Schlagwort: richtig fotografieren

Die Vögel. Und ich. #fail

Vieles ausprobieren und versuchen zu dürfen, empfinde ich als große persönliche Freiheit. Davon hab ich mir im Lauf meines Lebens einige genommen – Freiheiten. Ich war im Ballett, hab Volley- und Handball gespielt. Bin an der Blockflöte gescheitert, an Mathematik, Latein und Physik. Habs auf dem Pferderücken zu viel Glück aber nie zur Dressurreife gebracht, eine zeitlang mit Kohle und Rötelkreide gemalt und vieles mehr… An manchen Dingen habe ich einfach das Interesse verloren, bei anderen lag es am Mangel an Talent oder schlicht daran, dass sie ihren Wert für mich verloren hatten.

Nun also fotografiere ich und das mit einer für mich selbst überraschenden Leidenschaft. Die eigenen Fortschritte und das Feedback anderer motivieren ungemein, wobei ich sagen muss: Mich hat nie ein Hobby (körperlich) mehr verspannt, als diese Arbeit mit dem Makro-Objektiv.  Alles an mir vibriert beim Fokussieren, ob vor Anspannung oder Ehrgeiz, das vermag ich nicht zu sagen. Aber: Für die großen, die genialen Naturaufnahmen fehlen mir zum einen die fachlichen Kenntnisse und zum anderen auch die Ausstattung, als bleibt es (vorerst) beim Blick auf’s Detail.

MückeAufEchinacea

Nun will es die Jahreszeit, dass neuerdings immer mehr und mehr zauberhafte Aufnahmen unserer heimischen Vogelwelt zu sehen sind. Darüber hinaus habe ich die Facebook-Seite von Susan Faulkner entdeckt, die dort ihre mit einem unglaublich teuren Nikon-Teleobjektiv eingefangenen genialen Aufnahmen der Vogelwelt Floridas  zeigt. Also hab ich mir gedacht: Heike, ein gutes Tele hast du nicht, aber jede Menge Vögel. Nimm dir Faulkner als leuchtendes Vorbild und versuch dein Glück mit dem Spatz auf dem Gartentisch.

Was soll ich sagen?
Nach unzähligen vergeblichen Versuchen, die Schwärme von kleinen Vögeln – auf meinem Gartentisch Haferflocken, Sonnenblumenkerne und Nüsse pickend – mit der Kamera ins rechte Licht rücken zu wollen, hab ich mich schließlich an sie ran geschlichen. Also quasi von hinten ins Auge, ums ganze Haus herum, durch den Haselnussstrauch, dann anvisiert und – schwupps – wie auf einen geheimen Wink hin flogen sie alle auf und davon. Und zwar in die Büsche und Bäume an der Rückseite des Hauses.

Was die können, kann ich auch. Vom Badezimmer aus hab ich sie schließlich genau im Visier.
Also bin ich in die Wanne gestiegen, das Tele im Anschlag. Und hab mir die Nase und die Finger erfroren. Nach zwei Stunden vergeblicher Hoffnung, die Elstern, Eichelhäher, Spechte, Meisen, Finken und Spatzen würden sich dort auch dann noch tummeln, wenn ich keinen Schaum in den Haaren und stattdessen die Kamera in der Hand habe, gab ich auf. Kaum ging nämlich das Fenster (leise) auf, wirbelten sie erneut auf und davon, und ließen für die lange Zeit des Wartens weder eine Feder- noch eine Schnabelspitze sehen. Zurück in der Küche, wurde es für einen kurzen Augenblick stockfinster, dann nämlich, als der riesige Schwarm vom Gartentisch unter dem Küchenfenster auf- und davonflog. Wohin wohl? Richtig, wieder hinters Haus in die Büsche vor dem Badezimmerfenster.

Um es abzukürzen: Das mit mir und den Vögeln wird nix werden. Vielleicht sind sie auf dem Land einfach scheuer, als die zivilisierten Großstadtspatzen? Die Viecher zappeln, flattern, hüpfen und benehmen sich alles in allem derart hektisch, dass ich davon völlig nervös werde. Mein linkes Augenlid fängt an zu zucken, mein Zeigefinger am „Abzug“ auch und die Ergebnisse führen bestenfalls zu Heiterkeitsausbrüchen und schlimmstenfalls zu Resignation. Die Gänse, in diesem Herbst und auch jetzt noch in Scharen über meinem Kopf zu sehen, sind einfach zu weit weg. Und das Glück, dass sich ein gefiederter Genosse verfliegt und versehentlich im Entenhaus landet, hab ich eher selten (siehe Foto). Und selbst dann machen sie mich so zappelig, dass …

Als ultima ratio behalte ich mir vor, den nächsten Verflogenen heimlich zu erdrosseln, auszustopfen und ihn dann mit der Kamera zu porträtieren. Und zum Trost bleiben mir schließlich die Laufenten, die lassen sich mit Mais ködern und sind das Posieren gewohnt, oder so tolle Aufnahmen, wie sie Alois Absenger sogar mit den überaus scheuen Eisvögeln gelingen.

Ich wünsche einen schönen Adventsabend und erheiterte Gesichter beim Betrachten meiner (MissGlückten) Vogelbilder, von denen mir einzig die Rauchschwalben im Stall und Schnattertante Pelle gelungen sind.

Herzlich,
Heike

ElsterII

Elster auf Weiß, Minimalismus in einer frühen Periode…

Spatz auf Holz, mit Makro auf Mikro…

VögelchenImKäfig

Verflogen – Vogel turnt im Entenhaus…

Storch

Storch. Im Salat.

Meise

Meise im Aufwind…

GänsehimmelKanal

Die schwarzen, kleinen Streifen im Bild – das sind Gänse.

GänseÜberKopf

Immerhin…

ZapfenLärcheGegenHimmel

Hierbei handelt es sich um eine Verwechslung…

Rauchschwalben

Und hierbei um ein Meisterstück. (Dass S. das gemacht hat, muss ja keiner wissen.)

Ich verabschiede mich für heute mit einer Interpretation aus Tschaikowskys „Schwanensee“
und mit den Links zu

Susan Faulkner und ihren wunderschönen Aufnahmen
und
zu
Alois Absenger und seinen Eisvögeln

PelleSchwannseeTri

Neues von der tiefsten Landstelle der Republik…

TiefsteLandstelle
Wer im übertragenen Sinne sozusagen am Badestöpsel der Nation lebt, dem muss die Liebe zum Wasser so nah sein, wie meinen beiden Enten, für die ich heute „angebaut“ habe. Sie sind im Tierreich ganz sicher nicht die hellsten Kerzen im Leuchter, begreifen den Unterschied zwischen „im Stall“ und „außerhalb des Stalls“ nur bedingt und dass die eigens für sie von mir konstruierte (!) und gebaute (! – ätsch S., ich hab’s geschafft) Trittleiter dazu taugt, vom einen ins andere zu gelangen, dafür üben wir noch ein Weilchen.

Flutanzeiger

Aber: Dass man im neuen „Teich“ tauchen und sich der Länge nach über die eigene Körperachse drehen kann, das muss in der DNA gespeichert sein. Jedenfalls hatten Paul(a) & Pelle den Stimmen nach einen Heidenspaß. Und ich muss beim Knipsen mittlerweile in Deckung gehen mit dem Objektiv, weil es in alle Richtungen spritzt.

Klar wird auch dieser „Pool“ über kurz oder lang zu eng. Und wenn es so weiter geht, haben die Federviecher bald das halbe Wolfsnest annektiert. Und zwar gänzlich ohne Entente, zumindest was S. anbelangt.

Pool

Frontal

Apropos S.
S. hat heimlich das Objektiv ausgewechselt. Könnte ich nun so richtig fotografieren, hätte ich das sicherlich beizeiten bemerkt. So aber habe ich nun zumindest bei den Entenbrüdern leider nicht die gewünschte Unschärfe im Hintergrund, was hie und da den Eindruck entstehen lässt, die Tiere würden auf Stangen gespießt zum Stillhalten verdonnert. Stockenten also, wenn man so will.Vielleicht war es aber auch der kleine Schilfgeist, den zumindest ich im nächsten Bild eindeutig zu erkennen glaube.

Schilfgeist

Schilf. Nach knapp vier Tagen regelmäßiger Regenschauer setzt sich heute die Sonne durch. Gemeinsam mit dem Wind. Schilf zu fotografieren (also so, wie ich es eigentlich gerne möchte), ist unmöglich.

SchilfimWind

Was nicht will, wird Willens gemacht.

Schilf

Und zwischen den netten grauen Gesellen, an denen ich täglich auf dem Weg ins Büro vorbeifahre, und der kleinen puschligen Hummel, zeigen sich dann Paul & Pelle von ihrer besten Seite. Knapp sechs Wochen, nach ihrem Schlüpfen.

Eselreihe

Sommergäste – im Winter ziehen sie mit einem Zirkus übers Land.

Esspritzt

Flattermann

Der legendäre Flattermann.

PaulaLang

NahimTeich

GeduckteDuck

NahimTeich2

OrangeNassLasur

Pelle Fussvor

Schmetterlingswicke

Uffjeplustert

Blaubunt

NahimTeich2

Rosenspiel

Pelleguggt

Rotweiss

Hummelbrummer

Ich bin jedenfalls nach drei Schubkarren feuchter, schwerer Erde geschafft. Der Rücken ist auch. Also mach ich es, wie die Enten – und geh baden. In meiner eigenen Wanne.
Wünsche allseits einen schönen Abend und bedanke mich für’s Vorbeischaun im Wolfsnest.

P.s.: Und wenn mir dann noch einer verrät, wer dort draußen seit einer Stunde unentwegt mit dem Gewehr auf etwas ballert, schieße ich zurück. Scharf!