Vom Winter in Pommern, von Pudelmützen, Bratäpfeln und Schlittenpartien…

In manchen Teilen Deutschlands hat er sich von seiner besten Seite gezeigt, bei uns im Norden war er bislang eher dem Namen nach zu Gast und zeigte sich immer wieder nur kurz, knackig und eiskalt – und dann war er auch schon … Weiterlesen

Ein Tag am Meer #prosa #nordsee #winterblues

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„Ja“, sag ich heut früh zum Mann, „wenn sich einer das Leben nehmen will und anderswo scheitert, hier oben im Norden im Winter stehen die Chancen gut für einen erfolgversprechenden Schritt ins Jenseits.“ Das sag ich mürrisch, während wir durch … Weiterlesen

Vom Glück, auf dem Land zu leben

Panorama Au

Panorma Wilstermarsch

Moin moin,

hinter mir liegt eine recht lange Reise, die in Baden-Württemberg ihren Anfang nahm, mich über Bayern nach Berlin und schließlich nach Schleswig-Holstein führte. Eines habe ich über all die Stationen, über Degerndorf, Ambach und Feldafing am Starnberger See, über München West und München Ost, über den Wedding und Tiergarten in Berlin nie verloren: Meine Freude, an allem was blüht, an Form und Farben der Natur, an kleinen und großen Viechern. Und das Empfinden von Augenblicken richtigen Glücks, wenn ich „da draußen“ bin.

Mit 19 Jahren war ich zum ersten Mal auf der Insel Sylt, ein Jahr später dann in Husum und Flensburg, an der Schlei und in Hamburg. Die knapp 1.000 Kilometer zwischen „da unten“ und „da oben“ , sie fühlten sich an wie eine kleine Weltreise, und die Fahrt vom Süden in den Norden glich einer Reise aus der Pracht und Fülle der Natur, der Kraft der Farben und Formen hin zur „spröden“ Weite der Landschaft an der Küste. Inzwischen weiß ich, dass der Norden förmlich dazu auffordert, genau hin zu sehen. Dass eben diese Weite ihre ganz besonderen Schätze dann offenbart, wenn man verweilt, sich also Zeit für sie nimmt.

Strandhalm

Dünenschönheit

Zeit.

Nun lebe ich also in Schleswig-Holstein, habe hie und da eine rechte Sehnsucht nach den Bergen und ganz besonders nach Wald. Den Streuobstwiesen aus meiner Kindheit, den geheimnisvollen Tannenwäldern und ja, überhaupt nach Bäumen, die mir immer eine Form von Geborgenheit gaben. Und wenn ich im Süden bin, meine Familie besuche, dann vermisse ich den ewigen Wind und diese unglaublich Weite, die ich an vielen Orten im Norden als Freiheit empfinde. Dann beklemmen mich die Enge, die Nähe von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf und Stadt zu Stadt.

Das „Wolfsnest“ – mein Zuhause – ist der Ort, der beides vereint.
Alte Eichen und Kastanien, Birken- und Erlenreihen umsäumen das Grundstück. Holunder, Flieder, Forsythie, Wildrose, kleine Weiden, Azaleen und Rhododendron sind meine Insel, umgeben von weiten Wiesen und dem Blick auf den Nord/Ostseekanal. In knapp 400 Metern Entfernung durchkreuzen Segler, gewaltige Container- und Passagierschiffe das Land von Kiel bis Brunsbüttel und umgekehrt. Surreal sieht es aus, wenn die Schornsteine und Kapitänsstände, die Masten und Stahlcontainer über den Baumkronen auftauchen und übers Land zu schweben scheinen. Bei Nebel melden Hörner mit dumpfem Klang dem Entgegenkommenden den Anspruch auf die Wasserstraße an. Dieselmotoren tuckern bedächtig und bringen Wassersportler an ihr Ziel.

Nord/Ostseekanal bei Nacht

Nord/Ostseekanal bei Nacht

„Mein“ Wolfsnest ist ein Erbe. Hier lebte bis zu seinem Tod ein altes Ehepaar, dessen Hände Werk überall zu finden ist, auch selbst noch nach mehr als 10 Jahren. In jedem Frühling erblühen unzählige Narzissen, Schneeglöckchen und Krokusse, die vor vielen Jahren von einer gerade einmal 1.50 Meter kleinen Person in die Erde gegraben wurden. Die riesige Azalee am Eingang zum Haus, das Hufeisen am Giebel, den kleinen Teich – wir haben vieles nicht verändert und so belassen. Im Haus selbst geht es nach und nach erst daran, Eigenes zu schaffen. An die beiden alten Menschen denke ich oft und ich danke ihnen für ihre Liebe zu den Bäumen, die ihr Leben überdauert und nun das meine bereichert.

Auch meine „Handschrift“ ist im Garten nun deutlich zu erkennen. Immer wieder bin ich erstaunt, wie und dass ich selbst den Dingen Gestalt geben kann. Diese Erkenntnis nötigt auch zur Vorsicht und Respekt – einmal gefällt, gestutzt oder geschnitten ist nicht mehr rückgängig zu machen. Vom alten und nach anfänglicher Abneigung lieb gewonnenen Holzofen haben wir uns im vorvergangenen Jahr getrennt. Manchmal war es im Winter frühmorgens  im Kühlschrank wärmer, als in der Küche. Brennholz kaufen, hacken, schichten – Späne schlagen und für den Kohlevorrat sorgen – das gehört nun der Vergangenheit an. Die Erfahrung allerdings, wie viel Mühe und Arbeit es bedeutet, für warmes Wasser und eine annehmbare Raumtemperatur zu sorgen, die möchte ich nicht missen. Und unvergessen bleibt die Räucherhöhle an heißen Sommertagen, wenn ich warmes Wasser zum Duschen brauchte, und der Rauch nicht nach oben abziehen sondern nach unten kriechen und mich aus dem Haus treiben wollte. Und auch das Stück vom linken Daumen, geopfert der Axt und dem Duschbad, wird mich ewig an den „ollen“ Eisenofen erinnern.

„Landglück“ – das ist meine schiere Freude an all den Blüten, auf die ich mich in diesem und in allen kommenden Jahren freuen darf. Das Glück, die beiden Kater in der Sonne liegen zu sehen, sich räkelnd. Die Freude über die Besuche von Reh und Bock, Fasan und Fasänin, Hasen, Fröschen, Ringelnattern, Mardern und Mauswieseln und an den Kranichen, deren unverwechselbares Rufen vom Schilfgürtel am Kanal aus zu hören ist. Spaß an den stolzierenden Laufenten der Nachbarn, die uns besuchen. Das Glück über die Verwirklichung meines „Kleinmädchentraumes“ – wenn die beiden Ponies einander jagen oder einfach nur friedlich grasen und ab und an schnauben. Das ist das Lachen, wenn am Abend die Lämmer zum „Tanz“ in wilden Sprüngen und Hüpfern ihre Energien loswerden. Die Schönheit der Bewegungen, wenn die großen Pferde der Nachbarn über ihre riesige Weide galoppieren und der Moorboden bebt. Das ist der Stolz, wenn ich einen Teil der Ernte vor Schnecken, Regengüssen, Raupen und Wildverbiss retten kann. Wenn Tomaten, Zucchini, Kräuter und Salat, Beeren, Pflaumen und Äpfel Einzug in die Speisekammer halten. „Landglück“ ist auch mein Schätzen von Ruhe, manchmal von Stille, von Abgeschiedenheit. Und die Freude über den Gruß vom Nachbarn, die Hilfsbereitschaft der Menschen auf dem Land.

Schaf neugierig gatter

Über all das möchte ich hier erzählen, in Worten und Bildern, und ich freue mich über Gäste und Besucher und herzlich auch über Gastautoren,
herzlich willkommen auf „Landglück“,

Heike Pohl