Schicht im Schacht

Gestern Abend kam der Rocker nicht nachhause. Also haben wir ihn gesucht.
Stundenlang im eisigen Sturm, mit Taschenlampen und in allen Gräben, Ställen, Gebüschen und Winkeln, die hier auf dem platten Land zu finden sind.

Kein Maxe, egal wie laut und eindringlich ich rief und pfiff.

Mit eiskalten Fingern hab ich Nachrichten an die Nachbarn getippt, dass der Bursche fehlt und ob sie nachschauen könnten, auch in den Lebendfallen, die da für Füchse und Marder stehen.

Um halb 2 fielen wir erschöpft und völlig durchfroren ins Bett, die Haustür blieb einen Spalt offen, für den besten Fall … Der Winter zog ein im Haus, aber der Kater blieb fern.

Die halbe Nacht hab ich damit verbracht, in den Sturm zu horchen. Und wieder auf 37 Grad zu kommen. Und heut früh, kurz nach 7, sind wir wieder los.

Mein Mann mit dem Auto, ich zu Fuß die Gräben längs. Wo ich schließlich unterm dicken Eis einen langen weißen Körper sah und einen dichten dunklen Schweif. Oder das, was ich dafür hielt. Bis der Mann kam, um mit dem Stiefel das Eis einzutreten und das „Bild“ vom toten Tier unter der Eisschicht aufzulösen in schiere Erleichterung.

Dann haben wir uns wieder getrennt, um den Keks an anderer Stelle zu suchen.

Bis schließlich der Ruf über die Marsch gellte: „Ich habe ihn gefunden!“
Und dann sah ich meinen Mann, wie er allein zum Haus zurück kam. Und das Herz blieb mir stehen. Und gleich noch einmal dann, als der kleine Bursche aus dem Gebüsch sprang und ins Haus rannte, als habe ihn der Blitz getroffen.

5 Minuten später klingelte das Telefon. Die Nachbarin war dran.
Ja, der ist bei uns gewesen.
Ja, der war in der Falle über Nacht.
Er ist ein bisschen schmutzig jetzt, aber sonst gehts ihm gut.
Der müsste jetzt zu euch gelaufen sein. Es geht ihm gut.
Unserer war da auch schon drin.

Total erschöpft, verfroren und schmutzig – der Maxe nach seiner Nacht im Schacht

4 Antworten auf “Schicht im Schacht”

  1. Oh Gott! Ihr Armen! Was für eine Nacht-für alle, für ihn sicher auch! Unsere Cleo ist auch Freigänger (sie ist uns zugelaufen) und ein wenig Angst schwingt klitzekleinunterschwellig immer mit…

    1. Ja, liebe Ilka, das immer die Gratwanderung. Aber ich finde das Argument der Freiheit überzeugend. Auch wenn es zu meinen Lasten geht. Heut hab ich ja auch gut reden … 🙂

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