise 4 Meter lange Ausleger in den Holunder wachsen und von dort über’s Blechdach der Holzkörbe fallen, wunderschön auch die Pfingstrosen und Astrantia. Und das Meer von Fingerhüten, die sich selbst aussäen dürfen.

Dazwischen immer wieder Willy, die Maxe jagt. Und Pony Thora, die in diesem Jahr ein Pferdemädchen hat.

Viel Spaß mit den aktuellen Fotos der vergangenen Woche. (Wie immer: Für die große Ansicht bitte einfach auf eins der Fotos klicken.)


One thought

  1. Daß es bei Dir dieses Jahr so gar nicht recht blühen will – sieht man sofort 😂
    Welche Kälte? Welche Nacktschnecken? Hatten wir nicht und haben wir (hoffentlich bereue ich das nicht) nicht, in diesem – zum 3.Mal in Folge heißen und trockenen – Jahr.
    Daß Vogelmiere Brennnessel und der Guersch gesund sind und wunderbare grüne smoothies geben brauch ich Dur ja nicht (nochmal) zu sagen😉
    Schön habt Ihr‘s 😊 und ich fluch auch manchmal aber möchte meinen Garten doch um nix in der Welt missen 💚🍀

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